Auch NRW betroffen

Großrazzien in der Fleischindustrie: Verdacht der illegalen Einschleusung

Schweine in einem Stall in Kirchlinteln in Niedersachsen im September 2020.
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Die Bundespolizei führt Großrazzien in der Fleischbranche durch (Symbolbild).

Tönnies und Westfleisch: Spätestens seit der Corona-Pandemie ist die Leiharbeit in der Fleischindustrie deutschlandweit im Fokus der Öffentlichkeit - nicht zuletzt auch in NRW. Ermittlungsbehörden führen jetzt eine Großaktion wegen des Verdachts der illegalen Einschleusung durch.

Weißenfels/Hannover - Schon in den frühen Morgenstunden hat die Bundespolizei damit begonnen, in fünf Bundesländern Durchsuchungen im Zusammenhang mit der illegalen Einschleusung von Arbeitskräften für die Fleischindustrie durchzuführen. Etwa 800 Beamte seien schwerpunktmäßig in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen im Einsatz, sagte ein Sprecher der Bundespolizei Mitteldeutschland am Mittwochmorgen. Weitere Aber auch in NRW, Berlin und Sachsen gibt es Durchsungen.

Mehr als 40 Wohn- und Geschäftsräume werden nach Angaben der Bundespolizei durchsucht. Die beschuldigten Firmen sollen Menschen aus Osteuropa mit gefälschten oder verfälschten Dokumenten nach Deutschland geholt haben. Seit April 2020 führe eine Sonderkommission Ermittlungen dazu durch, berichtet dpa. Zuständig seien die Staatsanwaltschaft Halle sowie deren Zweigstelle in Naumburg.

Großrazzia in der Fleischbranche: Polizei ermittelt wegen illegaler Einschleusung

Die Ermittlungen richten sich laut Bundespolizei gegen 10 Hauptbeschuldigte im Alter von 41 bis 56 Jahren. Darunter sind acht Männer und zwei Frauen. Es gehe um den Vorwurf der banden- und gewerbsmäßigen Einschleusung und der Urkundenfälschung. Beschuldigt sind zwei Firmen, die unabhängig voneinander, aber nach demselben Muster vorgehen sollen. Sie sollen hauptsächlich rumänische Menschen mit falschen Dokumenten nach Deutschland geholt haben. Sie hätten sie hier bei Behördengängen unterstützt, ihnen Unterkünfte und Transport organisiert, diese Leistungen aber auch vom Lohn abgezogen. Die Ermittler haben nach den Angaben Werte in Höhe von 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt. Den illegal eingereisten Leiharbeitern drohe die Ausweisung aus Deutschland.

Nach gehäuften Corona-Infektionen in Fleischbetrieben waren die Arbeitsbedingungen in der Branche und die Unterbringung ausländischer Beschäftigter erneut in den Fokus gerückt. Das hat eine bundesweite Debatte über die Arbeitsbedingungen in der Branche ausgelöst. In NRW hat besonders der Fleischbetrieb Tönnies in Rheda-Wiedenbrück Aufsehen erregt: Die Debatte endete sogar in einem Verbot von Werkverträgen und Leiharbeit in großen Schlachthöfen. Seit Mitte Juli hat die Schlachterei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück wieder den Betrieb aufgenommen.

Großrazzia bei Schlachthöfen: Feischbranche im Fokus der Öffentlichkeit

Am 10. September hat der Bundestag das sogenannte Arbeitsschutzkontrollgesetz in erster Lesung behandelt. Es sieht vor, dass Kerntätigkeiten in der Fleischwirtschaft wie Schlachten, Zerlegen und Verarbeiten künftig nicht mehr von betriebsfremden Beschäftigten ausgeführt werden dürfen. Werkverträge und Leiharbeit sollen in der Branche von 2021 an verboten sein.

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