Hospitalisierung als Faktor

Ende der Inzidenz? Jens Spahn will Wert für Corona-Regeln streichen

Das Corona-Kabinett der Bundesregierung will die Inzidenz als Richtwert für Corona-Regeln streichen. Doch welche Faktoren werden künftig berücksichtigt?

NRW - Die Sieben-Tage-Inzidenz war monatelang das Maß aller Dinge bei der Bewertung der Corona-Situation - und Grundlage für Einschränkungen und Regeln. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte im ZDF-Morgenmagazin am Montag gesagt, die 50er-Inzidenz habe ausgedient. Am Montagmittag hat das Corona-Kabinett der Bundesregierung nun offenbar beschlossen, die 50er-Inzidenz aus dem Infektionsschutzgesetz zu streichen. Doch was wird nun das Maß aller Dinge? (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Inzidenz bald kein Richtwert für Corona-Regeln - Hospitalisierung Maß aller Dinge?

Die Inzidenz sagt aus, wie viele Neuinfektionen mit dem Coronavirus innerhalb von sieben Tagen pro 100.000 Einwohner zu verzeichnen sind. Doch wie stichhaltig ist dieser Wert noch - jetzt, wo immer mehr Menschen vollständig geimpft oder genesen sind?

Laut Gesundheitsminister Spahn habe die Regel für eine ungeimpfte Bevölkerung gegolten und solle sobald wie möglich aus dem Gesetz gestrichen werden. So äußerte er sich im ZDF-Morgenmagazin. Am Mittag hat sich das Corona-Kabinett nach Informationen von Bild dann Spahns Vorschlag angeschlossen und will den Inzidenzwert noch vor der Bundestagswahl aus dem Gesetz entfernen. Auch der CDU-Chef und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hatte zuvor dafür plädiert. Der Bundestag muss dem Vorschlag des Kabinetts noch zustimmen - am Mittwoch findet eine Lesung statt.

Inzidenz kein Richtwert mehr für Corona-Einschränkungen - Bundesländer schon abgerückt

Doch welche Faktoren können dann anstelle der Inzidenz zurate gezogen werden? Laut Spahn im ZDF-Moma soll die Hospitalisierung von Corona-Patienten eine wichtige Rolle spielen, wenn es um neue Maßnahmen zur Eindämmung des Virus geht. Mit Hospitalisierung ist die Zahl der coronabedingten Krankenhaus-Einlieferungen gemeint.

Aktuell sind im Infektionsschutzgesetz bei bestimmten Zahlen von neuen Corona-Fällen besondere Maßnahmen vorgesehen. Einige Bundesländer sind von der Fokussierung auf die Inzidenz jedoch ohnehin schon abgerückt.

Unions-Kanzlerkandidat und NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) sprach sich bei Bild TV wie folgt für eine schnelle Abkehr von der 50er-Inzidenz aus: „Wir haben gelernt: Die Inzidenz alleine ist nicht mehr aussagekräftig“, sagte er. Es sei bekannt, „dass 50 heute nicht mehr das Gleiche ist wie vor einem Jahr, weil so viele Menschen geimpft sind“.

Corona-Inzidenz in NRW so hoch wie in keinem anderen Bundesland

In Nordrhein-Westfalen ist die Corona-Inzidenz wieder dreistellig und damit so hoch wie in keinem anderen Bundesland. Das Robert Koch-Institut gab sie am Montagmorgen auf seiner Webseite mit 103,3 an. Der Bundesschnitt lag am Montagmorgen bei 56,4 und damit wesentlich niedriger als in NRW. In der Corona-Schutzverordnung bleibt eine Sieben-Tage-Inzidenz von 35 die einzige Kennziffer, ab der dann die „3G-Regeln“ (geimpft, genesen oder getestet) zum Beispiel für Besuche in der Innengastronomie gelten. Diese Regel gilt inzwischen überall in NRW.

Auch in Baden-Württemberg dürfen alle Menschen bereits seit vergangenem Montag wieder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen, vorausgesetzt, sie sind geimpft, genesen oder getestet. Das gilt dort unabhängig von der Inzidenz. In Bayern will Ministerpräsident Söder den Coronakurs mittelfristig dabei - ähnlich wie beim Nachbarn im Südwesten - nicht mehr nur an der Inzidenz ausrichten. Stattdessen soll künftig die Lage in den Kliniken maßgeblich berücksichtigt werden.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat mit seiner Aussage „Jeder Ungeimpfte wird sich anstecken“ eine düstere Corona-Prognose abgegeben.

Rubriklistenbild: © Hendrik Schmidt

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