Schutzengel auf vier Pfoten

Spritzen-Service statt akute Lebensgefahr: Wie eine Hündin ihrem Herrchen durchs Leben hilft

Assistenzhündin Hanni und Thorsten Habel.
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Treue Gefährtin und potenzielle Lebensretterin: Assistenzhündin Hanni warnt Thorsten Habel vor allergischen Schocks.

Für Thorsten Habel ist Assistenzhündin Hanni so etwas wie eine Lebensversicherung auf vier Pfoten. Sie hilft ihrem Herrchen durchs Leben und ist im Netz längst eine kleine Berühmtheit geworden.

Dortmund – Hanni ist mittlerweile bekannt wie ein bunter Hund, sieht dafür aber recht unspektakulär aus: Die freundliche Labrador-Dame hat ein braunes Fell und die dazu passenden, hübschen braunen Augen. Im Netz ist Hanni eine ziemliche Berühmtheit und als Influencerin tierisch erfolgreich. Auf Instagram (Assistenzhund.Hanni) folgen ihr bereits über 10.000 Menschen. Weil Hanni einem recht beeindruckenden Job nachgeht: Sie ist Assistenzhund des an Anaphylaxie erkrankten Thorsten Habel und somit sein Schutzengel und seine potenzielle Lebensretterin.

NameHanni
HunderasseLabrador
FunktionAssistenzhund für Anaphylaxie

Hund hilft Thorsten Habel aus Dortmund durchs Leben - Hanni bemerkt Notfälle frühzeitig

Seit gut vier Jahren lebt Hanni nun bei Thorsten Habel, und der 43-jährige Dortmunder kann sich ein Leben ohne sie kaum noch vorstellen. Als Habel vor gut 16 Jahren an Anaphylaxie erkrankte, änderte sich sein Leben schlagartig. „Ich muss jederzeit mit einem allergischen Schock rechnen, an dem ich im Zweifel ersticken kann“, erzählt der BVB-Fan. Die Anfälle kommen ohne Vorwarnung, die Symptome ähneln denen einer Erdnuss-Allergie: Die Zunge schwillt an, die Atemwege verengen sich, es droht der Erstickungstod.

Insbesondere in den Nächten war die Angst bei Habel groß. „Während sich so ein allergischer Schock tagsüber ankündigt und beispielsweise die Zunge anfängt zu kribbeln, werde ich nachts meist erst wach, wenn ich keine Luft mehr bekomme“, erzählt Habel. In der Notaufnahme des Dortmunder Klinikums gehörte er deshalb lange Zeit zur Stammkundschaft, „am Ende haben wir uns dort alle geduzt“. Doch seit Hanni bei ihm ist, geht er wieder ohne Angst ins Bett. „Und kann endlich wieder beruhigt durchschlafen.“ Denn die Labrador-Hündin ist darauf abgerichtet, einen Notfall bei Habel frühzeitig zu erkennen. „Viel früher, als ich es selbst könnte“, sagt Habel.

Hund hilft Thorsten Habel aus Dortmund durchs Leben - Keine Lebensgefahr mehr

Während andere Spürhunde mittlerweile Drogen, USB-Sticks und andere Dinge erschnüffeln können, hat Hanni gelernt, einen allergischen Anfall zu wittern. Wenn dieser nachts bei Thorsten Habel droht, weckt sie ihr Herrchen – und hat sofort das Erste-Hilfe-Set im Maul: eine Spritze mit Adrenalin, die dafür sorgt, dass Habel nicht in Lebensgefahr gerät.

Der Dortmunder kann sich noch gut an Hannis ersten Einsatz erinnern: „Sie war damals so aufgeregt, dass sie die Spritze vergessen hatte. Was aber kein Problem war, weil sie mich früh genug geweckt hatte.“ Wie oft Hanni in den vergangenen vier Jahren im Noteinsatz war, hat sich Habel nicht notiert. „Da müsste ich beim Arzt nachfragen, wie viele neue Spritzen er mir gegeben hat.“ Doch die Zahl ihrer Rettungsmissionen liegt längst im hohen zweistelligen Bereich. Vor einiger Zeit ließ sich Habel ein Porträt von Hanni auf den Unterarm tätowieren, „weil sie in meinem Leben eine so wichtige Rolle spielt“.

Hund hilft Thorsten Habel aus Dortmund durchs Leben - Habel kämpft für Privilegien für Assistenzhunde

Habel hat die enormen Vorteile von Assistenzhunden kennen- und schätzen gelernt. Und kämpft deshalb seit einiger Zeit darum, dass die Krankenkassen die Anschaffung von Assistenzhunden erstatten. „Dies erfolgt bislang nur bei Blinden-Führhunden, aber nicht bei Hunden wie Hanni und solchen, die gelernt haben, Diabetikern oder Epileptikern zu assistieren“, berichtet Habel. Für ihn unverständlich, denn: „Diese Hunde helfen nicht nur ihren Besitzern, sondern auch dabei, viel Geld dadurch einzusparen, weil es nicht mehr zu so vielen Notfall-Einsätzen kommt.“

Seit Hanni bei ihm sei, habe er keinen so schlimmen Notfall mehr gehabt, dass er die Hilfe von Dritten oder eine Notarztbehandlung habe anfordern müssen. So ein Assistenzhund sei zwar teuer: „Hanni hat mich 13.000 Euro gekostet, über 10.000 Euro mehr als ein normaler Labrador vom Züchter“, erzählt er. Doch die Kosten, die diese Hunde langfristig einsparen würden, seien eben immens.

Ein Tattoo als Liebesbeweis: Thorsten Habel hat sich ein Porträt von Hanni auf den Unterarm stechen lassen.

Zudem kämpft Habel gemeinsam mit der Initiative „Pfotenpiloten“ auch darum, dass Assistenzhunde mehr Privilegien wie beispielsweise Zutrittsrechte bekommen: in Verwaltungen, im Einzelhandel oder auch in Arztpraxen. In Habels Wohnzimmer liegen Informationsbroschüren und Aufkleber, einer von ihnen prangt auch mittlerweile am Städtischen Klinikum Dortmund. „Dort dürfen Assistenzhunde nun rein“, sagt Habel. Als erste Stadt in NRW habe Köln erst kürzlich Assistenzhunden ein Zutrittsrecht in alle städtischen Einrichtungen gewährt. „Das versuche ich in Dortmund auch zu erreichen“, sagt der 43-Jährige. Ein erster Kontakt zu Oberbürgermeister Thomas Westphal sei bereits geknüpft.

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