Die Ghosthunter NRW auf Geisterjagd in Bergkamen

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Die Geisterjäger aus dem Rheinland mit ihrer Kundin Melanie Luft aus Bergkamen-Rünthe (Mitte): Teamleiterin Melanie Schindler, Jörg Berwe, Frauke Kreutzer, Mario Colio und Irene Becker (von links).

Bergkamen - Melanie Luft hat Angst. In ihrem Zuhause bellen die Hunde nachts Unsichtbares an, die Kinder hören Schritte aus leeren Zimmern, wenn Luft schläft, scheint ein blondes Geister-Mädchen ihre Hand zu halten. Alles Phänomene, die sich die Bergkamerin nicht mehr natürlich erklären kann. Sie sucht Hilfe bei Profis – bei den Ghosthuntern NRW. 

Geistererscheinungen sind eine Glaubensfrage. Melanie Luft glaubt durchaus daran. Okkulte Praktiken seien ihr „bereits in die Wiege gelegt worden“, erklärt sie. 

Die 41-Jährige verdient ihren Lebensunterhalt als professionelle Kartenlegerin. In den Karten sehe sie, „Bergkamen’s Orakel“, die Gegenwart und Zukunft ihrer Kunden. Dementsprechend ist sie Geister-affin und offen gegenüber den Praktiken der herbeigerufenen Ghosthunter, die ihre Hilfe von Euskirchen aus in ganz NRW anbieten. 

Wer sind die Ghosthunter NRW?

Seit 2010 sind die Ghosthunter in Nordrhein-Westfalen tätig. Sie bieten ihren Kunden vor Ort an, „paranormalen Ereignissen auf den Grund zu gehen“. 

Die Geisterjäger im Einsatz in Bergkamen. Sie durchsuchen jeden Raum und suchen Erklärungen für rätselhafte Phänomene. Nicht selten sind ihre Antworten ganz rational.

Teamleiterin Melanie Schindler wird von den Ermittlern Jörg Berwe (Foto- und Videoauswertung), Irene Becker (kann Anomalien auf Fotos festhalten), Markus Lenz (erlebte als Kind lange Zeit Spukerscheinungen), Melanie Manitta, Mario Colio (ist medial und kann Wesenheiten spüren) und Frauke Kreutzer (träumt häufig hilfreich und hat Eingebungen) unterstützt. 

„Wir nehmen kein Geld, sondern machen das aus voller Überzeugung und aus Forscherdrang“, sagt Schindler. Sechs Monate könne es dauern, bis ein Termin bei den Ghosthuntern NRW verfügbar ist. „Eigentlich könnten wir durcharbeiten.“

Auf der Suche nach rationalen Erklärungen

Über ihre Alltagsjobs reden die Ghosthunter nicht, über die Geisterjagd hingegen sehr gerne. Und diese beginnt oft ganz nüchtern. „Wir suchen zunächst nach rationalen Erklärungen“, sagt Melanie Schindler. 

Plötzliche Luftzüge erklärten sich oft mit unzureichenden Dämmungen, Schritte und Stimmen könnten von den Nachbarn stammen. Viele ihrer Klienten fürchteten sich nicht nur vor Geistern, viel mehr Sorge bereitete ihnen der Spott aus ihrem Umfeld. „Natürlich wird das Thema von vielen belächelt“, sagt Schindler. 

Skepsis gegenüber den Ghosthuntern

Auch Andreas Luft, der Mann der von rätselhaften Phänomenen heimgesuchten Bergkamenerin, war als sehr rationaler Mensch eher skeptisch gegenüber den Geisterjägern, die mit einem Fünf-Mann-Team aus Euskirchen angereist kamen. Und das, wie bei all ihren Einsätzen, nachts. 

Die Ghosthunter NRW arbeiten grundsätzlich in der Nacht. Nicht, weil es dann besonders gruselig wirke, sondern weil die alltägliche Geräuschkulisse zu dieser Zeit einfach geringer sei, wie Teamleiterin Schindler erklärt. Außerdem könnten sie sich so besser in die Situation ihrer Kunden hineinversetzen. 

