Zu wenig Impfstoff

Zu wenig Biontech: Warum ein Stopp bei Erstimpfungen in Arzt-Praxen drohen könnte

In den Praxen der Hausärzte könnte schon bald ein Stopp der Erstimpfungen mit Biontech drohen. Es muss mehr Corona-Impfstoff her. Woran das liegt.

Hamm - Es war ein großer Lichtblick in der Impfkampagne in Nordrhein-Westfalen wie auch in ganz Deutschland: Seit Anfang April dürfen auch Hausärzte gegen das Coronavirus impfen. Seitdem ist der Run groß. Viele Patienten hoffen so auf einen schnelleren Termin als im Impfzentrum. Doch das Ganze könnte nun auch einen wenig erfreulichen Beigeschmack haben. (News zum Coronavirus)

LandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Zu wenig Corona-Impfstoff von Biontech für Arztpraxen: Warum ein Stopp bei Erstimpfungen drohen könnte

Denn Kassenärzte warnen jetzt davor, dass Erstimpfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer wegen Versorgungsengpässen ins Stocken geraten könnten. Weil dafür dann der Corona-Impfstoff schlichtweg fehlt.

„Die vom Bundesgesundheitsministerium für Mai angekündigten Mengen des Impfstoffs von Biontech/Pfizer reichen nicht aus, um damit ab Mitte des Monats Erstimpfungen in nennenswertem Umfang in den Praxen durchführen zu können“, heißt es vom Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, in einer Mitteilung, die der Rheinischen Post (Montag) vorliegt.

„Der Grund hierfür ist, dass ab diesem Zeitpunkt die erforderlichen Zweitimpfungen mit diesem Impfstoff erfolgen.“ Andreas Gassen forderte, dass es nun Zeit sei, „endlich dafür zu sorgen, dass die Praxen genügend Impfstoff erhalten.“

Impfen beim Hausarzt: Dosen werden für Zweitimpfungen benötigt - zum Nachteil der Erstimpfungen

Aktuell werden vom Bund pro Woche rund drei Millionen Dosen an Corona-Impfstoff zur Verfügung gestellt. Der von Andreas Gassen skizzierte Effekte würde tatsächlich eintreten, wenn es nur bei dieser Menge bliebe. Das bestätigte ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) auf Anfrage unserer Redaktion: „Damit graben wir uns irgendwann selbst das Wasser ab.“

Spätestens ab Mitte Mai erfolgen in den Praxen der Hausärzte also die ersten Zweitimpfungen mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer. Zwischen Erst- und Zweitimpfungen dürfen maximal sechs Wochen liegen. Wird dieser Zeitraum überschritten, könnte es Auswirkungen auf die Wirksamkeit haben. Daher lautet die einfache Schlussfolgerung: „Wir brauchen mehr Impfstoff, um mehr Erstimpfungen durchführen zu können.“

Es wären dann zwar mehrere Personen vollständig geimpft und könnten gewisse Vorzüge, wie sie jetzt auch in NRW gelten, genießen. Doch die Erstimpfungen würden dadurch massiv ausgebremst werden. Dass den Hausärzten ein gewaltiges Impf-Problem droht*, schreibt auch Ruhr24.de*.

Corona-Impfungen in Deutschland: Im Juni sollen auch Betriebsärzte einsteigen

Hinzu kommt: Spätestens ab der Woche vom 7. Juni sollen sich Beschäftigte auch direkt über die Firma von Betriebsärzten impfen lassen können.  Dafür sind laut Bundesgesundheitsministerium mindestens 500.000 Impfdosen pro Woche vorgesehen. Das würde zwar die Hausärzte entlasten. Doch ändert sich die Menge von drei Millionen Dosen für ganz Deutschland pro Woche nicht, würde das Tempo bei den Corona-Impfungen generell nicht wirklich zunehmen. Ähnliches gilt, sollte der Biontech-Impfstoff auch für Kinder zugelassen werden.

Doch für Nachschub soll gesorgt werden. Für Arztpraxen und Betriebsärzte werden im Juni wöchentlich jeweils mehr als drei Millionen Dosen des Impfstoffes von Biontech/Pfizer erwartet. Nach 3,4 Millionen Dosen in der Woche ab 31. Mai sollen für drei Wochen jeweils mehr als 3,6 Millionen folgen und in der Woche vom 28. Juni dann mehr als 3,7 Millionen. Im Mai sollen die Praxen laut einer Lieferprognose (Stand 30. April) jeweils 1,6 Millionen Dosen pro Woche von Biontech bekommen und in den ersten beiden Mai-Wochen zusätzlich jeweils mehr als eine Million Dosen des Präparats von Astrazeneca. Die Impfzentren sollen im Mai und Juni vorerst weiter mehr als zwei Millionen Dosen pro Woche bekommen. (mit dpa-Material) *Ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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