Abgabewelle befürchtet

Haustieren droht nach Corona-Boom der Weg ins Tierheim - Experten sind besorgt

Die Corona-Zahlen sinken. Schon bald könnten Arbeiten im Büro und Urlaub wieder zum Alltag gehören. Landen Haustiere aus in einsamen Zeiten wieder im Tierheim? Die Sorge ist groß.

Hamm - Die Corona-Pandemie hat schon im ersten Lockdown 2020 viele Menschen einsam gemacht. Kontaktbeschränkungen, Homeoffice, wenig Treffen mit Verwandten, Freunden und Bekannten. In dieser Phase, und bis heute, haben sich auch in NRW viele Menschen deshalb Hund, Katze oder ein anderes Haustier zugelegt. Doch was nun? Urlaub und Büroalltag sind in wieder in greifbarer Nähe. Weniger Zeit also für das Tier. Tierschützer befürchten eine Abgabewelle in Tierheimen. (Coronavirus in NRW)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
LandeshauptstadtDüsseldorf

In Zeiten von Corona gab und gibt es eine „extreme Nachfrage nach Haustieren“, wie Lea Schmitz, Sprecherin des Tierschutzbundes, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Doch sinken die Corona-Zahlen in Deutschland weiter, bringt die Entspannung der Pandemie-Situation zahlreichen Menschen wohl schon bald mehr Normalität - inklusive arbeiten im Büro statt im Homeoffice, mehr privaten Unternehmungen außerhalb der eigenen vier Wände, Urlaub etwa in Griechenland oder den Niederlanden. Da kann ein Haustier wie Katze oder Hund plötzlich stören.

Haustier nach Corona-Zeiten: Landen Hund und Katze nun im Tierheim?

Tierschützer befürchten deshalb eine Abgabewelle in deutschen Tierheimen. „Viele Menschen haben sich womöglich spontan, aus Einsamkeit durch die Kontaktbeschränkungen (...) ein Tier beim Züchter oder schlimmstenfalls über dubiose Internetanzeigen gekauft“, so Schmitz. Dass auch in NRW mit der Einkehr von Normalität nicht jeder sich noch genauso wie im Lockdown um Hund oder Katze kümmern kann oder will, davon geht auch Dr. Ralf Unna, Tierarzt in Köln und Vizepräsident des Landestierschutzverbandes NRW aus. „Im Moment sind wir noch in der Pandemie. Deshalb ist eine Abgabewelle noch nicht zu spüren. Wir befürchten aber, dass es sie geben wird“, sagte Dr. Ralf Unna im Gespräch mit unserer Redaktion.

Wie Schmitz erklärte, haben einige Tierheime in Deutschland schon Vorboten eines solchen Effekts zu spüren bekommen. Einige der mehr als 550 Tierheime berichteten jetzt schon von „Corona-Abgaben“. Dabei handelt es sich den Informationen zufolge etwa um Hunde oder Katzen, die in Zeiten hoher Infektionszahlen und strenger Kontaktbeschränkungen angeschafft wurden. „Eine größere Abgabewelle gibt es aber zum Glück noch nicht. Dennoch ist die Sorge groß“, sagte auch Schmitz.

Haustier nach Corona: Hunde und Katzen aus illegalem Handel

Die Pandemie hat nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes zu einem regelrechten „Haustierboom“ geführt. Dabei stützen sich die Tierschützer auf Informationen des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe (ZZF) und des Industrieverbands Heimtierbedarf (IVH). Demnach nahm im Corona-Jahr 2020 die Zahl der Haustiere in deutschen Haushalten im Vorjahresvergleich um knapp eine Million Tiere zu.

Die hohe Nachfrage in Corona-Zeiten hat auch dazu geführt, dass illegaler Tierhandel zugenommen hat - laut Dr. Ralf Unna vor allem mit Tieren aus Osteuropa, die krank oder in sehr schlechtem Zustand seien. Ausgesetze Hunde, skrupellose Welpenhändler, uneinsichtige Menschen - von all dem berichtete die Leiterin des Tierheims Soest vor einiger Zeit dem Portal soester-anzeiger.de* - mit Worten, die schockierten.

Den Hund mit ins Büro nehmen? Das geht nicht überall. Tierschützer befürchten nach der Corona-Pandemie einen Abgabewelle in Tierheimen.

Haustier nach Corona: Wenn der Hund nicht mit in Büro kann - Betreuung organisieren

Doch auch, wenn bald wieder Arbeiten im Büro Alltag sein wird und nicht mehr so viel Zeit für den Vierbeiner bleibt, muss dieser nicht zwangsläufig wieder abgegeben werden. Hundehaltern etwa, die sich mit ihrem Tier überfordert fühlen, empfiehlt die Stiftung Vier Pfoten den Besuch einer Hunde- oder Welpenschule. „Zur Überbrückung voller Arbeitstage können zum Beispiel Hundetagesstätten aushelfen“, ergänzte eine Sprecherin auf dpa-Anfrage.

Auch Dr. Ralf Unna empfiehlt, sich schon jetzt zu informieren und für eine Betreuung des Tieres zu sorgen. „Es gibt Hundesitter, die sich kümmern können. Um einen Platz kann man sich ähnlich wie um einen Kita-Platz für ein Kind bemühen.“ Das frühzeitig zu tun, sei empfehlenswert, denn auch bei den Hundesittern gebe es gute und weniger gute - und das Tier brauche eine Eingewöhnungszeit. Das alles zu berücksichtigen und frühzeitig vorzusorgen, ist Unnas klare Empfehlung. -*soester-anzeiger.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jörg Carstensen/dpa

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