Ampel-Modell als Vorschlag

„Praxisfremd und völlig naiv“: NRW-Familienminister Stamp attackiert Kita-Idee von Giffey

Kitas in NRW sind im Pandemie-Betrieb. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey schlägt zur Öffnung ein Ampel-Modell vor. In Nordrhein-Westfalen kommt die Idee nicht gut an.

Hamm - Der reguläre Betrieb in den Kitas in Nordrhein-Westfalen und ganz Deutschland ruht. Zur Bekämpfung des Coronavirus sollen Eltern ihre Kinder möglichst zu Hause lassen. Wer Arbeit, Homeoffice und Nachwuchs nicht unter einen Hut bekommt, kann sein Kind für die Betreuung dennoch in die Kindertagesstätte bringen - in NRW nennt sich das „Pandemie-Betrieb“. (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
Gründung23. August 1946
HauptstadtDüsseldorf
MinisterpräsidentArmin Laschet

Kitas in NRW: Joachim Stamp lehnt Ampel-Modell von Franziska Giffey zur Öffnung nach Lockdown ab

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) hat nun einen Vorschlag für eine zügige Öffnung der Kitas nach dem Lockdown gemacht. Sie brachte ein Ampel-Modell ins Spiel. Nach dem 14. Februar müsse es „echte Öffnungsperspektiven bei Kitas und Schulen“ geben, sagte die SPD-Politikerin der Bild am Sonntag.

Im Detail meinte sie: „Unser Vorschlag ist eine Kita-Ampel, bei der erst mal die Situation in den einzelnen Kitas den Ausschlag gibt.“ Somit „könnten wir einen Großteil der Kitas wieder öffnen und gleichzeitig sehr verantwortungsvoll und gezielt anhand des Infektionsgeschehens in den einzelnen Kitas reagieren“, betonte die Bundesfamilienministerin.

In Nordrhein-Westfalen kommt dieser Vorschlag weniger gut an. Viel mehr noch: Er stößt auf Ablehnung. NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) sagte dem Kölner Stadt-Anzeiger: „So richtig es ist, auch in anderen Bundesländern Kitas wieder zu öffnen, so ist der Verfahrensvorschlag von Frau Giffey praxisfremd und völlig naiv.“ Auch auf Nachfrage des WDR hatte der Liberale seine Kritik bekundet.

Kita-Öffnung: Bundesfamilienministerin Giffey schlägt Ampel-Modell vor - Stamp (NRW) dagegen

Das Modell von Franziska Giffey sieht vor: Ob und in welchem Ausmaß eine Kita geöffnet hat, solle sich künftig daran messen, wie viele Kinder und Erzieher mit Corona infiziert oder in Quarantäne sind: Ist niemand infiziert und liegt der Quarantäne-Anteil unter zehn Prozent, so zeigt die Corona-Ampel gewissermaßen auf „grün“ - und die Kita ist ganz normal geöffnet.

Die Ampel stünde auf „gelb“, wenn eine Person infiziert und eine Kindergartengruppe oder bis zu einem Viertel des Personals in Quarantäne ist. Dann gäbe es einen eingeschränkten Regel-Betrieb, zum Beispiel mit weniger Stunden. „Rot“ wäre es bei zwei oder mehr Infizierten und sehr vielen Personen in Quarantäne - dann würde die Kita geschlossen - und nur die Notbetreuung in den Kitas würde angeboten, so das Giffey-Modell.

Kitas in NRW: Wie geht es nach dem 14. Februar weiter?

Bei NRW-Familienminister Joachim Stamp führt diese Idee von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey eher zu Kopfschütteln. „Das würde zu einem völligen Chaos für Kita-Personal, Eltern und Träger führen“, sagte der FDP-Politiker. Nur die Kitas in Nordrhein-Westfalen gelte nach wie vor folgende Regel für die Betreuung in der Kita: „Wir setzen den eingeschränkten Pandemie-Betrieb mit festen Gruppen und Stundenreduzierung fort und appellieren an die Eltern, nach Möglichkeit bis zum 14. Februar die Kinder selbst zu betreuen.“

Und nach dem Corona-Lockdown? Gibt‘s eine Verlängerung der bestehenden Maßnahmen? Wie es ab dem 15. Februar weitergehe, „werden wir unter Berücksichtigung der Pandemie-Entwicklung mit Trägern, Eltern und Gewerkschaften in der kommenden Woche beraten, erklärte Joachim Stamp. (mit dpa-Material)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa | Rolf Vennenbernd

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare