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„Impfopfer“: Bedrohliche Grablichter vor NRW-Arztpraxen sorgen für Aufsehen

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Von: Kai Osthoff

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Diverse Grablichter mit der Aufschrift „Impfopfer“ wurden vor den Eingängen von Arztpraxen gefunden.
Diverse Grablichter mit der Aufschrift "Impfopfer“ wurden vor den Eingängen von Arztpraxen gefunden. © Kai Osthoff

Rote Grablichter mit der Aufschrift „Impfopfer“ sorgen vor verschiedenen Arztpraxen in Nordrhein-Westfalen für beklemmte Gesichter. Doch was steckt dahinter?

Kreuztal - Dr. Jan Khalil aus Kreuztal traute am Freitagabend seinen Augen nicht, als er gegen 21 Uhr noch einmal zu seiner Praxis nach Kreuztal-Ferndorf kam. Dort standen zwei rote Grablichter. Beide leuchteten. Beim genauen betrachten sah der Hausarzt, dass am Deckel die Aufschrift „Impfopfer“. „Ich wusste im ersten Moment gar nicht, was das zu bedeuten hatte. Dachte, es sei ein blöder Corona-Scherz“, erinnert sich Jan Khalil im Gespräch mit dem Westfälischen Anzeiger. (News zum Coronavirus)

StadtKreuztal
RegierungsbezirkArnsberg
Fläche70,97 km²
Einwohner31.043 (30. Juni 2010)

„Impfopfer“: Bedrohliche Grablichter vor Arztpraxen in Kreuztal und Krombach sorgen für Aufsehen

Seine Frau beunruhigte das Ganze deutlich mehr. Sie riet ihm, die Polizei einzuschalten, was der Arzt auch umgehend tat. Auf eine Mail hin, kamen die Beamten noch am Abend in die Otto-Flick-Halle, wo Jan Khalil zu diesem Zeitpunkt die groß angelegte Corona-Impfaktion fürs Wochenende vorbereite.

Er beantwortete alle Fragen. Die beiden Grablichter wurden von der Polizei mitgenommen. Irgendwie hatte er ein komisches Gefühl. Am Samstag erfuhr er dann von einer Frau, die sich in der Turnhalle hatte impfen lassen, dass auch vor einer weiteren Praxis einer Gemeinschaftspraxis in Buschhütten derartige Grablichter gesichtet worden seien. Das stellte sich aber nach weiteren Recherchen als unwahr heraus.

Die Polizei klapperte alle betroffenen Standworte ab und holte die Grablichter in Papiertüten ab.
Die Polizei klapperte alle betroffenen Standworte ab und holte die Grablichter in Papiertüten ab. © Kai Osthoff

„Impfopfer“: Bedrohliche Grablichter sogar vor dem Elternhaus des Arztes entdeckt

Stattdessen fand Charles Christian Adarkwah von der Gemeinschaftspraxis „Familydocs“, zu der auch die genannte Praxis in Buschhütten zählte, auch jeweils zwei rote Grablichter vor seinen Praxen. In Kredenbach, in Fellinghausen und in Krombach. Jeweils diese Grablichter mit der Aufschrift „Impfopfer“. Aber nicht nur vor den Praxen waren diese Lichter aufgestellt worden. Der oder die Unbekannten hatten auch vor seinem Elternhaus in Ferndorf nicht halt gemacht. Wohl um die Familie einzuschüchtern. Oder zu bedrohen?

Auch Charles Christian Adarkwah setzte sich mit der Polizei in Verbindung. Die klapperte alle Standworte ab holte die Grablichter in Papiertüten ab. Eine Nachfrage bei der Kreispolizeibehörde am Sonntagnachmittag ergab, dass die Polizei Strafverfahren eingeleitet habe und noch ganz am Anfang der Ermittlungen stehe.

Noch am Sonntag verfasste Charles Adarkwah über die sozialen Medien eine Botschaft, einem wie er schrieb, unerfreulichen Thema. Zum einen habe es kürzlich Stress mit einer Person in seiner Praxis in Fellinghausen gegeben, da diese Person nicht auf Verlangen sofort und ohne Termin während der laufenden Sprechstunde geimpft worden sei. Im Nachgang erfolgte eine schleppe Rezession.

Hausarzt aus Kreuztal wendet sich über Facebook an die Öffentlichkeit

Weiter schreibt der Hausarzt auf seiner Facebook-Seite: „Gestern wurden an unseren Praxen und zum Teil an Privathäusern Grablichter vor den Eingangstüren abgestellt mit dem Hinweis ,Impfopfer‘. Wo sind wir eigentlich hingekommen? Da wird man nicht nur in den Praxen (und das ist schon zu viel), sondern sogar zuhause von verwirrten Menschen besucht, die Grablichter vor der Tür abstellen…. Irgendwann ist auch hier eine Grenze überschritten – der nächste schmeißt dann eine Scheibe ein und wirft einen Molotow-Cocktail hinterher? Unfassbar, was hier zurzeit passiert…. Und wir sind nicht die einzige Praxis, die betroffen war. Auch @praxis_an_der_guten_zeit wurde mit Grablichtern dekoriert. Wir lassen uns dadurch nicht einschüchtern, setzen unsere Arbeit fort und stehen umso dichter zusammen in dieser Zeit.“.

Einschüchtern lassen will sich auch Jan Khalil nicht. Denn weitere größere Impfaktion in der Flickhalle sind geplant und finden auch statt. In Nordrhein-Westfalen könnte eine Booster-Impfung im Rahmen der 2G-Regel bald schon Tests ersetzen, so wie es in anderen Bundesländern bereits der Fall ist.

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