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„Können Karneval nicht absagen“: Kritik an Jecken-Sause trotz Krieg in Europa

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Von: Hannah Decke

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Trotz des Krieges in der Ukraine feiern Tausende in NRW. Man könne den Karneval nicht absagen, heißt es am Donnerstag in Köln. Kritik macht sich breit.

Köln - Nach der Pandemie bedingten Pause in 2021 haben die Jecken in Nordrhein-Westfalen lange auf diesen Moment hin gefiebert: In den Karnevalshochburgen im Rheinland wurde der Straßenkarneval eröffnet. Unter strengen Corona-Regeln dürfen die Jecken in Köln und Düsseldorf auf der Straße und in den Kneipen feiern. „Brauchtumszonen“ machen es möglich. Doch an Weiberfastnacht 2022 ist selbst den eingefleischtesten Jecken nicht zum Feiern zumute. In Europa herrscht Krieg.

StadtKöln
Fläche405,2 km²
Einwohner1.083.498

„Können Karneval nicht absagen“: Kritik an Jecken-Sause trotz Krieg in Europa

„Alles hät sing Zick“ ist das diesjährige Karnevalsmotto in Köln. Auf Hochdeutsch heißt das: Alles hat seine Zeit. Nach zwei Jahren voller Absagen durch die Corona-Pandemie sollte das Motto einen Bogen von einer ruhigen und verhaltenen zu einer hoffentlich heiteren Session 2022 spannen.

In den vergangenen Wochen sah es für die Karnevalsfans auch tatsächlich so aus, als käme jetzt endlich wieder die Zeit für Heiterkeit und Frohsinn. Doch es kam anders. In der Nacht zu Donnerstag greift Russland die Ukraine an. Das europäische Land ruft den Kriegszustand aus.

Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker stand am Donnerstagmorgen mit betretener Miene vor einer bunt gesprenkelten Wand. „Mir ist wirklich nicht zum Feiern zumute“, sagte sie. Aber: „Weder ich noch das Festkomitee können und wollen den Karneval absagen.“ Die Kneipen schließen, und eine Ausgangssperre verhängen könne die Stadt ohnehin nicht. Das müsse der Landesgesetzgeber tun, so Reker weiter. „Jeder und jede muss für sich selbst entscheiden, ob er oder sie angesichts dieser Situation feiern möchte.“ Und so wurde der Straßenkarneval offiziell eröffnet, mit großem Trara und Konfetti-Kanonen.

Henriette Reker , Oberbürgermeisterin von Köln, hält bei einem Empfang im Rathaus eine Schweigeminute für die Menschen in der Ukraine ab. Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat zu Beginn des Straßenkarnevals mit einer Schweigeminute der Leidtragenden des russischen Angriffs auf die Ukraine gedacht
Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat zu Beginn des Straßenkarnevals mit einer Schweigeminute der Leidtragenden des russischen Angriffs auf die Ukraine gedacht. © Oliver Berg/dpa

Karneval 2022 in Köln (NRW) trotz Krieg in der Ukraine - Medien reagieren

Das Argument des organisierten Karnevals ist: Man kann es gar nicht absagen. Dafür sei Karneval in Köln viel zu sehr in Fleisch und Blut, er werde überall gefeiert, in Kitas, in Altenheimen. Es sei ein „dezentrales“ Ereignis. Abgesagt wird dann aber doch noch etwas: Das Kölner Festkomitee sagt die Rosenmontagsfeier mit Umzug im Rheinenergiestadion ab.

Auch die Medien reagieren. Der Lokalsender Radio Köln ändert sein Programm und sendet keine Karnevalsmusik mehr. „Wir können nicht über den Krieg berichten und drumherum Karnevalsmusik senden“, sagte Chefredakteurin Claudia Schall der Deutschen Presse-Agentur. Der WDR brach seine TV-Sondersendung vorzeitig ab. Und auch der Kölner Stadt-Anzeiger äußerte sich mit einem Statement der Chefredaktion zu der Karnevalsberichterstattung.

NRW-Chef Hendrik Wüst: „Karnevalszüge völlig unangemessen“

NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) gab am Donnerstag auch ein Statement zum Karneval ab:  „Mir persönlich ist überhaupt nicht zum Feiern zumute in diesen Stunden. In diesem traurigen Moment, in dem der Krieg zurückgekehrt ist nach Europa, halte ich Karnevalszüge für völlig unangemessen.“ Krieg und Karneval in Europa würden nicht zusammenpassen.

In den Sozialen Medien macht sich Fassungslosigkeit über das bunte Treiben in Köln an diesem Donnerstag breit. Zwar sind deutlich weniger Feiernde in der Karnevalshochburg unterwegs als in den vergangenen Jahren, die Stimmung ist laut lokaler Medienberichte aber trotzdem ausgelassen. (mit dpa-Material) *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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