Abgeordnete sogt für Verwirrung

Kampf um Fahrten auf Ruhr-Sieg-Strecke geht weiter

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Der private Zugunternehmer Flixtrain verbindet die Uni-Stadt Göttingen mit Berlin sowie Stuttgart über Frankfurt am Main. Eine Bewerbung auf die Ausschreibung um den Fernverkehr auf der Strecke Ruhr-Sieg ist denkbar, gilt aber als eher unwahrscheinlich. Flixtrain besitzt aktuell nicht die nötigen Loks und Wagen.

Die Deutsche Bahn möchte sehr gerne auf der Ruhr-Sieg-Strecke Fernverkehrsleistungen anbieten, das betonte Bahn-Sprecher Dirk Pohlmann auf Nachfrage.

Werdohl - Der NRW-Konzernbevollmächtigte Werner Lübberink hatte in einer Antwort auf die Anfrage der SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Freitag davon gesprochen, dass die Bahn von einem Start des IC 34 im Dezember 2021 ausgehe. 

Damit habe Werner Lübberink lediglich den Wunsch und die Bereitschaft der Deutschen Bahn ausgedrückt, so Pohlmann. Der Bahn-Sprecher bekräftigte diesen Wunsch noch einmal. 

Ausschreibung abwarten

„Wir wollen fahren. Wir gehen davon aus, dass wir ab Ende 2021 fahren können“, so Pohlmann. Nach Ansicht der DB sei es unsinnig, wenn auf der einspurigen Ruhr-Sieg-Trasse Fern- und Nahverkehr getrennt unterwegs seien. Pendler müssten zwischen Siegen und Letmathe beide Züge nutzen dürfen. 

Selbstverständlich müsse aber erst die Ausschreibung des Verkehrsverbunds Westfalen-Lippe NWL abgewartet werden. Wie berichtet, war der NWL zu dieser Ausschreibung gezwungen worden. Noch einmal Bahn-Sprecher Pohlmann: „Wir erwarten ebenso wie der NWL ein rechtssicheres Ergebnis der Ausschreibung.“ Dass die Bahn die Ausschreibung verliere, sei natürlich nicht auszuschließen. Pohlmann: „Wenn dann Flixtrain oder Abellio fährt, ist es so.“ 

Abellio kommentiert Vertragsangelegenheiten nicht

Zur Auschreibung der Fahrleistungen im Fernzugverkehr auf der Ruhr-Sieg-Strecke gibt es vom Nahverkehrsunternehmen Abellio keine aussagekräftige Stellungnahme. Eine Sprecherin von Abellio Rail NRW sagte, dass Vertragsangelegenheiten nicht kommentiert würden. 

Stattdessen erklärte die Sprecherin von Abellio Rail NRW nur die Fakten, die ohnehin schon bekannt sind. Abellio hatte im Rahmen des ersten Verkehrsvertrags von 2007 bis 2019 zwölf Jahre lang die Achse Essen – Hagen – Siegen bedient. In der Anschlussausschreibung wurde Abellio von den Aufgabenträgern des NWL auch mit dem weiteren Betrieb des Ruhr-Sieg-Netzes bis zum Jahr 2034 beauftragt. 

Ausschreibung für zweistündigen Takt

Geht es nach den Plänen des NWL, wird in den nächsten Monaten die Ruhr-Sieg-Strecke für einen zweistündigen Takt im Fernverkehr ausgeschrieben. Eigentlich war schon 2015 zwischen NWL und Deutscher Bahn verhandelt worden, dass die Bahn den IC 34 ab 2019 auf der Ruhr-Sieg-Strecke ohne Ausschreibung fahren lassen sollte. Allerdings hat man bis heute keinen finanziellen Ausgleich zwischen Nah- und Fernverkehr gefunden. 

Nach einem Widerspruch vor der Vergabekammer von Abellio muss NWL die Strecke europaweit ausschreiben. Es geht dabei vor allem um die Verrechnung der Tarife: Im Fernzug sollen auch die Nahverkehrstarife gelten, der Fernzugbetreiber braucht für die Differenz der Tickets einen Ausgleich. Die Ausschreibung umfasst nicht nur den Tarifausgleich, sondern auch die Fahrleistungen. 

Bahn wird sich auf Ausschreibung bewerben

Auf die Ausschreibung wird sich die Deutsche Bahn bewerben, theoretisch könnten zukünftig aber auch Abellio und möglicherweise sogar Flixtrain fahren. Ob Abellio auch ins Fernzuggeschäft möchte, ist nicht klar. Der ehemalige Deutschland-Chef von Abellio hatte nach dem damaligen Streit immerhin eine Ausschreibung gefordert. 

Die Werdohler Eisenbahner halten es für unwahrscheinlich, dass sich Flixtrain auf die Strecke an der Lenne, die bis Frankfurt und Münster beziehungsweise bis Dortmund und Norddeich führt, bewerben wird. Reiner Müller vom Eisenbahner-Stammtisch meint, dass Flixtrain nicht das entsprechende Zugmaterial habe. 

Flixtrain hat nur sieben Züge

Flixtrain ist seit dem Frühjahr 2018 in Deutschland unterwegs und betreibt mittlerweile mit sieben Zügen drei Strecken. Der Plan, eine Konkurrenz zur Deutschen Bahn zu werden, scheint zu funktionieren: So wurden bereits im ersten Jahr 750 000 Tickets verkauft. Um zu expandieren, braucht das Unternehmen allerdings mehr als die bisher eingesetzten sieben Züge. 

„Wir sind dazu im Gespräch mit verschiedenen Anbietern“, sagte Flixtrain-Geschäftsfüher Fabian Stenger im Dezember vergangenen Jahres dem MDR. Flixtrain fährt dort von Erfurt nach Berlin.

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Dagmar Freitag hatte nach eigenem Bekunden in der Zeitung gelesen, dass sich der Start des IC 34 auf der Achse Münster/Dortmund – Siegen – Frankfurt am Main immer weiter verschiebe. Daraufhin habe sie den Konzernbevollmächtigten der DB in NRW befragt, der für die Bundestagsabgeordneten der verbindliche Ansprechpartner der Bahn sei. Die Antwort des DB-Bevollmächtigten Werner Lübberink habe sie an die Medien in ihrem Wahlbezirk an der Lenne weitergegeben. Freitag zitiert Lübberink so: „Um einen kundenfreundlichen Fahrplan zu gewährleisten, wird mehr Zeit als ursprünglich geplant benötigt. Die DB geht daher von einem Start der neuen IC-Linie zum Fahrplanwechsel im Dezember 2021 aus.“ Sie selbst kommentierte diese Aussage mit dem Satz: „Ich freue mich, dass die zeitlichen Planungen jetzt konkretisiert werden und hoffe, dass es zu keinen weiteren Verschiebungen kommt. Für die betroffenen Städte und unsere gesamte Region wäre eine solche Verbindung in der Tat ein großer Fortschritt.“ Dagmar Freitag erklärte, dass sie sich mit der bevorstehenden Ausschreibung nicht beschäftigt habe.

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