Haustürgeschäfte 4.0: So kommen die Lebensmittel direkt nach Hause

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Rund einmal pro Woche bestellt der Stockumer Jan Albin (l.) bei food2go. Stroetmann-Mitarbeiter Winhold Schürmann bringt die Bestellungen zwischen 17 und 19 Uhr vorbei. Bezahlt wird bar an der Haustür.

Werne - Kleidung, Bücher und andere Artikel online zu bestellen, ist für die meisten Menschen mittlerweile Alltag. Der Einkauf von Lebensmitteln über das Internet steht hingegen noch in den Startlöchern.

Statt langer Schlange an der Supermarktkasse bequemes Bestellen auf Knopfdruck. Seit knapp neun Monaten bietet das Handelsunternehmen Stroetmann diesen Service auch in Werne an. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten hat sich der Großhändler für Lebensmittel einen festen Kundenstamm aufgebaut. Rund 130 Straßen bedient die App „food2go“ momentan, Tendenz steigend.

4.500 Produkte, alle nur einen Knopfdruck entfernt. Die App für Android oder IOS herunterladen, registrieren und schon stöbern Kunden durch die Online-Regale. Mit sieben Straßen sind die Mitarbeiter gestartet, mittlerweile können Bewohner aus 129 Straßen auf den Service zugreifen. „Unser Angebot richten wir auf die Nachfrage aus“, so Stroetmann-Mitarbeiter Winhold Schürmann. Fast alle Lebensmittel, die Stroetmann vertreibt, finden sich bei food2go. „Viele Profi-Produkte dabei, die der Supermarkt vielleicht gar nicht anbietet“, sagt Schürmann. Von Tiefkühlkost, über Frischgemüse bis zu Getränken. „Unser Sortiment ist zwar äquivalent, der Supermarkt bietet allerdings mehr unterschiedliche Marken an“, so Schürmann.

Wer morgens bis 10 Uhr bestellt, bekommt seine Lieferung noch am gleichen Tag zugestellt. Alles versandkostenfrei. Zwischen 17 und 19 Uhr bringt Schürmann die Waren dem Kunden bis vor die Haustür. „Kühlwaren bringen wir auch wirklich gekühlt vorbei und unser Obst und Gemüse ist immer frisch“, sagt Schürmann. Einen Mindestbestellwert gibt es nicht. „Auch wenn es kaum jemand macht, es ist auch möglich, nur eine Packung Käse zukaufen“, so Schürmann und lacht. Gezahlt wird per PayPal, per Bankverbindung oder in Bar an der Haustür. „Bar zahlen zu können, haben sich sehr viele Kunden gewünscht“, weiß Schürmann.

Zehn bis 20 Kunden bedient Schürmann täglich. Ganz unter- schiedliche Typen: Senioren, Studenten, Familien: „Alle wollen einfach und schnell ein- kaufen.“ Viele Menschen seien oft unterwegs, müssten lang arbeiten. Das einkaufen sei eher ein lästiges Übel. Allerdings weist Schürmann darauf hin: „Wir wollen keine Konkurrenz sein zu den großen Discountern. Stattdessen verstehen wir uns als Zusatzangebot.“

Doch rechnet sich das? Die aufwendige Belieferung einzelner Haushalte ist „wirtschaftlich schwierig“, gibt Schürmann zu. „Das ist ein zukunftsweisendes Projekt. Noch sind wir in der Testphase“, erklärt er. Es gehe vorerst darum, Erfahrungen zu sammeln und erst auf längere Sicht um wirtschaftlichen Erfolg. Zu Beginn des Projekts sahen viele Werner Bürger den Lieferservice kritisch. „Das Vertrauen fehlte, es war Verunsicherung vorhanden“, erklärt Schürmann. Sind die Waren frisch? Sind die Preise gleich? Verdrängt der Lieferdienst unser normales Einkaufen? „Besonders in den Sozialen Medien war die Kritik groß und oftmals nicht besonders konstruktiv“, erinnert sich Schürmann und weiter: „Es hieß wir machen den Einzelhandel kaputt.“ Dies hat sich geändert. Viele Kunden berichten online von ihren positiven Erfahrungen.

„Ein Lob an Stroetmann und sein food2go-Konzept“, heißt es etwa in der Gruppe „Was in Werne passiert“ auf Facebook. „Das freut uns sehr“, so Schürmann. Es sei schön, dass sich Menschen vom Projekt überzeugen lassen. „Wir bekommen viel Feedback.“

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