Versehentlich ausgelöst

Großeinsatz der Polizei in Bergkamen: Amoklauf-Fehlalarm mit Folgen

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Bergkamen - Im Fall der Fälle geht das Konzept auf. Zumindest diese Erkenntnis lässt sich aus dem Großeinsatz am Donnerstagvormittag von Polizei und Rettungskräften ziehen. Bei der Polizei war um 10.22 Uhr der Alarm „Gefahr einer Amoktat“ in der Freiherr-vom-Stein-Realschule eingegangen.

Eine tatsächliche Gefahr gab es allerdings nicht. Nach bisherigen Erkenntnissen wurde der Alarm versehentlich von einer Lehrerin per Mobiltelefon ausgelöst. 

Nichtsdestotrotz setzte die Alarmierung eine ganze Maschinerie in Gang – und das sorgte für Aufsehen und Aufregung. Sofort nach der Alarmierung eilten die ersten örtlichen Kräfte zur Hochstraße, um mit der Durchsuchung des Gebäudes zu beginnen und „Licht ins Dunkel“ zu bringen, wie Polizeisprecherin Ute Hellmann es bezeichnete. 

„Das ist inzwischen Teil unseres Konzepts, dass wir mit den eigenen Kräften arbeiten und nicht auf die Leute anderer Dienststellen warten, um so schnell wie möglich vor Ort sein zu können.“ 

Falschmeldungen bei Facebook

Weil inzwischen aber auch alle Streifenwagen-Besatzungen mit sogenannten ballistischen Helmen ausgestattet sind, die die Beamten bestmöglich schützen sollen, sahen sie für Laien wie Spezialkräfte aus. 

Amok-Fehlalarm an Freiherr-vom-Stein-Realschule Bergkamen

„Aber es war weder ein SEK noch ein MEK vor Ort, das waren wirklich nur wir“, widersprach Hellmann Meldungen, dass Sonder- beziehungsweise Mobile Einsatzkommandos vor Ort gewesen sein sollen. Mit Fehlmeldungen hatte die Polizei ohnehin zu kämpfen. „Bei Facebook kursierte schnell der größte Mist“, sagte Hellmann.

Der Polizei selbst sei schnell klar geworden, dass es sich nicht um einen Ernstfall handeln würde. 

Notfallseelsorger sprechen mit Schülern 

„Die ersten Kollegen meldeten, dass alles ganz still und ruhig sei, es wären keine Geräusche aus der Schule zu hören. Im Ernstfall wäre das mit Sicherheit ganz anders.“ Dennoch durchsuchte die Polizei in Teams die Schule, bis sie über das Presseportal, Twitter und den eigenen Facebook-Account Entwarnung gab. 

Da hatte das Aufgebot an Polizeiwagen und Rettungskräften aber bereits für Aufsehen gesorgt, und auch die im Internet kursierenden Gerüchte zogen zahlreiche besorgte Eltern an die Schule. 

Eltern warten im Schnee auf ihre Kinder

Der Bürgersteig gegenüber der Schule war schwarz vor Menschen, die im Schneetreiben ausharrten und darauf warteten, dass ihre Kinder die Schule verlassen durften. Die wurden in ihren Klassen zunächst von Notfallseelsorgern betreut. 

„Solch ein Alarm kann durchaus für Aufregung sorgen“, erklärte Hellmann, weshalb es gut sei, dass geschulte Leute das Gespräch mit Jugendlichen und Lehrern suchen würden. Auch das DRK war vor Ort, um die Schüler in Augenschein zu nehmen. 

Warum der Alarm versehentlich ausgelöst wurde, bleibt noch unklar

Das stellte die Eltern zwar auf eine harte Geduldsprobe, und teilweise machten sie ihrem Ärger auch Luft, doch an der Sache änderte das nichts. Warum der Alarm versehentlich von einer Lehrerin per Mobiltelefon ausgelöst wurde, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Polizei dauern an. Um den Alarm abzusetzen, müssen Lehrer einen Zahlencode eingeben.

So geht es weiter

Erleichterung über den glimpflichen Ausgang zeigte Beigeordnete Christine Busch für die Stadt Bergkamen, der Schulträgerin. Bei einer gemeinsamen Nachbesprechung vor Ort sei deutlich geworden, dass die Gesamtstrategie gut sei. „Die Meldekette lief außerordentlich gut und alles verlief zeitnah“, fasste Busch zusammen. 

Dennoch werde es zeitnah nochmals ein Treffen von Polizei, Opferschutz, Schulpsychologischem Dienst, Lehrern und dem Schulträger geben, bei dem der Ablauf nochmals reflektiert werden soll. Was haben wir daraus gelernt? Woran muss man öfter mal erinnern? Das sollten Fragen sein, die besprochen werden. 

Lob für die Schüler

Lob ernteten vor allem die Schüler: „Die haben sich überwiegend diszipliniert verhalten und in Ruhe abgewartet, bis es weitere Aufforderungen gab“, sagte Busch. „Ich habe noch mit dem Leiter des Rettungsdienstes gesprochen, aber kein Schüler ist kollabiert, niemand benötigte eine besondere Betreuung. Von der ganz natürlichen Anspannung und der nervösen Blase über der Schule einmal abgesehen, gab es keine Auffälligkeiten.“ 

Glücklich nannte Busch auch den Umstand, dass wegen der geplanten Verabschiedung einer Lehrerin ohnehin für alle Schüler um 12.30 Uhr hätte Schulschluss sein sollen und so alle Schüler nach Hause beziehungsweise in eine Betreuung entlassen werden konnten. „Wir wussten daher alle Jugendlichen versorgt.“ 

Nichtsdestotrotz blieb der Schulpsychologische Dienst als Ansprechpartner an der Schule und wird auch in den nächsten Tagen noch für Gespräche bereitstehen. „Was die Schule darüber hinaus selbst organisiert, entzieht sich der Kenntnis des Schulträgers.“

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