Keine Einigung von Investor und Stiftung

Kettler meldet Insolvenz an, hat aber "klaren Plan"

Die Kettler GmbH hat Insolvenz angemeldet.

[Update 17.50 Uhr] Werl/Ense - Die Kettler GmbH hat am Mittwochmorgen Insolvenz mit Antrag auf Eigenverwaltung beim Amtsgericht Arnsberg eingereicht. Das bestätigt das Unternehmen.

Es habe keine Einigung von Investor „Altera Capital“ mit der Kettler-Stiftung gegeben. Die Stiftung wehrt sich, spricht von nicht akzeptablen Forderungen des Investors. Der Schritt war zuletzt befürchtet worden, weil sich die Verhandlungen mehr und mehr hinzogen. Die Betroffenheit bei den Beschäftigten ist groß.

Zurzeit hat die Firma zwar Betriebsferien. Die Verwaltungsmitarbeiter in Ense-Parsit und die Vertreter in den Kettler-Werken in Werl sind aber vor Ort von Geschäftsführer Olaf Bierhoff informiert worden. Es habe viele Fragen gegeben, aber auch Antworten und Optimismus, den Höhepunkt der Krise meistern zu können.

Nur Stiftung verweigerte die Unterschrift

Rund 730 Mitarbeiter hat Kettler. Sie wurden ab mittags über alle möglichen Kanäle von den Abteilungsleitern, aber auch über die Gewerkschaft IG Metall „so weit wie möglich“ informiert.

Kettler will den weiteren Sanierungsprozess nun gemeinsam mit dem neuen Investor „Altera Capital“ gehen, lässt das Unternehmen wissen. Alle Beteiligten, der Aufsichtsrat, die IG Metall, die Mitarbeiter, vor allem aber auch die Banken und Vertreter des Landes NRW seien mit dem Vertragsentwurf zum Einstieg des Investors bei Kettler einverstanden gewesen. 

Allein die Stiftung habe ihre Unterschrift verweigert. Daher sei der Gang zum Insolvenzgericht mit dem Antrag auf Eigenverwaltung nun unumgänglich gewesen.

Firma spricht von „klarem Plan“

Für das Unternehmen sei wichtig, dass die Lieferanten und Kunden bei der Stange bleiben. Die Pressemitteilung von Kettler versprüht Optimismus. Es gebe einen „klaren Plan“.

Bereits am 14. Mai 2018 seien die Gesellschaftsanteile der Kettler GmbH in Ense an den Investor Altera Capital verkauft worden. Die Übernahme hätte bis Anfang Juli abgeschlossen sein sollen. „Allein die Heinz Kettler Stiftung, die noch zum Jahreswechsel 2018 über ein eigenes Angebot zur Übernahme des Unternehmens nachgedacht hatte, hat sich nicht zur Unterstützung des Angebotes des Investors entschieden“, teilt Kettler mit.

Es war ein dramatisches Ringen

Investor und Stiftung hätten sich aber „in bestimmten Punkten“ nicht einigen können. „Um auf den Einstieg des neuen Gesellschafters nicht länger warten zu müssen, der einen zweistelligen Millionenbetrag zugesagt hat“, habe die Kettler GmbH nun den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt.

„Das Verfahren soll im Herbst abgeschlossen sein, und bereits nach den Sommerferien will die Geschäftsführung die Pläne des Investors der Öffentlichkeit, Kunden und Partnern vorstellen.“ Der Investor hat nach Kettler-Angaben nicht nur Millionen-Investitionen zugesagt, sondern auch, die Mitarbeiter zu übernehmen und die Standorte in Ense und Werl zu erhalten.

Welche Folgen hat die Insolvenz?

as operative Geschäft werde fortgeführt; ansonsten müsse man nun den Fortgang des Verfahrens abwarten, mit dem Kettler aus einem ersten Verfahren 2015 bereits Erfahrung hat. 

Eigenverwaltung heißt: Die Geschäftsführer bleiben eingebunden, ein Sachwalter wird zur Seite gestellt; Ziel sei, die rund 730 Arbeitsplätze zu erhalten und Kettler in eine sichere Zukunft zu führen.

Ziel ist Erhalt der 730 Arbeitsplätze

Geschäftsführer Olaf Bierhoff sagt dazu: „Mit dem Team und den Möglichkeiten von Altera Capital hat Kettler sofort eine unternehmerische und internationale Stärke, die uns eine Vielzahl an Chancen für eine zukunftsorientierte Neuausrichtung bietet. Unsere Kunden und Partner werden dies bereits ab der Herbstsaison begeistert erleben können!“

Stiftungsvorstand Andreas Sand sagt, der Investor habe den Vertrag zwar unterschrieben, aber zu „stiftungsrechtlich unzumutbaren Bedingungen“. Seit einer Woche herrsche Funkstille, habe es keine weiteren Verhandlungen gegeben. Die aktuelle Entwicklung verantworte nicht die Stiftung. Der Investor sei über die angebotenen, symbolischen 5 Euro für die Übernahme des Unternehmens nicht hinausgegangen.

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