Starke CDU-Gegnerin im NRW-Wahlkreis

Vierte Corona-Welle ohne Karl Lauterbach? SPD-Experte bangt um Einzug in den Bundestag

Corona ohne Karl Lauterbach? Nach der Bundestagswahl 2021 könnte das Realität werden. Der SPD-Politiker hat in seinem NRW-Wahlkreis eine namhafte Gegnerin.

Leverkusen – Corona ohne Karl Lauterbach? Kaum vorstellbar, doch nach der Bundestagswahl im Herbst 2021 könnte genau das Realität werden. Im Kampf um sein Mandat hat der SPD-Gesundheitsexperte in seinem NRW-Wahlkreis eine namhafte Gegnerin, aber einen dürftigen Listenplatz. Lauterbachs Aus ist ebenso wenig auszuschließen wie eine vierte Corona-Welle. (News zum Coronavirus)

NameKarl Lauterbach
Geboren21. Februar 1963 in Düren
ParteiSPD

Karl Lauterbach: Corona-Experte muss um Einzug in Bundestag zittern

Unabhängig vom Parteibuch: Im Gegensatz zu erneut steigenden Infektionszahlen würde Karl Lauterbach sicher vermisst werden. Der 58-Jährige ist Tag für Tag auf allen Kanälen unterwegs, um die Deutschen über Corona, Mutationen und Impfungen aufzuklären. Kritiker verspotten ihn zwar als Kassandra, schließlich sieht Lauterbach häufig das Unheil voraus.

Doch im Gegensatz zur tragischen Heldin der antiken Mythologie findet der studierte Epidemiologe der SPD bei Freund und Feind Gehör. Der Rheinländer genießt seit der Corona-Krise in Deutschland eine öffentliche Aufmerksamkeit wie sonst kaum ein anderer Sozialdemokrat. Vielleicht sollte die SPD im Bundestagswahlkampf Karl Lauterbach statt Olaf Scholz plakatieren. Einen Versuch wäre es wert. Bei nur 15 Prozent haben die Genossen nicht mehr viel zu verlieren.

Dabei macht es Lockdown-Lauterbach einem nicht leicht. Das Haar in der Suppe gehört zu ihm wie früher die Fliege am Hals. Aktuelles Beispiel: Der Experte begrüßt die Rückkehr zum Präsenzunterricht in den Schulen. Zugleich aber warnt er schon vor dem kommenden Herbst. Dann sei diese Form des Unterrichts nur mit geimpften Kindern abzusichern.

Karl Lauterbach: Gesundheitsexperte der SPD mit Kultstatus

Für einen Rheinländer pflegt Karl Lauterbach einen doch recht merkwürdigen Optimismus. So entwarf er jetzt auf Twitter eine „GAU-Variante“ als Kombination der indischen und der südafrikanischen Variante. „Das wäre langfristig möglich, ist aber kurzfristig unwahrscheinlich“, klärt der Virus-Fachmann auf. Gute Nachricht? Schlechte Nachricht? Suchen Sie es sich aus.

Ernsthafte Studien sind sein Leben. Dabei kann Lauterbach auch lustig sein. In einem Video mit Komikerin Carolin Kebekus spielt er sich selbst als ewigen Mahner, der vor zu großer Sorglosigkeit im Sommer warnt. Karl Lauterbach hat längst Kultstatus erreicht. Kein Bundesminister, kein SPD-Vorsitzender, dafür Talk-König. Nichts hat Lauterbachs Karriere so sehr befördert wie das Coronavirus. Endlich mal ein Politiker, der authentisch ist und Ahnung von der Materie hat.

Karl Lauterbach: Harte Gegnerin im Wahlkreis Leverkusen und Köln-Mülheim

Unnötig angreifbar machte sich Corona-Experte Lauterbach, weil er wie die Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Nebeneineinkünfte der Bundestagsverwaltung verspätet nachgemeldet hat. Allerdings dürfte der „Riesenfehler“ bis zur Bundestagswahl am 26. September vergessen sein.

Vierte Corona-Welle ohne Karl Lauterbach? Der SPD-Gesundheitsexperte bangt um Einzug in den Bundestag.

Doch leicht wird Lauterbach es in seinem Wahlkreis Stadt Leverkusen und Köln-Mülheim nicht haben – trotz der Historie vor Ort. Seit 2005 hat der SPD-Politiker aus Nordrhein-Westfalen das Mandat am Rhein viermal in Folge direkt gewonnen. Dabei schnitt Lauterbach meist deutlich besser ab als seine Partei. 2017 holte er bei den Erststimmen 11 Prozentpunkte mehr als die alte Tante SPD bei den Zweitstimmen. Jetzt müssten es wohl 20 Punkte mehr sein...

Karl Lauterbach: Armin Laschets Favoritin Serap Güler (CDU) als Gegnerin

Das aber wird schwierig. Gegnerin von Karl Lauterbach ist keine Unbekannte. Mit Serap Güler schickt die CDU die Staatssekretärin im NRW-Familienministerium ins Rennen. Die 40-Jährige steht eng an der Seite von Kanzlerkandidat Armin Laschet und gilt sogar als Kandidatin für ein künftiges Kabinett in Berlin. „Ich freue mich, dass man nach dem Lockdown im Wahlkampf wieder den Menschen begegnet. Mehr kann ich zu der Situation nicht sagen“, wird Lauterbach zu dem Duell zitiert.

Weniger Stimmen als Serap Güler – das würde den Karl Lauterbach hart treffen. Auf der Landesliste seiner SPD rangiert der Gesundheitspolitiker nur auf Platz 23. Erster Mann auf der Liste ist aus der Region Mittelrhein stattdessen ein gewisser Sebastian Hartmann – als Chef der NRW-SPD gescheitert. Aber das nur am Rande. Klar ist: Für Lauterbach dürfte es ohne Direktmandat nicht für den Bundestag reichen.

Der politische Gegner von Rechtsaußen reagierte auf die interne Platzierung mit Häme. Doch Karl Lauterbach wusste AfD-Frontfrau Alice Weidel kühl zu kontern. „Jeder Platz auf der SPD-Liste ist mehr wert als Spitzenplätze auf der Liste einer Partei, die Hass und Hetze in den Bundestag getragen hat“, schrieb Lauterbach auf Twitter. Wo er Recht hat, hat er Recht.

Rubriklistenbild: © Kay Nietfeld/dpa

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