Neue Corona-Regeln:

Gastronomie im Lockdown - das gilt für Cafés und Restaurants im Dezember und zu Weihnachten

Der Gastronomie in NRW befindet sich seit Anfang November im Corona-Lockdown. Jetzt gibt es neue Regeln - aber für Restaurants, Cafés, Kneipen und Bars kaum Hoffnung.

Update vom 26. November, 16.28 Uhr: Auf dem Corona-Gipfel von Bund und Ländern sind die Maßnahmen des Lockdowns bis zum 20. Dezember verlängert worden. Damit bleibt auch die Gastronomie geschlossen. Ministerpräsident Armin Laschet hat diese Regel für NRW noch weiter verschärft. Auch an Silvester und Weihnachten wird es keine geöffneten Bars und Restaurants geben, sagte er am Donnerstag in seiner Rede vor dem NRW-Landtag. (News zum Coronavirus)

BundeslandNordrhein-Westfalen (NRW)
Einwohner17,93 Millionen (Stand 2019)
HauptstadtDüsseldorf

Hamm - Es ist ein harter Schlag für die Gastronomie: Wegen der Ausbreitung des Coronavirus werden Restaurants, Cafés, Bars, Clubs, Diskotheken und Kneipen erneut geschlossen.

Den Lockdown, auch für viele andere Bereiche, haben Bund und Länder am Mittwoch beschlossen. Es gelten wie im Frühjahr harte Regeln - natürlich auch in NRW, wie Ministerpräsident Armin Laschet am Donnerstag, 28. Oktober, ausführte.

Corona-Lockdown für Gastronomie: Harte Maßnahmen und Regeln - was noch erlaubt ist

Gastronomen dürfen in ihren Räumen keine Gäste mehr empfangen. Wer Hunger und Durst hat, soll aber auch in NRW trotzdem in der Gastronomie an Speisen und Getränke kommen - sofern der Wirt ein solches Angebot aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt noch vorhalten kann. Doch was ist ab Montag, 2. November, denn überhaupt noch erlaubt, welche Regeln gelten? Die Antwort ist einfach: Erlaubt sind im Corona-Lockdown weiterhin:

  • Lieferdienste: Wenn das Liefertaxi Pizza, Nudeln oder andere Speisen bringt, und bei der Übergabe die Corona-Abstandsregeln zwischen Lieferant und Kunde eingehalten werden, dann ist das erlaubt.
  • Essen zum Mitnehmen für den Verzehr zu Hause: Viele Gastronomen hatten es schon während des ersten Corona-Lockdowns so gehandhabt. Auch dieses Mal dürfen sie einen Außer-Haus-Verkauf anbieten.
  • Der Betrieb von Kantinen: Wer etwa in seinem Arbeitsalltag zum Mittagessen in eine Kantine geht, hat Glück. Das soll auch in Corona-Zeiten weiterhin möglich sein.

Gastronomie-Lockdown wegen Corona: Wirte sind frustriert von Maßnahmen und Regeln

Das Dramatische für viele Betriebe auch in NRW: Es ist in diesem Jahr nicht der erste harte Schlag, denn die Gastronomie-Branche war schon in der ersten Hochphase der Corona-Krise im Frühjahr besonders hart von den Einschränkungen und Regeln im Lockdown betroffen. Zunächst mussten Restaurants, Cafés, Kneipen und ähnliche Betriebe vollständig schließen. Im Sommer durften sie dann nur unter strengen Auflagen öffnen. Dazu gehörten etwa Listen für die Kontaktnachverfolgung und Abstandsregelungen.

Die Gastronomie ist angesichts des erneuten Corona-Lockdowns frustriert und hat wenig Verständnis: „Viele Unternehmer der Hotellerie und Gastronomie schwanken zwischen Wut und Verzweiflung“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Verbandes „Die Familienunternehmer“, Albrecht von der Hagen.

Gastronomie wegen Corona-Lockdown: „Wir sind frustriert“

Beispielsweise der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga Westfalen brachte es am Donnerstag mit einem Facebook-Post auf den Punkt: „Wir sind frustriert“.

Und auch, warum der Lockdown-Frust - auch in NRW - so tief sitzt, geht aus dem Post hervor: „Die neuen Corona-Beschlüsse mit Schließungen in der Gastronomie und Übernachtungsverboten für Privatreisende treffen wieder mal die Falschen. Gastronomen und Hoteliers haben sich für den besten Schutz ihrer Gäste besonders reingehängt. Und es hat funktioniert. Mit Sicherheit gut ausgehen und schlafen konnte man am besten bei den Profis. Trotzdem gibt es die drastischen Verschärfungen.“

Wie konkrete Nachfragen in Gastronomien in NRW ergeben haben, ist es nicht nur blanke Verzweiflung, sondern auch Enttäuschung, die sich etwa bei Gastronomen in Soest und Werl breitmacht.

