Impftourismus

Jagd auf Termine: Bürger aus NRW reisen für Corona-Impfung in andere Bundesländer

In NRW einen Impftermin zu ergattern, ist aktuell keine leichte Aufgabe. Das baldige Ende der Priorisierung verschärft die Situation. Immer mehr Bürger suchen sich andere Wege.

Hamm - Der Start der Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen war klar geregelt: Die Impfreihenfolge legte fest, wer sich einen Termin fürs Impfzentrum machen kann. Mit Beginn der Corona-Impfungen in Arztpraxen wurde die Priorisierung leicht gelockert. Mittlerweile werden die Hausärzte mit Terminanfragen überrannt - auch weil Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) das Ende der Impfreihenfolge ab dem 7. Juni verkündet hat. Impfwillige suchen sich daher vermehrt andere Wege, um den ersehnten Piks zu erhalten. (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen
HauptstadtDüsseldorf
Einwohner17,93 Millionen (2019)

Impftourismus: Bürger aus NRW reisen für Corona-Impfung in andere Bundesländer

Und dafür scheint kein Weg zu weit. RP Online berichtet, dass einige Bürger aus NRW mittlerweile in benachbarte Bundesländer fahren, um sich gegen das Virus impfen zu lassen. Auch der Urlaub wird immer öfter mit der Corona-Impfung verbunden. Und dabei handle es sich nicht um noch nicht berechtigte Bürger, sondern um Menschen der Priorisierungsgruppen 2 und 3. Laut der Impfreihenfolge für NRW haben sie zum Teil schon lange Anspruch auf einen Termin.

„Wir erleben inzwischen nicht nur, dass sich die Menschen aus purer Verzweiflung in anderen Bundesländern nach einen Impftermin umhören. Einige planen ihr Urlaubsziel extra so, dass sie sich dann in dem entsprechenden Land direkt vor Ort impfen können. Die Menschen versuchen gerade alles, um einen Termin zu bekommen“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Josef Neumann, auf RP-Anfrage. Auch RUHR24.de* berichtet von dem „Impftourismus“.

Impftourismus: Kein Termin in NRW - Ende der Priorisierung verschärft Situation

Auch Eugen Brysch, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Patientenschutz, spricht von einer wachsenden Verzweiflung der Impfberechtigten aus Gruppe 2 und 3 und findet für den aktuellen Impfplan der Bundesregierung deutliche Worte. „Es darf nicht sein, dass Patienten mit Krebs, Bluthochdruck, Asthma oder Diabetes immer noch keinen Impftermin haben“, sagte Brysch der Rheinischen Post. Jens Spahn spekuliere ungeniert über Impfpläne für Personengruppen in der Zukunft und könne den aktuellen Bedarf gar nicht decken. 

Das in seinen Augen willkürlich festgelegte Ende der Impfpriorisierung verschärfe die Situation. Brysch sagt: „Eine verantwortungsvolle Politik muss das Ende der Impfpriorisierung am 7. Juni sofort zurücknehmen.“ Erst wenn 80 Prozent der Betroffenen versorgt worden seien, dürfe das Vakzin-Angebot in die Breite gehen, so Brysch.

Laut NRW-Gesundheitsministerium sieht die Coronavirus-Impfverordnung keine Landeskinderregelung und kein Wohnortprinzip vor. „Die Inanspruchnahme der Impfangebote kann unabhängig vom Wohnort der Personen erfolgen. Dennoch werden in den Impfzentren in Nordrhein-Westfalen die Termine grundsätzlich an Personen aus ihrem Einzugsbereich vergeben, da die Bereitstellung von Impfstoffdosen durch das Land Nordrhein-Westfalen entsprechend dem jeweiligen Bevölkerungsanteil erfolgt“, teilte ein Sprecher auf Anfrage der RP mit.

Impftourismus: Für die Corona-Impfung ins andere Bundesland - „kein Massenphänomen“

Die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Städtetages, Verena Göppert, erklärt in dem Bericht, dass eine Zuordnung der Menschen nach ihrem genauen Wohnsitz einen erheblichen bürokratischen Aufwand nach sich ziehen würde. „Wenn Menschen, die zu einer priorisierten Gruppe gehören, zu einem vereinbarten Impftermin erscheinen, sollten diese auch geimpft werden - egal, wo sie in Deutschland ihren Wohnsitz haben.“

Der „Impftourismus“ im benachbarten Bundesland ist laut Göppert „kein Massenphänomen“. Solche Fälle gebe es vor allem dort, wo es nicht weit ins Nachbarland sei und Menschen auch zum Arbeiten und Einkaufen zwischen Ländern pendeln. - *RUHR24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © A. Pérez Meca

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