Viele Neuinfektionen bei Jüngeren

Kinder als Corona-Superspreader: Sollten Kitas und Schulen in NRW schließen?

Die Corona-Neuinfektionen sind je nach Altersgruppe unterschiedlich. Besonders extrem steigt die Inzidenz bei Kindern. Sollten Schulen und Kitas in NRW also schließen?

NRW - Kinder sind aktuell sowas wie die Superspreader unter den Corona-Infizierten und verbreiten das Virus zunehmend, wie empirische Daten belegen. Derweil ist unklar, wie es nach den Osterferien mit den Schulen sowie mit den Kitas in NRW weitergehen soll. Ist eine Schließung der Einrichtungen notwendig? Ein Überblick. (News in Coronavirus)

BundeslandNRW
Fläche34.098 Quadratkilometer
Bevölkerung17,93 Millionen
HauptstadtDüsseldorf

Kinder als Corona-Herde in der dritten Welle: Zusammenhang mit Öffnung von Schulen und Kitas

Die Corona-Zahlen steigen in Deutschland rasant. Und auch in Nordrhein-Westfalen erreicht die Inzidenz der Corona-Neuinfektionen aktuell stets höhere Werte als am Vortag. Der Trend hat mehrere Gründe. Einer davon ist die Öffnung der Kitas, Grundschulen und weiterführenden Schulen. Denn wie Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) nun zeigen, gibt es immer mehr Corona-Ausbrüche mit Kinderbeteiligung.

Zwar gilt in Nordrhein-Westfalen seit den Verschärfungen in der Corona-Schulpolitik auch im Unterricht eine Maskenpflicht für alle Schüler. Doch allein deshalb macht das Virus vor Jüngeren nicht halt. Wie das RKI mitteilte, zeichne sich die dritte Corona-Welle im Gegensatz zu den vorherigen vor allem durch erhöhte Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen aus.

Kinder als Corona-Herde: Steigende Inzidenz bei Jüngeren mit und ohne Maskenpflicht

Auffällig ist insbesondere die Entwicklung der Corona-Inzidenz bei Kindern bis vier Jahre, die von der Maskenpflicht ausgenommen sind. Dort stieg die Inzidenz jüngst erstmals über 100. Zum Vergleich: Die Inzidenz ist bei Kindern bis dato immer deutlich unter der Inzidenz der Gesamtbevölkerung gewesen. In der Gruppe der Fünf- bis Neunjährigen liegt die Corona-Inzidenz mit 126 nun sogar über jener der Gesamtbevölkerung (110).

Die Anzahl der Corona-Ausbrüche mit Kinderbeteiligung wächst im Zuge der dritten Welle.

Derweil machen sich laut Angaben des RKI die Impfungen bemerkbar, Corona-Infektionen im Alterssegment 85+ nehmen ab. Zudem sollen auch die unter 80-Jährigen in Nordrhein-Westfalen zeitnah gegen Corona geimpft werden, was weiter für sinkende Fallzahlen bei den Älteren führen dürfte.

Kinder als Corona-Herde: Schließungen der Schulen regional möglich

Dass die Zahlen der Corona-Ansteckungen bei Kindern kurzfristig auch abnimmt, ist nicht zu erwarten. Befürworter des harten Lockdowns drängen deshalb auf eine Schließung von Schulen und Kitas. Die Stadt Dortmund hatte angedacht, mit der Schließung ihrer Schulen einen Sonderweg einzuschlagen, wurde dann aber von der Landesregierung ausgebremst. Im Märkischen Kreis wurden in der Woche vor den Osterferien dagegen tatsächlich schon die Schulen geschlossen*. Der MK ist der Hotspot mit den landesweit meisten Neuinfektionen.

Doch nicht nur Städte und Kreise sind besorgt, dass Präsenzunterricht in der Schule zum Superspreading-Event wird. Auch Eltern von Kindern in Kitas und Schulen machen sich zunehmend Sorgen. Denn anders als zunächst angenommen, kann Corona bei Kindern im Zuge des PIMS-Syndroms zu schweren Erkrankungen führen. Allerdings treten solche Fälle derzeit nur sehr selten auf.

Schulen: Kinder sollen mehr Corona-Tests bekommen

Gleichzeitig gibt es Experten, die einen harten Lockdown in den Institutionen und Einrichtungen für Kinder als nicht mehr verhältnismäßig ansehen und stattdessen die Öffnung der Schulen und Kitas begrüßen. Was beide Fronten oftmals eint, ist der Wunsch nach weiteren, flächendeckenden Corona-Tests, wenngleich diese die absolute Zahl der Neuinfektionen und somit die Inzidenz weiter in die Höhe treiben dürfte.

Die Tests sind aktuell schon angelaufen, doch der Start verläuft vielerorts holprig. Doch die Bundesregierung hat das Ziel, den Schülern zeitnah zwei Corona-Tests pro Woche anzubieten. „Auch im Kita-Bereich werden die Beschäftigten baldmöglichst zweimal pro Woche in entsprechenden Verfahren getestet“, heißt es in einem Beschlusspapier der Bundesregierung nach dem jüngsten Corona-Gipfel. Damit dürften dann aber ausschließlich die Mitarbeiter gemeint sein. Denn von Tests für Kita-Kinder ist - anders als in Entwürfen vor dem Bund-Länder-Treffen - keine Rede mehr.

Dennoch steht fest: Die Regierung will nach eigenen Angaben weiter in flächendeckende Corona-Testungen investieren. Das ist ein Indiz dafür, dass dem Präsenzunterricht in NRW vorerst kein genereller Riegel vorgeschoben wird. Trotzdem kann es natürlich zu regionalen Schließungen der Schulen oder Kitas in Hotspots kommen, so wie es aktuell im Märkischen Kreis der Fall ist. Was genau Schüler, Lehrer und Eltern wissen müssen, wird sich allerdings erst zeigen, wenn die Beschlüsse der Bund-Länder-Konferenz final für Nordrhein-Westfalen umgesetzt werden. - *come-on.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare