Impf-Turbo

Corona-Impfung bei Hausärzten in NRW: Impfstoff steht fest – Kritik von Ärzten

Hausärzte dürfen zwar jetzt in ihren Praxen gegen das Coronavirus impfen. In Nordrhein-Westfalen konnten aber noch längst nicht alle die Spritzen anlegen.

Hamm - In der schleppenden Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen soll jetzt der Turbo gezündet werden: Seit Dienstag nach Ostern (6. April) sind Impfungen gegen das Coronavirus nun auch bei Hausärzten möglich. Es gibt allerdings ein Problem. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohnerca. 18 Millionen
MinisterpräsidentArmin Laschet (CDU)

Start der Corona-Impfung bei Hausärzten in NRW mit Impfstoff von Biontech

Am Dienstag (6. April) hat mit dem Einstieg der ersten Hausarztpraxen in die Corona-Impfungen eine neue Stufe im Kampf gegen das Coronavirus begonnen. In Nordrhein-Westfalen werde die große Mehrheit der rund 11.000 Hausärzte mit an Bord sein, hieß es beim Hausärzteverband Nordrhein.

Prioritär sollten chronisch kranke Menschen mit dem Präparat von Biontech/Pfizer geimpft werden. Die Impfdosen - zunächst nur in sehr übersichtlichen Mengen - sollten bis spätestens Mittwoch (7. April) geliefert werden. Erste Praxen konnten bereits am Dienstag loslegen.

Corona-Impfung in NRW: Terminvergabe für 79-Jährige startet

Zugleich startete am Dienstag auch die Terminvergabe für 79-Jährige in den Impfzentren. Sie sollen frühestens ab dem 8. April ihre Corona-Erstimpfungen erhalten. Auch deren Lebenspartner - bei ihnen spielt das Alter keine Rolle - sind mit an der Reihe. Damit beginnt die Terminvergabe für den ersten Jahrgang der Gruppe der über 70-Jährigen in NRW.

Während die 79-jährigen Impfwilligen sich nun selbst telefonisch oder online um einen Termin in den Zentren kümmern müssen, melden sich die Hausarztpraxen direkt bei ihren Patienten und bestellen sie zu einem Impftermin ein.

Corona-Impfung bei Hausärzten: Warten auf die Lieferung des Impfstoffs

In den Praxen mussten allerdings die meisten Hausärzte am Dienstag noch auf die Impfstoff-Lieferung warten. Von der Kassenärztlichen Vereinigung in Westfalen-Lippe hieß es, die ersten bestellten Dosen seien eingegangen. In einigen Fällen starteten die Mediziner zunächst mit ausgelagerten Beständen von Impfzentren - in dem Fall mit dem Vakzin von Astrazeneca.

Die Hausärzte müssten Vorgaben sehr kurzfristig umsetzen, kritisierte der Vorsitzende des Hausärzteverbands Nordrhein, Oliver Funken. Es sei aber sehr wichtig, dass die Hausärzte endlich beteiligt würden. „Wir sind der wichtigste Baustein in dem Impfprozess“, meinte der Allgemeinmediziner.

Hausärzte kritisieren nach Impfstart den hohen bürokratischen Aufwand

Zum Start der Corona-Schutzimpfungen in Hausarztpraxen haben niedergelassene Ärzte zu viel Bürokratie-Aufwand kritisiert. Dieser koste zusätzlich viel Zeit und trübe die Freude der Hausärzte, nun endlich mit impfen zu können, erklärte Internist Guido Pukies im „Morgenecho“ auf WDR 5. Seine Praxis habe nur 24 Impfdosen für diese Woche zu Verfügung, sei aber mit 26 Abrechnungsziffern konfrontiert. In den Praxen schlage man sich jetzt dem Patienten zuliebe anderthalb Stunden mit einem Rezept herum. Die meisten Hausärzte wollten nach der normalen Sprechstunde am Nachmittag gegen das Coronavirus impfen.

Ein weiterer Hausarzt sprach von einem gewaltigen Ansturm und totaler Überlastung. Patienten riefen ununterbrochen an, um einen Impftermin zu ergattern. Tatsächlich kommen aber die Praxen auf die Patienten zu und bestellen zunächst nur chronisch Kranke ein.

Mediziner Pukies kritisierte zudem auch den hohen Aufwand, den die Impf-Dokumentation erfordere. Es sei schön für das RKI, wenn man genau wisse, wer wann, wo und von wem geimpft worden sei. Aber: Dem einzelnen Bürger bringe das wenig. Es würde Pukies zufolge ausreichen, aus der ausgelieferten Impfstoffmenge abzuleiten, wie viele Menschen geimpft seien.

Pro Hausarzt-Praxis im Schnitt nur 26 Dosen Impfstoff pro Woche - vorerst

Im rechnerischen Durchschnitt bekommt jede Praxis bundesweit pro Woche zunächst nur 26 Dosen des Impfstoffs gegen das Coronavirus, es sollen aber bald deutlich mehr werden. Die Nachfrage nach Impfungen bei den niedergelassenen Ärzten sei sehr hoch, sagte eine Sprecherin des Hausärzteverbands. So seien in einer Praxis 600 Anfragen für die nächsten drei Wochen eingegangen.

Auch andere Bundesländer lassen nun Hausärzte nach den Ostertagen erste Corona-Impfungen in ihren Praxen vornehmen. In dieser Wochen wollen zunächst 35.000 Praxen bundesweit damit beginnen. Der allgemeine Start soll den Kassenärztlichen Vereinigungen zufolge am Mittwoch erfolgen.

Unterdessen wächst der Streit über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise. Armin Laschet sprach sich für einen „Brücken-Lockdown“ aus, bis sich Impeffekte einstellen. Doch die Kritik an Laschets Vorschlag war laut und vielstimmig. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich für bundesweit strengere Corona-Regeln mithilfe einer Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes aus.

Rubriklistenbild: © Christoph Schmidt/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare