Diskussion um Impfreihenfolge

Hohe Inzidenzen in sozialen Brennpunkten: Stadt Köln und Armin Laschet kündigen Maßnahmen an

In Köln wie auch in anderen Großstädten gibt es in sozialen Brennpunkten hohe Inzidenzen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet kündigt Maßnahmen an.

Hamm - Die geplante Aufhebung der Impfpriorisierung auch in Nordrhein-Westfalen sorgt für Diskussionsstoff. Für Thomas Kutschaty, Chef der NRW-SPD, birgt dieser Schritt „Sprengstoff für eine soziale Spaltung“. Solange es noch Alte, chronisch Kranke oder Beschäftigte mit hohem Corona-Infektionsrisiko gebe, die noch nicht geimpft seien, sei eine Freigabe auszuschließen, sagte Thomas Kutschaty am Dienstag. Ansonsten würden sich „die durchsetzen, die die besseren Möglichkeiten und die besseren Kontakte zu Ärzten und Sonstigen haben, die Impfstoffe vergeben“, prognostizierte er. (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen
Fläche34.098 km²
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Hohe Inzidenzen in sozialen Brennpunkten: Stadt Köln und Armin Laschet kündigen Maßnahmen an

Die höchst unterschiedlichen Infektionsraten, die aus mehr oder weniger wohlhabenden Kölner Stadtteilen berichtet würden, hätten ihn fassungslos gemacht. „Ich kann mir gut vorstellen, welcher Stadtteil als erster durchgeimpft ist, wenn das freigegeben wird, und welcher als letzter“, sagte Thomas Kutschaty, der auch Fraktionschef im NRW-Landtag ist.

Die Stadt Köln will aber nun genau darauf reagieren und will in Stadtteilen mit hoher Inzidenz bevorzugt impfen. Dazu bedürfe es allerdings einer besonderen Genehmigung der Landesregierung, sagte eine Sprecherin der Stadt am Mittwoch. Denn zurzeit gebe die Impfreihenfolge in NRW ein solches Vorgehen noch nicht her.

Darüber hinaus müsse genügend Corona-Impfstoff zur Verfügung stehen. In Köln gibt es - wie in anderen Großstädten auch - massive Unterschiede bei den Corona-Zahlen je nach Stadtteil. In Vierteln mit ärmerer Bevölkerung infizieren sich viel mehr Menschen als in Vierteln mit reichen Einwohnern.

Hohe Inzidenzen in sozialen Brennpunkten: Armin Laschet will dort verstärkt gegen Corona impfen

Zu diesem Thema bezog auch Armin Laschet (CDU) am Mittwoch Stellung. An diesem Beispiel „kann man erkennen, wo im Moment unsere Schwierigkeit ist“, sagte der NRW-Ministerpräsident im Landtag. „Da, wo Menschen in beengteren Wohnverhältnissen leben, ist die Gefahr der Ansteckung größer als bei jemandem, der in einem groß angelegten Einfamilienhaus lebt. Daraus entsteht eine soziale Frage. Deshalb müssen wir jetzt auch hier einen besonderen Schwerpunkt setzen.“ Es müsse dort gegen Corona geimpft werden, wo Menschen enger zusammenleben als anderswo, sagte Armin Laschet.

Dies sei aber nicht einfach umzusetzen, mahnte der Kanzlerkandidat der Union, der zuletzt einen Umfrage-Schock hinnehmen musste. Es komme auf die Hilfe der örtlichen Impfzentren an, die die Gegebenheiten vor Ort besser kennen. „Wir wollen auch den Menschen, die vielleicht aus einer anderen kulturellen Erfahrung beim Impfen Skepsis haben, die Chancen erklären, die mit dem Impfen verbunden sind“, erklärte Armin Laschet. „Wenn die ganze Gesellschaft in dieser Frage zusammenhalten soll, darf es nicht von der Postleitzahl abhängen, wo die Inzidenzen hoch sind.“

Corona in NRW: Armin Laschet will in sozialen Brennpunkten über Impfen aufklären

Der Landeschef von Nordrhein-Westfalen wolle daher in dieser Thematik einen „ganz besonderen Schwerpunkt setzen“. Mit Informationskampagnen in den sozialen Brennpunkten. Mit mobilen Impf-Teams. Und unterm Strich mit Erst- und Zweitimpfungen, „die auch hier zur mehr Gerechtigkeit beitragen“, so Armin Laschet. Er begrüßt die Maßnahmen in Köln, tritt aber auch auf die Bremse, schreibt 24RHEIN*.

Der Krisenstab der Stadt Köln kündigte an, sich am Freitag mit dem Thema befassen zu wollen. Falls der Plan umgesetzt werden darf, muss noch geklärt werden, ob die Impfungen durch mobile Teams oder in Arztpraxen erfolgen. Nach Darstellung von Sozialarbeitern ist vor allem auch eine verstärkte Aufklärung wichtig. Viele Bewohner seien, teils aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse, unzureichend über die Notwendigkeit des Impfens und über die zur Verfügung stehenden Angebote informiert.

Infektionszahlen in sozialen Brennpunkten senken: CDU-Integrationssekretärin sieht mehrere Ansätze

Zuvor hatte Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) bereits mehrere Ansätze angekündigt, die Infektionen in Stadtteilen mit hohem Migrationsanteil zu senken. „Wenn ich an die Anschreiben denke, die die erste und die zweite Priorisierungsgruppe erhalten haben, da haben Deutsche schon ein Problem, diesen Brief zu verstehen“, sagte Serap Güler im Frühstart der Redaktion von RTL/ntv. Häufig werde dann so ein Schreiben einfach zur Seite gelegt und vergessen. „Da müssen wir noch eine bessere Aufklärungskampagne in den jeweiligen Sprachen machen“, erklärte sie.

Die CDU-Politikerin sprach sich neben den verstärkten Impfungen bei den Hausärzten auch für weitergehende Angebote aus. „Die Entsendung von Impfmobilen ist in jedem Fall richtig. Wir müssen dort den Impfstoff zu den Menschen bringen“, sagte sie der Rheinischen Post. Eine Impfung in Vierteln mit hohen Inzidenzen helfe auch allen anderen, etwa im Nahverkehr. Eine vorrangige Impfung für Migranten halte sie nicht für sinnvoll, das schaffe nur Unmut. (mit dpa-Material) *24RHEIN ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Oliver Berg/dpa

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