„Roadpol-Safety Days“

Handy am Steuer: Polizei mit großer Kontrollaktion in NRW - und alarmierender Erkenntnis

Kontrolltag der Polizei zum Thema „Ablenkung am Steuer“: Die Polizeibehörden in NRW machen mit bei der europaweiten Präventionsaktion „Roadpol-Safety Days - Stay alive and save lives“. Nach dem ersten Kontrolltag ziehen die Beamten vielerorts eine erschreckende Bilanz.

NRW - Täglich sterben europaweit bis zu 70 Menschen im Straßenverkehr - diese Zahl nennt die Polizei im Kreis Soest anlässlich der Kontrollaktion. Im ganzen Jahr 2019 waren es allein im Kreis Soest sechs Verkehrsteilnehmer, die ums Leben kamen. Zu den Unfallursachen gehört immer wieder, dass Auto-, Lkw- und Radfahrer von Mobiltelefonen abgelenkt sind.

Die Kreispolizei Unna etwa hat am Kontrolltag (16. September) knapp 15 Prozent der im Kreis kontrollierten Verkehrsteilnehmer mit Handy an Lenkrad und Lenker erwischt - und spricht angesichts dessen von einer „alarmierenden Erkenntnis“, wie wa.de* berichtet.

„Roadpol-Safety Days“: Polizei mit drastischem Facebook-Post

Die Polizei im Märkischen Kreis bringt es so auf den Punkt: „Keine WhatsApp, keine Instastory, keine Sprachnachricht und kein Anruf sind so wichtig, dass man dafür das eigene Leben aufs Spiel setzt und Andere gefährdet.“ Ein Facebook-Post der Polizei MK veranschaulicht das auf eindringliche Weise:

Wie die Bilanzen der Polizeibehörden der Städte und Kreise nach dem Kontrolltag am 16. September ausfallen, fassen wir hier zusammen:

„Roadpol-Safety Days“: Polizei Hamm zu Gefahren des Telefonierens während der Fahrt

Die Polizei Hamm hatte einer Mitteilung zufolge insbesondere Fahrer im Blick, die während der Fahrt ihr Handy nutzten. In der Zeit von 10 Uhr bis 17 Uhr überprüfte die Hammer Polizei demnach 232 Fahrzeuge. „Die Beamten erwischten insgesamt 47 Autofahrer und fünf Radfahrer mit einem Mobiltelefon in der Hand.“ Erschreckend sei auch die Anzahl der festgestellten Gurtverstöße: „Hier mussten die Polizisten in 50 Fällen einschreiten.“ Weitere 37 Verkehrsteilnehmer hätten ein Verwarngeld wegen sonstiger Verstöße bezahlen müssen.

„Telefonieren während der Fahrt ist so gefährlich wie das Fahren mit 0,8 Promille Alkohol im Blut“, warnen die Beamten aus Hamm. Bei Kontrollen an unterschiedlichen Örtlichkeiten schärften die Beamten deshalb das Bewusstsein für die Gefahren. Zum Hintergrund: Alleine im Jahr 2019 stellte die Polizei Hamm der Mitteilung zufolge 2250 Handy-Verstöße fest.

„Roadpol-Safety Days“: Einsatzleiter der Polizei im Kreis Unna zieht erschreckendes Fazit

Die Kreispolizeibehörde Unna hat an verschiedenen Standorten im gesamten Kreisgebiet insgesamt 497 Pkw-, Lkw-, Rad- und Pedelecfahrer kontrolliert, wie sie im Anschluss mitteilte. Dabei seien 74 Handyverstöße festgestellt worden. „Hinzu kommen 59 weitere Verstöße (u.a. nicht angeschnallt, keine Dokumente dabei, fehlender Verbandskasten) und 5 Ordnungswidrigkeitenanzeigen (u.a. wegen überhöhter Geschwindigkeit und technischer Veränderungen am Fahrzeug).“

Das Fazit von Einsatzleiter Thomas Stoltefuß, Erster Polizeihauptkommissar und Leiter des Verkehrsdienstes bei der Kreispolizeibehörde Unna: „Dass wir knapp 15 Prozent der kontrollierten Verkehrsteilnehmer mit dem Handy an Lenkrad und Lenker erwischt haben, ist eine alarmierende Erkenntnis. Denn eigentlich müsste sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass das Telefonieren und Texten während der Fahrt das Unfallrisiko erheblich erhöht und zum Teil tödliche Folgen haben kann. Wir appellieren deshalb erneut an die Bürgerinnen und Bürger, das Handy während der Fahrt nicht zu benutzen - egal ob im Auto, im Lkw oder auf dem Fahrrad. Unfälle passieren nicht - sie werden verursacht.“

„Roadpol-Safety Days“: Polizei im Märkischen Kreis bekommt von Verkehrsteilnehmern positive Rückmeldungen

Im Märkischen Kreis kontrollierten am Mittwoch rund 50 Polizeibeamte kreisweit, ob Autofahrer sich ablenken ließen - etwa durch Smartphones. An Kontrollstellen unter anderem in Lüdenscheid, Menden und Iserlohn blickten sie demnach in 786 Fahrzeuge.

Diese Zahlen nennen die Beamten: „70 Menschen hielten sich nicht an das Verbot der Handynutzung (9% der Kontrollierten). Darunter 51 Autofahrer. 19 weitere saßen am Steuer eines Lkw“. Neben den Handyverstößen mussten der Mitteilung nach 25 weitere Verstöße geahndet werden, darunter fehlende Sicherheitsgurte, aber auch die Vergehen von Fahrern ohne Fahrerlaubnisse (3) sowie eines Fahrers unter Drogeneinfluss.

