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Hendrik Wüst: Bloß keine Fehler machen und nicht wie Armin Laschet scheitern

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Von: Alexander Schäfer

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Auch nach der Landtagswahl NRW will Hendrik Wüst (CDU) Ministerpräsident bleiben. Dabei will er bloß nicht mit ähnlichen Fehlern wie Vorgänger Armin Laschet scheitern.

Düsseldorf – Hendrik Wüst (CDU) setzt vor der Landtagswahl NRW auf die Kinder. Der wahlkämpfende Ministerpräsident besuchte Schwimmkurse für die Kleinsten sowie eine Grundschule, und er traf sich öffentlichkeitswirksam mit „seinen“ Patenkindern im Zoo. In Nordrhein-Westfalen übernimmt seit 2019 der Ministerpräsident bei Mehrlingsgeburten die Ehrenpatenschaft. Als Vater einer Tochter – geboren im vergangenen Jahr – gefällt sich der 46-Jährige in der Rolle des Landesvaters. Willkommener Nebeneffekt: Die Auftritte geben Wüst das, was Kinder im Gegensatz zu Politikern problemlos verkörpern: Authentizität.

NameHendrik Wüst
Geboren19. Juli 1975, Rhede
ParteiChristlich Demokratische Union Deutschlands (CDU)

Hendrik Wüst: Bloß keine Fehler machen und nicht wie Armin Laschet scheitern

Mit der Echtheit ist das bei Spitzenpolitikern so eine Sache. Nicht selten wirken ihre Auftritte und ihre Statements so glatt gebügelt wie ihre Anzüge. Auch Wüst ist auf diesem Gebiet Perfektionist. Wer bei offiziellen Terminen auf überraschende Aussagen oder gar emotionale Ausbrüche des Ministerpräsidenten im Stile eines Armin Laschet hofft, kann lange warten.

Wüst ist das Gegenteil seines Vorgängers, er ist gewissermaßen ein Anti-Laschet: Er spricht kontrolliert und sachlich, macht keine Witze an der falschen Stelle und beantwortet Fragen nicht vorschnell mit einem einfachen Ja oder Nein – die Antwort könnte ihm später ja mal auf die Füße fallen.

Bei einem Abendessen mit Journalisten in Düsseldorf erzählte Wüst, dass ihm der Besuch der Junior-Uni Wuppertal – noch so ein Termin mit Kindern – sehr gefallen habe. Dabei duften die Mädchen und Jungen, die meisten sind so um die zehn Jahre alt, dem Ministerpräsidenten Fragen stellen. Wüst fand das Format gut, weil er hier freier als üblich sprechen konnte. Gegenüber der Presse müsse man dagegen ja aufpassen, was man so sage, so Wüst.

Landtagswahl in NRW: Hendrik Wüst sehr bedacht bei der Wahl seiner Wörter

Letzteres versah der Politiker mit einem Augenzwinkern – um bloß nicht falsch verstanden zu werden. Doch es steckte viel Wahrheit in seiner Aussage. Wüst ist in der Öffentlichkeit sehr bedacht darauf, was er sagt und wie er es sagt.

Zurück zu den Kindern. Deren Schutz bezeichnet Wüst in einem Wahlkampfvideo als ein Fundament seiner Politik. Wüsts Motivation, Politik zu machen, ist eine – Zitat – „Welt, in der Klimaschutz, Wohlstand und soziale Sicherung versöhnt sind“. Die einjährige Tochter Philippa - an Ostern hatte Hendrik Wüst für sie erstmals Ostereier versteckt - hat sein Blick auf die Welt verändert.

Ende April besucht der CDU-Politiker ein Familiengrundschulzentrum in Düsseldorf. Dafür nimmt sich der 46-Jährige eine Stunde Zeit. Die Kinder müssen nicht lange auf den „Präsidenten“, wie sie ihn nennen, warten. Wüst kommt fast pünktlich. Schon beim Aussteigen aus dem Auto trägt er Maske. Dass ihm wie Laschet einmal die Maske unter die Nase rutscht, ist undenkbar. Wüst – geboostert und genesen – gehört weiter zum Corona-Team Vorsicht. Auch die Lehrer tragen Maske, dabei gibt es in der Schule keine Maskenpflicht mehr.

Hendrik Würst im Endspurt des Wahlkampfes „übers Land“ geschickt

Einem Jungen bietet Wüst die Faust zur Begrüßung an, so wie man das halt wegen Corona macht. Der Junge aber will einen ganz normalen Händedruck und bekommt ihn auch. Wie ist das, Ministerpräsident zu sein? Die Frage des Kindes beantwortet Wüst mit Verweis auf ein Zitat eines seiner Vorgänger im Amt, Peer Steinbrück. „Ich bin ein Hausmeister ohne Kittel, der sich um alles kümmern muss. Vor allem, wenn es nicht so läuft.“

Für Wüst läuft es derzeit so mittel. Er springt (in einem Werbevideo) unfallfrei mit dem Rad über den Straßengraben. Doch Herausforderer Thomas Kutschaty holt in den Umfragen auf. Dessen SPD liegt in Schlagweite zur CDU, eine Ampel-Koalition gegen die CDU ist möglich - wenn auch nicht die Lieblingskoalition der Bürger in NRW. Wüst ist erst seit Oktober vergangenen Jahres im Amt, für einen Amtsbonus reichte das nicht. Da hilft auch die bemüht lautstarke Kritik an Kanzler Olaf Scholz – erst wegen der Corona-, dann wegen der Ukraine-Politik – nicht.

Ein hoher CDU-Funktionär gab deshalb im kleinen Kreis die Parole für einen wüsten Wahlkampfendspurt aus: „Wir schicken den übers Land – wo und wann immer es geht.“ Gesagt, getan. Wüst lädt nicht nur zu Pressekonferenzen zur Ukraine oder der 41. Basketball-Europameisterschaft in Köln ein oder hält eine Rede zu Deutschlands erster Homosexuellen-Demonstration in Münster. Er besucht eben auch einen Schwimmkurs in einem Badezentrum in Krefeld oder eine Schule in Düsseldorf. Mit Kindern kann er es. „Der hat gut geantwortet“, sagt ein Grundschüler, nachdem der Präsident weggefahren ist.

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