Fußballer vom SV Welver

Auf dem Weg von Frau zu Mann - doch darf Fußballer Jannis noch bei den Damen spielen?

Jannis Grabsch geht nicht zuletzt auf Empfehlung seines Trainers Michael Coerdt sehr offen mit seiner Geschichte um.
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Jannis Grabsch geht nicht zuletzt auf Empfehlung seines Trainers Michael Coerdt sehr offen mit seiner Geschichte um.

Jannis hieß früher Rebecca. In der Pubertät wandelte sich aber das Leben der Jugendlichen. Sie fühlte sich nicht mehr wohl in ihrem Körper - und wurde von einer Frau zum Mann. Die Reaktion aus dem Umfeld? Durchweg positiv. Jannis Trainer beim SV Welver ermutigt ihn, offen mit der seiner Geschichte umzugehen. Ob er jedoch weiter in seiner alten Damenmannschaft spielen kann, ist noch nicht klar.

Welver - Als Rebecca Grabsch noch zur Grundschule in Welver gegangen ist, war ihr Werdegang nicht vorgezeichnet. Sie war ein Mädchen wie viele andere, sehr sportlich unterwegs, ging zur Leichtathletik bei der DJK Grün-Weiß Werl. „Vor allem Hochsprung hat mir Spaß gemacht.“ Doch nachdem sie zum Marien-Gymnasium in Werl gewechselt war, merkte sie mit einsetzender Pubertät: „Ich stehe auf Frauen.“ Die einsetzende Periode war für sie ein Schock-Erlebnis, Rebecca fühlte sich in ihrem Körper nicht mehr wohl.

Fortan lieh sie sich schon mal Klamotten aus dem Kleiderschrank ihres ein Jahr älteren Bruders aus, ging beim Einkaufen in die Männerabteilung. Mit Frauenkleidung konnte sie gar nichts anfangen. „Mit 17 habe ich mir die Haare abschneiden lassen“, ließ sie sich eine Jungen-Frisur verpassen. „Dann habe ich mit meinem besten Freund lange Gespräche geführt, der in einer ähnlichen Situation war“, schildert Jannis Grabsch, wie er die ersten Weichenstellungen zu einer Geschlechtsumwandlung vorgenommen hat.

Jannis Weg von einer Frau zum Mann: Rückendeckung von Familie und Freunden

Im Umfeld waren die Reaktion durchweg positiv, auch als der Plan konkreter wurde, von Frau zum Mann zu werden. „Ich lege viel Wert auf die Meinung anderer Menschen über mich“, war die damalige Rebecca heilfroh, dass sie sowohl in der Familie als auch bei ihrem Chef auf der Arbeit – Jannis arbeitet als Fachkraft in der Lager-Logistik – volle Rückendeckung erfuhr. „Jetzt bin auf dem besten Weg, ein glücklicher Mensch zu werden“, blickt er nach der Namensänderung im Juni voller Zuversicht in die Zukunft.

Seit Juni 2019 läuft die Therapie, zunächst in Form intensiver Gespräche. Seit Januar werden alle zwei Wochen männliche Hormone (Testosteron) in Spritzenform verabreicht. Seither ist die Stimme tiefer geworden, der Wuchs der Körperbehaarung hat eingesetzt. Der Muskel-Fettanteil ist im Wandel, Schulter und Hüfte werden oder sind schon männlicher.

Für das Jahr 2021 hat Jannis Grabsch den ersten operativen Eingriff geplant, die Entfernung der weiblichen Brust. „Ich habe zwar Angst vor der Narkose, doch die Vorfreude überwiegt“, kann er es kaum erwarten. Wann die noch weiter reichenden Eingriffe im Genitalbereich vollzogen werden, ist noch nicht absehbar. „Ich hoffe, dass in drei bis vier Jahren alles überstanden ist“, so der Fußballer.

Als Mann in einer Damenmannschaft spielen? Ausnahmegenehmigung beantragt

Derweil würde Jannis Grabsch gern weiter seinem Hobby frönen und beim SV Welver das runde Leder jagen. Allerdings in der Damenmannschaft, der er seit fünf Jahren angehört. Seit im Pass aber nicht mehr Rebecca steht, sondern der männliche Vorname, wird er auch als Mann beim Verband geführt. Und demnach darf er nur noch bei den Herren kicken. Nun läuft der Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung. Die gegnerischen Vereine in der Damen-Kreisliga sind gefragt worden, ob sie einverstanden sind, dass Jannis noch in der Welveraner Frauenmannschaft mitspielen darf.

Noch in dieser Woche muss eine Entscheidung fallen, denn am 20. September steht für die Damen des SVW das erste Saisonspiel an.

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