Ein weiterer Aspekt im Fazit der Polizei im MK: „An mehreren Stellen sprachen Polizisten außerdem ausschließlich präventiv und klärten über die Gefahren auf. Auffällig: von den rund 100 angesprochenen Verkehrsteilnehmern, forderten fast alle durchgehend höhere Strafen für den Gebrauch von Handys am Steuer und nahmen die polizeiliche Aktion sehr positiv wahr.“

Trotz allem sprechen auch die Beamten im Märkischen Kreis eine Warnung inklusive Beispiel aus: „Noch immer sind sich viele Menschen nicht darüber im Klaren, wie gefährlich das Schreiben einer WhatsApp am Steuer ist. Bei 50 Stundenkilometern fährt ein Auto in nur einer Sekunde rund 14 Meter! Der Zwei-Sekunden-Blick aufs Display bei einer Fahrt mit 50 km/h bedeutet also fast 30 Meter Blindflug.“

„Roadpol-Safety Days“: Polizei im Kreis Soest spricht von Ablenkung durch Handys als Unfallursache

Auch die Polizei Soest warnt immer wieder: „Die Nutzung von elektronischen Geräten, insbesondere von Smartphones, durch Verkehrsteilnehmer birgt erhebliche Risiken und Gefahren.“ Immer mehr stehe dieses Verhalten von Verkehrsteilnehmern während der Fahrt im Fokus der polizeilichen Ermittlungen nach schweren und schwersten Verkehrsunfällen. Nicht erklärbare oder nicht nachvollziehbare Unfallabläufe, wie ein Abkommen von der Fahrbahn oder ein Fahren in den Gegenverkehr, dürften oftmals durch Ablenkung zustande kommen, heißt es weiter. Die Dunkelziffer in diesem Bereich sei wahrscheinlich sehr hoch.

Die Polizei achte diese Woche im gesamtem Kreisgebiet vermehrt auf die während der Fahrt verbotene Nutzung von Smartphones. „Wir beteiligen uns an der europaweiten Präventionsaktion ‚Roadpol-Safety Days'. Dazu kommen wir auch gern mit Ihnen auf der Straße ins Gespräch. Nur gemeinsam können wir die Unfallzahlen senken. Wir zählen auf Sie!“, sagt Ludger Nolte, Leiter des Verkehrsdienstes der Kreispolizeibehörde Soest.

„Roadpol-Safety Days“: Polizei im Kreis Warendorf verhängt Verwarngelder und leitet Verfahren ein

Im Kreis Warendorf kontrollierten Polizeibeamte am Mittwoch bis 19 Uhr insgesamt 226 Fahrzeugführer. Davon waren der Mitteilung nach 155 im Auto unterwegs, 23 im Lkw und 48 Menschen fuhren auf dem Fahrrad oder Pedelec. „47 Bürgerinnen und Bürger haben sich von ihrem Handy und Co. ablenken lassen - sie erwartet ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren“, heißt es zu den Zahlen. 29 weitere Fahrer begingen demnach andere Vergehen im Straßenverkehr. „Ihnen wurde zum Teil ein Verwarngeld auferlegt, zum Teil erwartet auch sie ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren.“

„Roadpol-Safety Days“: Polizei im Kreis Coesfeld überzeugt, dass Gefahren noch unterschätzt werden

Die Bilanz der Polizei im Kreis Coesfeld: 31 von 70 angehaltenen Autofahrern und einer von sechs gestoppten Radfahrern benutzte das Mobiltelefon während der Fahrt. Wie die Polizei sagt, sei das Ergebnis ein Anzeichen dafür, dass einige Verkehrsteilnehmer die Gefahren durch Ablenkung im Straßenverkehr noch unterschätzen.

Während des Schwerpunkttages hielten die Polizisten zudem einen Autofahrer an, der unter Drogeneinfluss stand. 22 weitere Verkehrsteilnehmer müssten wegen Verstößen ein Verwarngeld zahlen - 13 waren beispielsweise nicht angeschnallt, heißt es weiter.

Auch zu den Strafen gibt die Polizei Coesfeld einen Überblick: „Auf die Handysünder kommt nun ein Bußgeldverfahren zu. Ihnen drohen mindestens ein Punkt in der Verkehrssünderdatei und ein Bußgeld von 100 Euro“

„Roadpol-Safety Days“: Polizei in Hagen erwischt 88 von 286 Fahrzeugführern mit Handy

In Hagen waren zwischen 9 Uhr und 17 Uhr knapp 30 Beamte im Einsatz. Sie hielten einer Mitteilung der Polizei zufolge insgesamt 286 Fahrzeuge an (davon 230 Autos, 16 Lkw sowie 40 Rad- beziehungsweise Pedelecfahrer). 88 Personen nutzten während der Fahrt Handys.

Auch außerhalb des Aktionstages ahnde die Polizei Hagen konsequent Verstöße und sensibilisiere Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich der Gefahren durch die Ablenkung im Straßenverkehr. Damit verfolgt die Polizei dieselbe Linie wie die anderen Polizeibehörden auch. - *wa.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks

Rubriklistenbild: © dpa / Uli Deck (Symbolbild)

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