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Furioser Open-Air-Abend der Giant Rooks in Dortmund - Viele Fotos

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Von: Achim Lettmann

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Die Giant Rooks haben am Sonntag ihr erstes eigenes Open-Air-Konzert im Westfalenpark gerockt.
Die Giant Rooks spielten am Sonntag ihr erstes eigenes Open-Air-Konzert vor fast 6000 Zuschauern im Westfalenpark. © Szkudlarek

Mit einer energiegeladenen Show haben die „Giant Rooks“ am Sonntagabend im Dortmunder Westfalenpark rund 6000 Fans begeistert.

Hamm - „Wir haben noch nie so lange gespielt wie heute“, sagt Fred Rabe und ist ergriffen – auch ein bisschen überwältigt. Für diesen Moment haben der Frontmann und die Giant Rooks alles getan, um dem Publikum ein mitreißendes Musikerlebnis zu bieten. Im Dortmunder Westfalenpark feierten sie ihr erstes Headliner-Open-Air mit fast 6000 begeisterten Zuschauern.

Fast zwei Stunden spielte das Quintett, das in Hamm zu einer Band wurde, die Stücke seiner „Rookery“-Tour in immer wieder langen Versionen. „Into Your Arms“ ist so zu einer hinreißenden Livenummer geworden. Am Ende der Ballade mündet die wuchtige Musik in den Refrain „We try it“. Es ist eine Lebenseinstellung, dran zu bleiben, und eine gemeinsame Anstrengung, die hier beschworen wird. Im rotgefärbten Nebel der großen Bühne bewegen sich Fred Rabe (Gesang), Finn Schwieters (Gitarre), Jonathan Wischniowski (Syntheziser), Luca Göttner (Bass) und Finn Thomas (Drums) als dynamische Einheit.

Ihr internationaler Sound, den sie für ihre Hallentour mit Gefühl für Timing und Rhythmus ausgearbeitet haben, wird in Dortmund auf das Motiv konzentriert, aus überschwänglicher Freude heraus, die raffinierten Ideen ihrer Musik vorzuführen, ja loszulassen. Es ist ein Fest! Dieses musikalische Vermögen sorgt dafür, dass sie auch zum Ende des Jahres wieder in die USA reisen, wo eine weitere Tour mit den Giant Rooks geplant ist.

Keine falsche Show, keine Gesten, nichts von der Stange

Beim „Heimspiel“ in Dortmund funkelten die Handylichter zu „All we are“. Fred sitzt am Klavier und spielt mit äußerster Hingabe. „Take, take, take my hand“ antwortet das Publikum im Wechsel mit dem Kopf der Giant Rooks. Es gibt hier keine falsche Show, keine Gesten, nichts von der Stange. Spürbar ist, dass Fred diese Ovationen tief in sich aufnimmt. Viel mehr Emotionen gehen bei einem Open-Air nicht. Wen solche Momente noch kalt lassen, der sollte im Park übernachten.

Heute geht jeder an seine Grenzen. Aus „Mia & Keira (Days to Come)“ wird ein Partykracher mit hohem Tempo. Finn (Gitarre) und Luca (Bass) liefern sich ein Duell wie einstige Rockheroen, wenn sich die Gitarrenhälse kreuzten. Es sind Posen des Vergnügens mit einem Schuss Selbstironie. Beide spielen auf dem Steg mitten im Publikum. „Wir sind stolz auf Euch“ steht auf zahllosen Pappschildern (in Englisch), die Fans beim Song „Morning Blue“ gezückt haben. Das neue Stück passt wie „Bedroom Exile“ in die Setliste des Abends. Auch wenn der Song am Freitag offiziell veröffentlich wurde und auf 1Live im Radio zu hören war, kennen ihn bereits alle.

Das Interesse an der Musik der Giant Rooks wächst

Mit „Nightingales of The Walled City“ zünden die Rookies ihre Rhythmusrakete. Jonathan gibt das sphärische Volumen vor, Finn schafft einen flirrenden Sound mit den Becken, und das Publikum geht in die Hocke. Zu einem herrlichen Getöse springen alle auf und die Tanznummer nimmt wieder Fahrt auf.

Die Giant Rooks unterhalten. Es gibt Blumen von den Fans. Die Hände des Publikums wogen hin und her. Und die Band zeigt Jahr für Jahr, dass die Erwartungen, die in sie gesetzt werden, wieder getoppt werden. Auch 2023 wollen sie wieder in Dortmund spielen.

Welche junge Band ist besser aus der Corona-Pandemie gekommen als die Giant Rooks? Ob Live-Streaming-Konzert, Cover-Versionen („Life on Mars“), die „Rookery Live Tapes“ oder der weltweite Tiktok-Aufreger „Tom’s Diner“ mit AnnenMayKantereit, alle haben Zeichen gesetzt. Das Interesse an der oft episch anmutenden Musik der Giant Rooks, ihren Rhythmusstrategien, den reflektierten Texten und hymnischen Momenten wächst.

„We Shall be Released“ mit Mighty Oaks und Philine Sonny

Im Musikbusiness ist die Anerkennung für die Band gewachsen. Die Mighty Oaks spielten den Support im Westfalenpark. Ihre starken Gitarren und der folkige Sound kamen in Dortmund gut an. 2017 waren die Giant Rooks noch Vorgruppe für die Berliner Band bei einem Konzert in Bielefeld.

In Dortmund gingen beide Bands gemeinsam mit Philine Sonny („Lose Yourself“) – erster Support vor den Mighty Oaks – auf die Bühne und sangen „We Shall be Released“ von Bob Dylan und The Band. Der Coversong war am Mittag erst geprobt worden. Hymnisch und mit viel Herzenswärme wurde der Klassiker vorgetragen. Alle elf hakten sich unter und standen in einer Reihe. Das Gefühl, gemeinsam Musik zu machen und für die Musik zu leben, die man liebt, ist eine Botschaft dieses Konzerts.

Am Ende wird wieder getanzt. „Watershed“ ist ein wunderbarer Abschluss. Und die dämmrige Sommernacht hat etwas Magisches. Jeder ahnt, dass dies nach all den hunderten Konzerten, die die Rookies schon gespielt haben, doch ein Besonderes war.

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