„Hattinger Freiheits-Bäcker“

Bäcker sorgt für Corona-Ärger: Kunden ohne Maske im Geschäft? Parolen auf Gebäck

Ein Bäcker in Hattingen, der sich selbst „Hattinger Freiheits-Bäcker“ nennt, sorgt für Ärger. Er soll Kunden ohne Maske ins Geschäft lassen. Auf Wänden und Gebäck stellt er sich offenbar mit Schriftzügen gegen Corona-Regeln.

Hattingen - In der NRW-Stadt Hattingen provoziert offenbar ein Bäcker derzeit mit verschieden gelagerten Protestaktionen gegen die Schutzmaßnamen in Sachen Coronavirus. Wie der WDR berichtet, nennt er sich selbst „Hattinger Freiheits-Bäcker“. In sozialen Medien wird rauf und runter diskutiert - Stammkunden sind verschreckt worden, gleichzeitig erlebt der Bäcker einen Ansturm auf seinen Laden. Letzteres offenbar von Leuten, die die Corona-Maßnahmen ebenfalls nicht mittragen, möglicherweise zur umstrittenen „Querdenken“-Initiative gehören. (News zum Coronavirus)

StadtHattingen
Fläche71,4 km²
Bürgermeister Dirk Glaser
Bevölkerung 54.438 (Stand 2019)

Zum Kontext: Die Initiative „Querdenken“ hatte zuletzt durch die Ankündigung auf sich aufmerksam gemacht, Kinder auf dem Schulweg abpassen zu wollen. Die NRW-Landesregierung warnte vor der Aktion. Am Samstag (7. November) fanden außerdem in Leipzig Versammlungen gegen die Corona-Maßnahmen statt. Nach der Auflösung durch die Polizei kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen.

„Hattinger Freiheits-Bäcker“: Schriftzüge auf Wänden, Parolen auf Gebäck

Wie der WDR berichtet, steht an einer Wand der Bäckerei etwa der Schriftzug „Endsieg der Regierung: Jeder wird geimpft“. Auf das Gebäck sind demnach Sprüche wie „Corona-Mafia - nein danke“ oder „Bald richtige Diktatur“ aufgebracht.

Alles in allem sind in der Bäckerei Sprüche auf Plakate und Wände gepinselt, mit denen der Inhaber seine Ablehnung gegen Kanzlerin Angela Merkel, den Virologen Christian Drosten oder das öffentlich-rechtliche Fernsehen kund tut, berichtet auch die Deutsche Presse-Agentur. „Die Frau Merkel macht mir Angst“, ist da etwa zu lesen.

Was dem Bericht zufolge viele Menschen verschreckt hat, löst bei anderen regelrecht Begeisterung aus. Diese wiederum führt zu einer Art „Tourismus“. Offenbar „pilgern“ Menschen aus dem ganzen Ruhrgebiet zum „Hattinger Freiheits-Bäcker“.

Ein weiterer Medienbericht bestätigt das. Die Redaktion der WAZ in Hattingen berichtet von Beschwerden über den Bäcker. Demnach empfinden Kunden dessen Verhalten angesichts der pandemischen Lage im Land „mindestens als grob fahrlässig, schlimmstenfalls als kriminell“. Auch der Bürgermeister von Hattingen, Dirk Glaser, bezeichnet das Vorgehen demnach als Skandal.

„Hattinger Freiheits-Bäcker“: Ordnungsamt hat bisher keine Verstöße festgestellt

Das Ordnungsamt der Stadt Hattingen hat den Medienberichten zufolge aber bisher bei Kontrollen noch keine Verstöße gegen die Maskenpflicht in dem Ladenlokal des selbst ernannten „Hattinger Freiheits-Bäckers“ feststellen können. Dennoch beobachtet es das Geschehen in dem Laden. Die Schriftzüge auf Wänden und Gebäck fallen unterdessen wohl unter die Meinungsfreiheit.

Wie der Hattinger Bürgermeister Dirk Glaser (parteilos) zusammenfasst, mehrten sich seit einigen Wochen die Klagen von Bürgern über angebliche Maskenverstöße und das offensive Vertreten „völligen Blödsinns“ über die angebliche „Corona-Mafia“. Doch das Ordnungsamt sei bislang machtlos. „Wir haben bisher keine rechtliche Handhabe gegen das Geschäft, beobachten das aber weiter sehr genau“, sagte Glaser.

„Hattinger Freiheits-Bäcker“: Social-Media-Nutzer zwischen Begeisterung und Fassungslosigkeit

Auch habe er persönlich das Gespräch mit dem Konditor gesucht. „Ich pralle da gegen eine Gummiwand“, so der Bürgermeister. Natürlich habe jeder das Recht seine Meinung frei zu äußern, betonte er. Dennoch stellte er klar: „Ich halte das Verhalten für töricht und auch für gefährlich.“ In einer Situation, in der sich die Welt gegen diese Pandemie stelle, sei es schrecklich zu sehen, dass manche mit völlig haltlosen Ideen Stimmung machten.

In sozialen Netzwerken gehen die Meinungen zu der Aktion des Bäckers in Hattingen jedenfalls stark auseinander. Ein Facebook-Nutzer berichtete bereits Ende Oktober von einer einstündigen Fahrt nach Hattingen, die er eigens auf sich genommen habe, um endlich mal wieder „als Mensch“ beim Bäcker einkaufen gehen zu können. Jeder Kilometer sei es wert gewesen.

Andere Nutzer zeigen sich unterdessen geschockt und ungläubig. Auf Twitter schreibt ein Nutzer unter Verweis auf den WDR-Beitrag: „Was stimmt nur mit den Leuten nicht, meine Fresse...“. Eine andere Nutzerin twittert, ihr durchgeknallter Ex-Lieblingsbäcker habe es in die Nachrichten geschafft.

„Hattinger Freiheits-Bäcker“: Mitarbeiterinnen gekündigt, weil Sie Kunden zum Maske-Tragen aufforderten?

Die Aktionen des Bäckers in Hattingen haben dem Bericht des WDR zufolge jedenfalls schon zu einer arbeitsrechtlichen Auseinandersetzung geführt. Demnach soll der Bäcker zwei Mitarbeiterinnen mit sofortiger Wirkung ihres Arbeitsplatzes verwiesen haben, nachdem diese Kunden aufgefordert haben sollen, im Ladenlokal Masken zu tragen. Der WDR beruft sich dabei auf die Anwältin der beiden Frauen. Der Bäcker selbst wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Rubriklistenbild: © Jens Kalaene/dpa/picture alliance

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare