1. wa.de
  2. NRW

„Kein Strom und Warmwasser“: Erschreckende Zustände in Schrotthäusern

Kommentare

Regelmäßig führt ein Spezialteam der Stadt Gelsenkirchen Kontrollen in Schrotthäusern durch. Bei der jüngsten Aktion stellte die Stadt viele Mängel fest.

Gelsenkirchen – Rattenbefall, Schimmel und Leistungsbetrug: Schrotthäuser sind der Stadt Gelsenkirchen ein Dorn im Auge. Regelmäßig überprüft deshalb ein Spezialteam aus verschiedenen Behörden auffällige Gebäude. Teilweise leben die Menschen dort unter so gefährlichen Bedingungen, dass die Häuser und Wohnungen für unbenutzbar erklärt werden müssen. Die jüngsten Kontrollen Ende Juli brachten erschreckende Zustände ans Licht.

Kontrollen in Gelsenkirchen: 99,9 Prozent Feuchtigkeit im Treppenhaus

Häuser an insgesamt fünf Straßen in Gelsenkirchen hat das sogenannte Interventionsteam EU-Ost am Donnerstag, 25. Juli, genauer unter die Lupe genommen, schreibt die Stadtverwaltung in einer Mitteilung. Beteiligt waren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD), der Verkehrsüberwachung (VÜD), der Wohnungsaufsicht und der Bauordnung gemeinsam mit dem Jobcenter sowie der Emscher Lippe Energie (ELE).

Insgesamt sechs Verfahren leiteten die Kräfte gegen die einzelnen Teileigentümer eines Hauses in der Steinfurthstraße ein. Dort seien diverse Mängel festgestellt worden, erklärt die Stadt Gelsenkirchen. Unter anderem verfügt das Gebäude über keine Strom- und Warmwasserversorgung. Im Flur wurden Feuchtigkeitsschäden von 99,9 Prozent im Erdgeschoss und 47,7 Prozent im Podest zum dritten Obergeschoss gemessen. Regelmäßig finden die Kontrolleure teils schwerwiegenden Schimmelbefall vor.

Außerdem wird ein baurechtliches Verfahren eingeleitet. Die Dachluke ließ sich nicht verschließen und die Kräfte fanden Brandlasten im Treppenhaus vor. Das Spezialteam traf nur 18 der insgesamt 47 gemeldeten Personen auch tatsächlich vor Ort an. Es kommt bei den Kontrollen in Gelsenkirchen immer wieder vor, dass Personen nicht an der gemeldeten Adresse wohnen. In diesen Fällen meldet die Stadt die Menschen von Amtswegen ab – an der Steinfurthstraße waren es insgesamt 14.

Dutzende Meldeverstöße bei Kontrollen in Gelsenkirchen festgestellt

Auch in einem Gebäude an der Bochumer Straße konnten nur 12 der 18 gemeldeten Personen angetroffen werden. Sechs Personen wurden von Amtswegen abgemeldet. Das gesamte Haus befand sich zudem in einem „desolaten Zustand“, so die NRW-Stadt. Einzelne Räume wiesen „erhebliche Schräglagen“ auf, weshalb der Vermieter nun einen Standsicherungsnachweis für das erste Obergeschoss erbringen muss. Das Dachgeschoss wurde illegal zu Wohnzwecken genutzt.

Bei Kontrollen in Schrotthäusern in Gelsenkirchen stellte ein Spezialteam zahlreiche Mängel fest.
Bei Kontrollen in Schrotthäusern in Gelsenkirchen stellte ein Spezialteam zahlreiche Mängel fest. (Symbolbild) © Phototek/Imago

Strom und Gas nicht bezahlt: Energieversorger sperrt Zähler

Aufgrund von Zahlungsrückständen wurden in einem Haus an der Bismarckstraße zwei Strom- und ein Gaszähler gesperrt. Außerdem wurden bauliche Mängel im Treppenhaus festgestellt. Die Bauordnung wird hier ein bauordnungsrechtliches Verfahren gegen den Vermieter eingeleitet. Ein weiteres Verfahren wird durch die Wohnungsaufsicht aufgrund von Mängeln an der Hauseingangstür eingeleitet. In zwei Fällen stellte das Jobcenter Sozialleistungsmissbrauch fest.

In einem Gebäude im Wiehagen konnten sechs von insgesamt 18 gemeldeten Personen angetroffen werden. Gegen fünf Personen wurde wegen Meldeversäumnis ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet. Wegen Zahlungsrückständen sperrte der Stromversorger zudem einen Stromzähler. In einem Haus an der Hüttenstraße wurde lediglich eine Person von Amtswegen abgemeldet. Der Verkehrsüberwachungsdienst sprach im Umkreis der kontrollierten Häuser insgesamt 16 Verkehrswarnungen aus.

Auch interessant

Kommentare

Teilen