Spurensuche nach Paranormalem ist technikintensiv 

Drei der sieben Mitgliederseien „medial“ veranlagt, erklärt Teamleiterin Schindler, sie selbst sei es nicht. Die Medien träten mit den Geistern direkt in Kontakt. Sie erlebten die Geister wie Erinnerungen, die ihnen plötzlich durch den Kopf gehen. „Geister existieren direkt neben uns, nur auf einer anderen Ebene“, erklärt Schindler. 

Die eigentliche Geisterjagd ist technik-intensiv: Mehrere Stunden verbringen die Ghosthunter in den Zimmern der Klienten, messen die elektromagnetische Strahlung, installieren Video- und Wärmebildkameras und nehmen Geräusche über Diktiergeräte auf. Jede Abweichung vom Gewöhnlichen werde in den Aufnahmen kommentiert. 

Um mit den Geistern Kontakt aufzunehmen, sprächen sie in den Raum hinein. Oft fänden sie die Antworten der Geister erst bei der Auswertung. Die Geister manifestierten sich dann in kreisrunden Lichtreflexen auf den Fotos, verzerrten Stimmen auf den Tonbändern und plötzlichen Ausschlägen auf dem Strahlungsmesser. 

Unerklärliches auch für Profi-Geisterjäger

Manchmal passiere auch direkt vor Ort etwas Unerklärliches. 2015 in Voerde etwa wurde Schindler plötzlich im Garten von etwas am Rücken getroffen, auf ihrer Jacke blieb ein Lehmabdruck zurück. 

Niemand habe einen Werfer gesehen, sagt Schindler. Auch auf den Aufnahmen sei keine Person auffindbar gewesen. Doch auf einer Tonbandaufnahme habe eine Stimme kurz vor der Tat „Wirf ihn weg!“ gerufen. Noch drei Jahre später ist die 41-Jährige aufgeregt, wenn sie über das Erlebnis spricht. 

Aber was für Wesen glauben die Geisterjäger eigentlich zu finden? Schindler ist davon überzeugt, dass nach dem Tod die Seele oder der Geist eines Menschen noch vorhanden seien und dass manchen Verstorbenen das Loslösen von der Welt schwer falle, weil sie noch etwas sagen wollen. „Der Schleier zwischen Dies- und Jenseits ist dünn“, sagt sie. 

Zwölf Stunden suchen sie nach Geistern 

Für Geister gebe es so viele Indizien, sagt Schindler – Videos, Fotografien und Tonaufnahmen –, doch beweisen könne man die Existenz der Geister letztlich nicht. 

Auch in Bergkamen nicht. Volle zwölf Stunden waren die Geisterjäger in Lufts Zuhause aktiv, sonst brauchen sie durchschnittlich etwa fünf. Sie untersuchten das Elternschlafzimmer, in dem Melanie Luft das kleine Mädchen erschien und befragten ihre verängstigte Kundin auf ihrem Bett. 

Besonders viel Zeit verwendeten die Ghosthunter für die Schlafzimmer der dreizehn- und elfjährigen Töchter. Die allgemeine Unruhe von Tieren und Kindern erkläre sich durch die elektromagnetische Strahlung, die sie mit einem Strahlenmessgerät festgestellt hätten. 

Mission: Angst nehmen

Eines der Medien aus dem Team gibt tatsächlich an, das kleine blonde Geister-Mädchen wahrgenommen zu haben, doch nur kurz. Etwas anderes können die Geisterjäger nicht feststellen. Auch in ihren Aufzeichnungen erscheint nichts. 

Und was bleibt am Ende für ihre Kundin? Erleichterung, das macht Melanie Luft deutlich. Die Geisterjäger konnten ihre Kundin in Bergkamen beruhigen, ihr ihre Ängste nehmen. Einfach, indem sie sie ernst nahmen. Das reicht mitunter schon, um Geister zu vertreiben.

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