Gastronomie-Lockdown: Vielen Restaurants, Cafés und Kneipen droht das Aus

Dehoga-Hauptgeschäftsführerin Ingrid Hartges warnte vor dem Corona bedingten Aus für zahlreiche Gastronomie-Betriebe. „Durch den zweiten Lockdown wird ein Drittel der 245.000 Betriebe den Winter nicht überstehen. Ohne umfassende Entschädigungshilfe droht ihnen die Pleite“, sagte sie den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Viele Unternehmen zögen bereits eine Klage in Betracht. Unterstützung dafür kam von Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP). Er sagte der Rheinischen Post: „Ich rufe alle Betroffenen auf, rechtliche Mittel gegen diese Maßnahmen einzulegen.“

Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes „Die Familienunternehmer“, Albrecht von der Hagen, sagte, der Shutdown dürfe nicht zum Knockdown werden. Wenn der Staat beschließe, dass Betriebe wegen Corona geschlossen würden, müsse er auch für die wirtschaftlichen Folgen Verantwortung tragen und Entschädigungen zahlen. „Ansonsten beginnt der Kahlschlag ganzer Branchen.“

Lockdown der Gastronomie in NRW: Finanzhilfen für Lohneinbußen der Beschäftigten in Corona-Kurzarbeit

Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten forderte eine stärkere finanzielle Unterstützung der Beschäftigten der Gastronomie und Hotellerie, die jetzt in die Kurzarbeit müssen.

„Die angekündigten Finanzhilfen von zehn Milliarden Euro für November sollte auch dafür genutzt werden, die Lohneinbußen der Beschäftigten auszugleichen, die in Kurzarbeit geschickt werden“, sagte der NGG-Vorsitzende Guido Zeitler den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Der Rheinischen Post sagte er: „Für viele Betriebe im Gastgewerbe kommt der neuerliche Corona-Lockdown ohne schnelle und massive Hilfe einem Todesstoß gleich.“

Corona-Lockdown: Pleitewelle der Gastronomie - Stand jetzt sind 8300 Gaststätten gefährdet

Die Wirtschaftsauskunftei Crif Bürgel warnt angesichts der Corona-Krise vor einer Pleitewelle in der Gastronomie. Stand Ende Oktober seien mehr als 8300 Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés in Deutschland insolvenzgefährdet, heißt es in einer Analyse von Donnerstag, 28. Oktober, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das seien 14,5 Prozent der untersuchten Betriebe.

Ein Bild mit viel Symbolkraft, das viele in der Gastronomie an den Rand der Verzweiflung treiben dürfte: hochgestellte Stühle. Der Corona-Lockdown bringt - wie im Frühjahr - Schließungen von Restaurants, Cafés und Co. mit sich.

Die Situation vieler Restaurants, Gaststätten, Imbisse und Cafés dürfte sich noch deutlich verschlimmern, schätzt Crif Bürgel. „Im 1. Quartal 2021 könnte jedes fünfte Unternehmen aus der Gastronomie insolvenzgefährdet sein“, sagte Geschäftsführer Frank Schlein.

Gastronomie-Lockdown: Ärger über harte Corona-Regeln und Maßnahmen bei den Wirten

Was die Gastronomie-Branche besonders verärgert, ist, dass nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts die Restaurants, Cafés und Bars nicht die Treiber der Corona-Pandemie sind, aber unter solch harten Lockdown-Regeln zu leiden haben. Gerade deshalb stößt die Schließung bei ihnen auf Unverständnis.

Vom RKI heißt es, dass derzeit viele der Fälle, für die der Ursprung der Ansteckung bekannt ist, auf private Treffen und Gruppenveranstaltungen zurückgehen. Die Angaben zum Infektionsumfeld von Ausbrüchen seien allerdings mit Zurückhaltung zu interpretieren.

Ein wichtiger Punkt: Nur für einen Bruchteil der Fälle lässt sich nachvollziehen, wo die Corona-Ansteckung wahrscheinlich stattfand. Das ist eher möglich für ein begrenztes Umfeld - wie einer Familie oder eine Feier - als zum Beispiel beim Aufenthalt in von vielen Menschen genutzten Räumen wie etwa Bars. Diese Argumente brachte am Mittwoch auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hervor und begründete so den Lockdown auch der Gastronomie.

Gastronomie im Corona-Lockdown: Bundeskanzlerin verteidigt harte Regeln

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die drastischen Einschnitte gegen eine unkontrollierte Ausbreitung des Corona-Erregers in Deutschland als nötig verteidigt. „Die Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, sind geeignet, erforderlich und verhältnismäßig“, sagte Merkel am Donnerstag in einer Regierungserklärung im Bundestag. „Ich will es klar sagen: Ich verstehe die Frustration, ja die Verzweiflung gerade in diesen Bereichen“, sagte sie mit Blick auf Kritik am Lockdown etwa aus der Gastronomie.

Gastwirte und Hoteliers sind nicht die einzigen, die mit dem erneuten Corona-Lockdown klarkommen müssen. Auch die Schausteller trifft es hart. So sind am Donnerstag, 29. November, die Weihnachtsmärkte in Hamm und Dortmund abgesagt worden.

Und immer mehr NRW-Städte sehen keinen anderen Ausweg mehr, als ihre Weihnachtsmärkte abzusagen. Fitnessstudios müssen ebenfalls schließen - auch deren Betreiber leiden wirtschaftlich unter massiven Einbußen. Die schlimmste Sorge der Betreiber von Tattoo- und Kosmetiksstudios ist ebenfalls wahr geworden - die erneute Schließung.

Rubriklistenbild: © Hauke-Christian Dittrich/dpa

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