Ehepaar aus NRW verärgert

Strikte Regel bei Ikea: Mundschutz ist Pflicht - auch mit Attest keine Ausnahme 

Ikea hat wegen des Coronavirus beschlossen, dass keiner mehr ohne Mundschutz einen Markt betreten darf - auch ein Attest hilft nicht. In Kamen (NRW) sorgt das für Ärger.

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Kamen – Die einen wollen trotz Coronavirus keinen Mundschutz tragen, die anderen dürfen nicht. Weil das in Geschäften nur schwer zu kontrollieren ist, hat Ikea jetzt deutschlandweit die Regelung getroffen, dass mit Ausnahme von kleinen Kindern niemand mehr ohne Mund- und Nasenmaske die Läden betreten darf. Auch dann nicht, wenn er aus medizinischen Gründen ein Attest besitzt.

Peter Pap aus Unna (NRW), dessen an Lungenkrebs erkrankte Frau Ulla in der vergangenen Woche bei Ikea in Kamen vom Sicherheitspersonal nicht eingelassen wurde, empfindet das als „diskriminierend“.

Ikea Kamen/NRW: Mundschutz gegen das Coronavirus in der Filiale Pflicht

Abgesehen von Ikea in Kamen (NRW), seien die Paps bisher überall ohne Probleme mit dem Vorzeigen des Attestes hineingekommen. „Wir halten Abstand und wir halten uns an die Regeln“, sagt Peter Pap. Beide hätten zwischenzeitlich auch einen Test auf das Coronavirus gemacht, der negativ ausgefallen sei. „Und der Gesetzgeber sagt ganz klar, dass es diese Ausnahme gibt“, erläutert Peter Pap.

Ikea Kamen/NRW: Hin und Her um Mundschutz gegen Coronavirus

Dennoch ließ ein Mitarbeiter des Sicherheitsdiensts bei Ikea in Kamen seine Frau nicht ein. Im Nachgang entschuldigte sich der Möbelriese zunächst über seine Pressesprecher von Ikea Deutschland und erklärte, dass die von der NRW-Landesregierung vorgesehene Ausnahme auch in den Ikea-Märkten gelte. Nun änderte das Unternehmen seine Meinung jedoch und verschärft die Regeln wegen des Coronavirus.

„Um die Gesundheit unserer Kunden und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen, machen wir das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes beim Besuch eines #IKEA Einrichtungshauses bis auf weiteres verpflichtend, auch für den Fall, dass ein ärztliches Attest vorliegt“, heißt es in einem Tweet von Dienstag. Diese Pflicht gilt wegen des Coronavirus demnach auch in Kamen/NRW.

Die Entscheidung, die Haltung zu ändern, habe sich Ikea nicht leicht gemacht, erläuterte Sprecherin Isolde Debus-Spangenberg: „Wir sind uns bewusst, dass wir Menschen, die ärztlicherseits vom Tragen einer Maske freigestellt sind, damit eventuell auch verärgern. Das tut uns sehr leid.“

Ikea Kamen/NRW: Gefälschte Atteste für Befreiung vom Mundschutz im Umlauf

Pragmatische Gründe haben zu der Revision der Regelung bei Ikea - auch in Kamen (NRW) - geführt. Die bisherige Vorgehensweise in Sachen Coronavirus sei in der Praxis schwer umzusetzen, heißt es. „Dies liegt zum einen daran, dass die Tatsache, Kunden ohne Mund-Nasen-Schutz im Einrichtungshaus zu sehen, auch bei anderen Kunden den Wunsch hervorruft, die Maske abzunehmen“, sagt Debus-Spangenberg. 

Außerdem seien zuletzt im Internet vermehrt gefälschte Atteste zum Download angeboten wurden. „Für unsere Sicherheitskräfte ist es unmöglich, die Echtheit eines Attests zu überprüfen“, erklärt die Sprecherin von Ikea.

Ikea Kamen/NRW: Schutzvisier als Alternative zum Schutz vor Coronavirus

Ikea verweist auf seine Verantwortung als Arbeitgeber, die eigenen Mitarbeiter – aber auch die Kunden – zu schützen. Debus-Spangenberg betont das „strenge Sicherheits- und Hygienekonzept“, mit dem man bisher „sehr positive Erfahrungen“ gemacht habe.

Bei Ikea in Kamen (NRW) hat sich wegen des Coronavirus einiges verändert - und eine Info-Tafel weist darauf hin. Das Foto ist am ersten Tag der Öffnung nach dem Lockdown entstanden.

Menschen mit nachgewiesenen Atembeschwerden könnten auch Schal, Tuch oder Rollkragenpullover als Schutz gegen die Ausbreitung des Coronavirus benutzen. Wo möglich werde auch ein Gesichtsschutz angeboten, so die Sprecherin von Ikea. Das geschah auch im Fall der Paps bei Ikea in Kamen – allerdings erst nachträglich am Telefon. 

„Ich werde meiner Frau aber nicht ein gebrauchtes Visier geben“, sieht Peter Pap darin keine Lösung. Er kann sich eine gründliche Desinfizierung an einem normalen Einkaufstag nur schwer vorstellen. Das versichert Ikea jedoch. Die Visiere, die auch in Kamen (NRW) erhältlich sind, „werden nach Gebrauch gereinigt und desinfiziert, bevor sie wieder angeboten werden“, betont die Sprecherin.

Ikea Kamen/NRW: Hausrecht vor Landesverordnung zum Coronavirus

Mit der Regelung setzt sich Ikea übrigens über eine Verordnung der NRW-Landesregierung zum Schutz vor dem Coronavirus hinweg. Das Unternehmen hat aber das Hausrecht

Das Ordnungsamt in Kamen (NRW) rät Betroffenen, die wegen der Coronavirus-Pandemie trotz Attest ein Geschäft nicht ohne Maske betreten dürfen, sich zu melden. „Man versuche dann zu vermitteln“, teilte die Stadt gegenüber dem Hellweger mit.

Ulla Pap wird es bei einem Ikea-Besuch nicht darauf ankommen lassen. Das Ehepaar hat seine Konsequenzen aus dem Verhalten des schwedischen Möbelriesen in Kamen gezogen. „Ikea wird in meiner Familie, das sind immerhin acht Familien, nie wieder betreten werden“, betont er – wohlwissend das der Boykott für so ein Weltunternehmen nur ein „Tropfen auf den heißen Stein ist“.

Ikea Kamen/NRW: Coronavirus immer wieder eine Herausforderung

Kurz nach dem Lockdown musste Ikea in Kamen Kunden nach Hause schicken - das sagte das Unternehmen dazu.

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie hat Ikea all seine Restaurants geschlossen. Für vegane Köttbullar soll jetzt in Kamen jedoch eine Ausnahme gemacht werden.

Rubriklistenbild: © Henrik Wiemer

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