Auf dem Weg zur Arbeit

Zu Fuß schneller als mit dem Bus: Mitarbeiter der St.-Barbara-Klinik machen den Mobilitätscheck

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Michael Wilczek fährt normalerweise mit dem Auto zur Arbeit, für uns ist er einen Tag gelaufen. Denn der Bus braucht genau so lange. Dr. Claudia Strunk fährt jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit – auch bei Regen.

Beim Thema Klimaschutz spielt auch die Mobilität eine große Rolle. Um das Klima zu schützen, sollte man öfter mal das Auto stehen lassen und stattdessen mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit fahren, fordern viele. Das ist aber nicht immer leicht.

Hamm - Zwar gibt es in Hamm ein recht großes Busnetz, zwischen den einzelnen Stadtbezirken lässt die Verbindung aber an einigen Stellen zu Wünschen übrig. Zum Beispiel dann, wenn man von Werries aus zur St- Barbara-Klinik in Heessen möchte. „Da ist man zu Fuß schneller als mit dem Bus“, sagt Michael Wilczek. Er ist Dozent am medizinischen Bildungsinstitut der St.-Barbara-Klinik und hat mit WA.de den Mobilitätscheck gemacht.

Fußweg spart Umweg über die Innenstadt

Es ist 6.15 Uhr am Donnerstagmorgen. Normalerweise würde Michael Wilczeks Wecker erst später klingeln. Heute ist er aber schon wach und angezogen, denn gleich muss er sich auf den Weg zur Arbeit machen. Eigentlich nutzt der Klinikmitarbeiter für den sieben Kilometer langen Arbeitsweg sein Auto. „Das ist einfach der schnellste Weg“, sagt er. Heute bleibt der Wagen in der Garage. Stattdessen ist Wilczek in seine Schuhe geschlüpft. Er will beweisen, dass er zu Fuß schneller auf der Arbeit ist als mit dem Bus.

Wilczek müsste mit einem Bus von Werries aus in die Innenstadt fahren und dann mit einem anderen Bus aus der Stadt in Richtung Heessen. Dafür braucht man je nach Uhrzeit und Verbindung 60 bis 75 Minuten.

Taschenlampe leuchtet finsteren Weg aus

Als sich Wilczek nun zu Fuß auf den Weg zur Arbeit macht, kommt er an der Bushaltestelle vorbei. Nur noch einige Minuten bis zur Abfahrt. Doch Wilczek wartet nicht, sondern geht weiter: Ein kleiner Vorsprung schadet ja nicht. Der kürzeste Weg führt durch die Lippewiesen. Laternen gibt es auf den schmalen Schotterwegen nicht, andere Menschen sind nirgends zu sehen. Nur das Licht einer kleinen Taschenlampe erhellt den Weg zu den Füßen. Das ist schon etwas gruselig.

„Ach, ich finde es gar nicht so schlimm“, sagt Wilczek. Im Sommer nutze er die Strecke öfter, um mit dem Rad zur Arbeit zu fahren. Es geht eine ganze Weile über dunkle Wege, dann erreichen wir die Ostwennemarstraße. „Hier ist jetzt wieder ein bisschen Zivilisation“, sagt Wilczek.

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Wir folgen der Straße ein paar Meter, einen Fußweg gibt es hier nicht. Für Fußgänger im Dunkeln ist das nicht ungefährlich. „Aber es ist der kürzeste Weg“, erklärt der Klinikmitarbeiter. Als wir die Lippewiesen erreichen, geht langsam die Sonne auf und färbt den Himmel in einen warmen Orangeton. „Es ist schon eine wirklich schöne Strecke“, sagt Wilczek. Er lächelt. Viel Zeit, den Anblick zu genießen, bleibt jedoch nicht. Um 7.30 Uhr ist Arbeitsbeginn und mittlerweile ist es schon kurz nach sieben.

Schneller am Ziel als der Bus

Wir legen einen Zahn zu und erreichen um 7.27 Uhr die St.-Barbara-Klinik. Als wir gerade den Fahrplan an der Haltestelle checken wollen, fährt der Bus um die Ecke. Wir waren also etwa genauso schnell, denn wir hatten einen kleinen Vorsprung.

„Trotzdem werde ich das jetzt nicht jeden Tag machen“, sagt Wilczek lachend. Er möchte das Fahrrad nun häufiger benutzen, zumindest dann, wenn das Wetter es zulässt.

"Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege"

7.30 Uhr ist auch Arbeitsbeginn für Dr. Claudia Strunk. Für die Leiterin des Brustzentrums ist Mobilität seit Jahren ein Thema. Sie fährt immer mit dem Rad zur Arbeit, auch bei schlechtem Wetter. „Dann ziehe ich eben Regenkleidung und Gummistiefel an. Wer nicht will, findet Gründe, wer will, findet Wege“, erklärt sie.

Angefangen hat sie damit vor etwa acht Jahren. „Mein Sohn hat seinen Zivildienst angefangen und musste dafür immer von Werries aus in die Stadt. Ein eigenes Auto kam nicht in Frage, also ist er mit dem Rad gefahren. Ich verlange nichts von meinen Kindern, das ich nicht auch bereit bin zu tun. Also habe ich mitgemacht“, erinnert sie sich. Mittlerweile erledige sie die meisten Fahrten mit dem Rad.

„Es ist zur Gewohnheit geworden. Jetzt fühlt es sich komisch an, mit dem Auto zu fahren“, sagt sie. 2 500 Kilometer kämen so im Jahr zusammen. Neben der Gesundheit war auch das Klima ein Grund für den Autoverzicht. „Ich möchte meinen Kindern und Enkeln sagen können, dass ich etwas gemacht habe. Ich denke, jeder kann und sollte etwas tun, um die CO2-Emissionen zu senken.“

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