Verbindungen nach Hamm, Kreise Warendorf und Soest

Steht die Region vorm erneuten Lockdown? Zweite Welle droht nach dem Tönnies-Desaster

So leer in der Stadt und das am Wochenende: Mit dem Massenausbruch bei Tönnies drohen Hamm zahlreiche Einschränkungen
+
So leer in der Stadt und das am Wochenende: Mit dem Massenausbruch bei Tönnies drohen Hamm zahlreiche Einschränkungen

Das Wiederhochfahren des gesellschaftlichen Lebens könnte sich in Hamm, in den Kreisen Warendorf und Soest ganz schnell wieder erledigt haben. 95 Tönnies-Mitarbeiter leben allein in Hamm, hinzu kommen deren Ehepartner und Kinder, die das Virus bereits in Schulen, Kitas und auch Altenheimen verbreitet haben könnten.

Hamm/Kreis Warendorf/Kreis Soest – Nach städtischer Schätzung haben etwa 450 Personen in Hamm eine Tönnies-Verbindung. Sollte die Infektionsquote auch nur ansatzweise so hoch wie in der Rheda-Wiedenbrücker Schlachtfabrik sein, droht in Hamm der erneute Lockdown. Der Kreis Soest zählt 104 Einwohner, die für den Schlachtbetrieb im benachbarten Landkreis arbeiten, im Kreis Warendorf sollen es 680 sein.

90 Neuinfektionen in einer Woche gelten als Obergrenze, bis am Freitag waren es 27. „Ich hoffe, dass der Kelch an uns vorübergeht, aber ich kann im Moment auch nichts ausschließen“, sagte Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann gestern in einer Videokonferenz – auch mit Blick auf die Großtestung bei Westfleisch in Uentrop, die am Wochenende ansteht.

Coronavirus in Hamm: Schlechter Info-Fluss

Wertvolle Zeit hat der Krisenstab in Hamm in den letzten Tagen durch den mangelhaften Informationsfluss aus dem Kreis Gütersloh verloren. Erst am späten Vormittag lag am Freitag die Liste der Tönnies-Mitarbeiter im Rathaus vor. „Deutlich später, als es in meinen Augen hätte sein sollen“, übte der Oberbürgermeister nun auch erstmals Kritik in Richtung Tönnies. 

Bei dem Westfleisch-Fall in Coesfeld Mitte Mai „hatten wir die Liste am nächsten Tag“, so der OB. Die Mitarbeiter im Rathaus arbeiteten nun mit Hochdruck daran, Wohnorte, Angehörige und die Zahl der schulpflichtigen Kinder zu ermitteln. Auch am Wochenende werde das geschehen. Dazu müsse die Einwohnerkartei von Hand ausgewertet werden. Von mindestens zwei Ehepartnern sei bereits bekannt, dass sie in Altenheimen arbeiten würden. Auch das könnte in der Folge brisant werden. Herausgefunden werden müsse nun auch, wo die Kinder zur Schule oder in die Kita gehen. Listen mit Namen und Anschrift der Kinder würden hierfür an die Einrichtungen verteilt.

Coronavirus in Hamm: Schulen geschlossen

Die Gebrüder-Grimm-Schule, die Friedrich-Ebert-Realschule und der Standort der Albert-Schweitzer-Schule an der Stefanstraße 51b werden nun doch geschlossen und vor den Sommerferien nicht mehr geöffnet. Dort war am Donnerstag bekannt geworden, dass in jeweils einer Klasse ein infiziertes Kind den Unterricht besucht hatte. Die infizierten Kinder stammen aus zwei Familien und hatten sich jeweils bei ihren Eltern angesteckt. Mindestens ein Elternteil arbeitet bei Tönnies. Zunächst sollten nur die drei Klassen und deren Lehrer getestet und unter Quarantäne gestellt werden. 

Für alle übrigen Kinder an den Schulen sollte der Unterricht weitergehen. Das wurde gestern zurückgenommen. „Ich bedauere, dass wir ganze Schulen schließen müssen, aber die Sicherheit geht vor“, sagte Hunsteger-Petermann. An den genannten Schulen seien gestern nur wenige Schüler zum Unterricht erschienen. „Die Eltern sind stark verunsichert“, so der Oberbürgermeister.

Coronavirus in Hamm: Umfangreiche Tests

Alle Lehrer und Schüler der drei Klassen sowie alle weiteren Kontaktpersonen der infizierten Kinder wurden gestern vom städtischen Coronamobil getestet und müssen über volle 14 Tage in Quarantäne, auch wenn das Testergebnis negativ ausfällt. Das ist bitter für diejenigen, die mit Beginn der Sommerferien in den Urlaub fahren wollten. Am Mittwoch werden diese Personen allesamt ein weiteres Mal getestet.

Für die übrigen Klassen und Lehrer an den drei Schulen gilt Folgendes: Sie sollen sich unbedingt beim Hausarzt testen lassen. Sollte dieser einem Test nicht zustimmen, weil die Finanzierung nicht geklärt ist, bürgt die Stadt dafür finanziell. Ist ein Test negativ, gibt es keine Quarantäne-Anordnung.

Coronavirus in Hamm: Verdachsfälle in Schulen und Kitas

Verdachtsfälle von Corona an Schulen und Kitas aufgrund der Tönnies-Verbindung gab es gestern bereits an weiteren Schulen. Die Stadt bestätigte „zwei bis vier“ solcher Konstellationen, nannte aber nicht die Schulen. Bis aufs Gymnasium seien alle Formen vertreten, hieß es. Hier gilt nun Folgendes: Zeigt ein Schüler Corona-Symptome, schickt die Schule das Kind nach Hause und informiert die Eltern, dass das Kind vom Arzt untersucht werden muss. 

Kommt der Arzt zu dem Ergebnis, dass der Verdacht berechtigt ist, wird wie üblich ein Test veranlasst. Neu ist, dass nun automatisch auch die gesamte Klasse dieses Kindes (inklusive möglicherweise der OGS), die Lehrer und weitere enge Kontaktpersonen übers Coronamobil getestet werden. Fallen die Tests negativ aus, gibt es auch keine Quarantäne-Anordnung.

Coronavirus in Hamm - weitere Infos:

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare