Gewerkschaft freut sich und kritisiert

Hoffnung für Kettler: Stiftung verlängert Darlehen

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Hoffnung für Kettler: Die Kettler-Stiftung verlängert einen auslaufenden Kredit, um eine Fortführung des Unternehmens zu ermöglichen.

[Update 20.15 Uhr] Werl/Ense - "Die Heinz-Kettler-Stiftung macht den Weg frei für eine weitere Sanierung von Kettler", so lautet der erste Satz einer Pressemitteilung, die die Stiftung am Donnerstagnachmittag herausgab.  Sie habe sich mit dem Unternehmen, Gesellschaftern und dem vorläufigen Sachwalter auf die Weiterführung eines von der  Stiftung gewährten Darlehens geeinigt. 

Durch einen „unechten Massekreditvertrag“, so heißt es in der Pressemitteilung, schaffe die Stiftung eine Basis für eine Finanzierungslösung zur Rettung des Traditionsunternehmens. Gleichzeitig blieben auch die Sicherheiten der Stiftung gewährleistet. 

Die Stiftung schreibt von einem „tagelangen Tauziehen“ mit der Kettler Holding. Wäre es nicht zu einer Einigung mit der Markeninhaberin gekommen, „hätte dies unweigerlich das Aus für Kettler bedeutet“.

Kettler war nach der Übernahme durch den Finanzinvestor Lafayette Capital im Dezember 2018 bereits Ende Juli zum dritten Mal in vier Jahren in die Insolvenz gerutscht. "Die Sanierung der Kettler Freizeit GmbH und der Kettler Plastics GmbH, die aktuell in Eigenverwaltung durchgeführt wird, stand zwischenzeitlich auf Messers Schneide", schreibt die Stiftung.

Darlehen war Voraussetzung für die Rettung

Kernstück des Plans ist die Fortführung eines auslaufenden Darlehens der Stiftung von über 6,5 Millionen Euro. Das Darlehen hatte die Stiftung Ende 2018 als Zwischenfinanzierung gewährt. Nur unter dieser Bedingung war der Investor bereit, ins Unternehmen einzusteigen.

Die Sicherheiten zu diesem Darlehen hätte die Stiftung nach der Insolvenz sofort verwerten können. "Das hätte aber eine Weiterführung und Sanierung von Kettler praktisch unmöglich gemacht", heißt es in der Mitteilung. Stiftung und Unternehmen mussten zur Weiterführung eine Lösung finden, bei der die Stiftung hinsichtlich ihrer Sicherheiten nicht schlechter gestellt wird, als zum Zeitpunkt der Antragstellung.

"Tragfähige Lösung nach Marathonsitzungen"

Zu dem Zweck habe man sich nun auf einen sogenannten unechten Massekreditvertrag geeinigt, der eine Schlechterstellung der Darlehensgeberin verhindern soll. Strittig war dabei insbesondere die komplexe Bewertung des sogenannten Massekostenbeitrags. "Den Parteien gelang es in Marathonsitzungen, eine tragfähige Lösung dafür auszuhandeln", kommentiert die Stiftung.

Die Kettler Stiftung hält keine Anteile und ist daher auch nicht Gesellschafter des insolventen Unternehmens. Sie ist allerdings Eigentümer aller Kettler-Immobilien in Werl und Ense.

So reagiert die Gewerkschaft

„Sehr, sehr erfreut“ zeigte sich gestern Dirk Tscherning von der IG Metall. „Das weist definitiv in die richtige Richtung.“ Die aktuelle Entwicklung, die finanziell Luft schafft, sei zwar nur ein Baustein für die erhoffte Rettung von Kettler, aber ein sehr wichtiger. Auch sei er notwendig gewesen, um nun weitere Schritte gehen zu können. „Von einer Stiftung, die immer noch die Marke im Namen trägt, hätten wir aber auch nichts anderes erwartet.“ Es sei bedauerlich, „dass es wieder einmal so lange gedauert hat, bis die Stiftung sich für die Interessen der immer noch gut 500 Beschäftigten eingesetzt hat und diese erneut so lange bangen mussten.“ 

Über die Gremien war die Arbeitnehmervertretung eingebunden in die Beratungen. „Wir sind auch im ständigen Austausch mit den Betriebsräten“, sagt der Betriebsbetreuer der Gewerkschaft. Nach wie vor sei die IG Metall „trotz allem, was passiert ist“, der festen Überzeugung, dass Kettler am Markt eine gute Chance und damit Zukunft hat. „Das Potenzial ist vorhanden.“ 

"Darüber waren wir sehr enttäuscht"

Und: Die Kunden stehen nach wie vor zu Kettler. Gleichwohl geht die IG Metall auch mit der früheren Geschäftsführung ins Gericht. Die Maßnahmen zur Restrukturierungen Kettlers seien nicht so umgesetzt worden, wie das zuvor vereinbart worden war. „Darüber waren wir sehr enttäuscht.“ Genau das müsse nun aber passieren, „damit die Kollegen eine Zukunft haben“. 

Denn die Fehler der jüngeren Vergangenheit seien erst Ursache der neuerlichen Insolvenz gewesen. „Die hat uns kalt erwischt.“

Unternehmen hofft auf Zeitgewinn

Unterdessen prüft die Kettler Freizeit GmbH derzeit die Möglichkeit, das Insolvenzgeld auf die Monate August, September und Oktober zu verlegen.

Damit würde das Unternehmen Zeit gewinnen im laufenden Insolvenzverfahren. Ein solcher Schritt wäre eventuell durch eine Rückzahlung des ersten Monats Juli regelbar und „hängt noch ab von den Sanierungsüberlegungen“, teilt das Unternehmen auf Anfrage mit.

Bisher sei die Zahlung des Insolvenzgeldes für die Monate Juli, August und September vorgesehen. würde also am 30. September auslaufen. Für die Änderung bedarf es der Zustimmung der Arbeitsagentur. Verzögerungen gebe es ansonsten derzeit nicht, betont das Unternehmen.

500 Mitarbeiter in Werl und Ense

„Seit Antragstellung und Beginn der nochmaligen harten Sanierung sind lediglich sechs Wochen vergangen, was nicht viel Zeit ist“, sagt Sprecherin Stefanie Risse. Und: „Versäumnisse aus der Vergangenheit lassen sich nicht in der kurzen Zeit lösen“. In den Werler Werken und der Hauptverwaltung in Parsit arbeiten noch rund 500 Menschen.

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