Freiheiten für Geimpfte und Genesene

Corona-Regeln: Ein Bundesland rückt von Inzidenz ab - zieht NRW nun nach?

Der Inzidenz-Wert als einziger Indikator für die Corona-Regeln gerät in die Kritik. Das erste Bundesland rückt nun davon ab. Zieht NRW jetzt nach?

Hamm - Seit Monaten beschäftigt uns beim Blick auf die Corona-Pandemie vor allem eine Zahl: der Inzidenz-Wert. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen ist spätestens seit dem Beginn der zweiten Welle im Herbst 2020 der Indikator, wenn es um die Härte der Corona-Regeln geht. (News zum Coronavirus)

BundeslandBaden-Württemberg
Bevölkerung11,07 Millionen (2019)
HauptstadtStuttgart
MinisterpräsidentWinfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen)

Corona-Regeln: Baden-Württemberg schafft Inzidenz ab - zieht NRW nach?

Doch mit einer steigenden Impfquote gerät die 7-Tage-Inzidenz als alleinige Kennzahl zur Bewertung der Pandemie-Lage immer mehr in die Kritik. Denn die Corona-Zahlen in Deutschland und NRW steigen zwar seit einigen Wochen wieder an, doch Auswirkungen auf die Krankenhäuser und Intensivstationen hat das weniger - schließlich schützt die Corona-Impfung zuverlässig vor einem schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung.

Schon im Vorfeld der Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) am Dienstag wurde viel darüber diskutiert, ob neben dem Inzidenz-Wert weitere Indikatoren mit in die Festlegung der Corona-Maßnahmen einfließen sollen. Tatsächlich haben sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder um NRW-Regierungschef Armin Laschet (CDU) auch mit der Frage beschäftigt. Doch zu einem konkreten Ergebnis sind sie nicht gekommen. Stattdessen heißt es in den Beschlüssen des Bund-Länder-Treffens: Es würden „alle Indikatoren, insbesondere die Inzidenz, die Impfquote, und die Zahl der schweren Krankheitsverläufe sowie die resultierende Belastung des Gesundheitswesens“ berücksichtigt. Wie konkret das aussehen soll, blieb aber offen. Die Corona-Schutzverordnungen der jeweiligen Länder sollen im Idealfall Klarheit bringen.

Baden-Württemberg schafft Inzidenz ab: Mehr Freiheiten für Geimpfte und Genesene

Ein Bundesland macht nun aber Nägel mit Köpfen: Baden-Württemberg will schon ab dem 16. August vom Inzidenz-Wert abrücken. Wie das zuständige Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration auf seinem Twitter-Kanal mitteilte, werde die 7-Tage-Inzidenz in der neuen Corona-Verordnung „nicht mehr als ordnungspolitisches Instrument auftauchen“. Aber was bedeutet das konkret?

Menschen, die entweder geimpft, genesen oder getestet sind, sollen „unabhängig von der jeweiligen Inzidenz“ am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Konkrete Corona-Regeln, die sich an der reinen Zahl der Neuinfektionen innerhalb einer Woche orientieren, soll es also nicht mehr geben. Bei Kultur-Veranstaltungen im Innenbereich sowie in Clubs und Diskotheken soll es sogar keine Personenbegrenzung mehr geben. „Die Einrichtungen können unter Vollauslastung öffnen“, heißt es.

Baden-Württemberg schafft Inzidenz ab: Was plant NRW?

Allerdings reicht demnach in diesen Bereichen ein negativer Schnelltest nicht aus. Stattdessen müssen Personen, die nicht gegen Corona geimpft oder von einer Covid-19-Erkrankung genesen sind, einen negativen PCR-Test vorweisen. Im Restaurant, beim Friseur oder bei anderen körpernahen Dienstleistungen reiche hingegen ein Antigen-Schnelltest aus.

Und was macht NRW? Ist dort eine Abkehr vom Inzidenz-Wert als alleinigem Bezugswert für die Corona-Maßnahmen wie in Bade-Württemberg denkbar? Dürfen sich Geimpfte und Genesene auf neue Freiheiten freuen?

Auf Anfrage unserer Redaktion heißt es aus dem Gesundheitsministerium: „Die zukünftigen konkreten Regelungen wird das Land auf Grundlage der Ministerpräsidentenkonferenz-Beschlüsse in einer neuen Corona-Schutzverordnung erlassen. Diese stehen heute ebenso wie das Datum der Veröffentlichung noch nicht fest und werden derzeit erarbeitet und abgestimmt.“

Die aktuelle Corona-Schutzverordnung läuft am 19. August aus, spätestens dann müssen die neuen Corona-Regeln gelten. Möglich also, dass sich die Menschen in Nordrhein-Westfalen bald nicht mehr so sehr mit der 7-Tage-Inzidenz auseinandersetzen müssen.

Rubriklistenbild: © Luise Evers/dpa

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