Kein Schadenersatz für 1937 versteigertes Bild

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Köln - Ein Streit um ein in der Nazi-Zeit versteigertes Bild aus jüdischem Besitz ist entschieden: Das Oberlandesgericht Köln wies am Freitag eine Schadenersatzklage gegen ein Kölner Auktionshaus ab und bestätigte damit eine Entscheidung aus erster Instanz.

Ein New Yorker Kunsthändler hatte im Jahr 2000 in Köln ein Gemälde von Ludovico Carracci (1555-1619) ersteigert. Es stellte sich heraus, dass der ursprüngliche jüdische Eigentümer, ebenfalls ein Kunsthändler, das Werk 1937 unter dem Druck der Nazis versteigert hatte, und zwar bei demselben Kölner Auktionshaus. 

Der New Yorker Kunsthändler gab das Bild daraufhin 2009 den Erben des ursprünglichen Eigentümers zurück. Von dem Auktionshaus verlangte er sein Geld zurück, und zwar nicht nur den damaligen Kaufpreis von 100 000 D-Mark, sondern den gegenwärtigen Wert, den er mit 300 000 Euro bezifferte. Das OLG entschied jedoch gegen ihn. 

Die Begründung: Der jüdische Eigentümer hatte 1937 für das Bild 4320 Reichsmark erhalten. Nach dem Krieg entschädigte der deutsche Staat ihn dafür, dass er das Bild unter Druck hatte verkaufen müssen und dadurch nicht den Preis hatte erzielen können, der unter anderen Umständen möglich gewesen wäre. 

Damit hätte der New Yorker Kunsthändler das Bild auch nach US-Recht nicht herausgeben müssen, vielmehr sei er der rechtmäßige Eigentümer gewesen, urteilte das OLG Köln. Revision zum Bundesgerichtshof wurde nicht zugelassen.

dpa

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