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Weg vom Gas: Heiztechnik wechseln - so klappt es am besten

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Von: Alexander Schäfer

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Der Ukraine-Krieg beschleunigt den Trend: Wer mit Gas heizt, muss mit höheren Kosten rechnen. Wie kommt man aus seinem Vertrag raus? Tipps für den Wechsel.

Hamm – Das Heizen mit Gas hat aus ökonomischer und ökologischer Sicht keine Zukunft. Mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine, der auch Benzin und Diesel immer teurer macht*, steht der fossile Brennstoff nun auch geopolitisch im Abseits. Wie komme ich also weg vom Gas? Der Energieberater Hubertus Pieper aus Ahlen (Nordrhein-Westfalen) und der Fachverband Sanitär Heizung Klima NRW haben die Fragen von wa.de* zum Thema beantwortet.

Weg vom Gas: Wie Sie am besten die Heiztechnik wechseln können

Mit wem nehme ich Kontakt auf, wenn ich meine Gasheizung loswerden will?

Wer seine Gastherme ersetzen möchte, der wendet sich am besten an seinen Sanitär- und Heizungsfachbetrieb. Wer keinen an der Hand hat, wird im Internet unter www.fachbetrieb-shk.de fündig. Die hier gelisteten Betriebe sind zugelassen, um an Gasanschlüssen zu arbeiten. Das darf nämlich nicht jeder. Zudem: Die Energieberater der Verbraucherzentrale NRW schätzen den Zustand des Hauses und die Eignung verschiedener Heizsysteme ab.

Kann ich bisherige Heizkörper und Leitungen etc. nach der Umstellung weiter nutzen?

Sehr häufig ja. Das muss aber im Einzelfall berechnet und untersucht werden. Gegebenenfalls sind Umrüstungen, wie beispielsweise größere Heizkörper bei Wärmepumpen, notwendig. Ein anderer Ansatz ist: Erst dämmen, dann neue Heiztechnik.

Wer entsorgt die Altanlage?

Der beauftragte Heizungsfachbetrieb kümmert sich im Zuge der Demontage auch um die fachgerechte Entsorgung der Altanlage.

Wie viel Zeit muss man bei einer durchschnittlich großen Anlage einplanen für den gesamten Prozess: vom Wechsel-Entschluss bis zu dem Punkt, an dem die neue Heizung läuft?

Mindestens sechs, eher neun bis zwölf Monate. Letztlich hängt es stark davon ab, was im Einzelfall nach der individuellen Beratung tatsächlich geplant und umgesetzt wird. Aufgrund einer bereits hohen Nachfrage und vollen Auftragsbüchern müssen Eigentümer in NRW im Schnitt zwölf Wochen auf den Start ihres Heizungsprojektes warten. Sofern Immobilienbesitzer Fördergelder des Bundes in Anspruch nehmen wollen, sind auch Verfahren und Fristen zu beachten. Wichtig: Arbeiten dürfen erst dann beginnen, wenn der Bescheid über den Zuschuss für die Umstellung auf erneuerbare Energien vorliegt.

Alternative Heizart zum Gas: Verbraucher müssen mit hohen Kosten rechnen

Wie hoch sind die Planungs- und Einbaukosten für den Wechsel weg von Gas für einen durchschnittlichen Familienhaushalt?

Mit 20.000 bis 25.000 Euro muss man laut Hubertus Pieper rechnen – abzüglich staatlicher Förderung. Bei aufwendigen Techniksystemen könnten es auch 35.000 Euro werden. Das ist abhängig von der neu gewählten Heizart und der Immobilie. „Der Austausch einer veralteten Heizart oder die Modernisierung beziehungsweise Optimierung einer Heizungsanlage lohnen sich zu jedem Zeitpunkt“, sagt der Heizungsfachverband.

Ein Gaszähler zeigt den Verbrauch eines Mehrfamilienhauses an.
Weg vom Gas: Wie Sie am besten die Heiztechnik wechseln können © Marijan Murat/dpa

Weg vom Gas: Heizsystem wechseln - Staatliche Förderungen sind möglich

Wie hoch sind die möglichen staatlichen Förderungen?

Aktuell erhält man eine Bundes-Förderung von Einzelmaßnahmen mit maximal 35 Prozent auf die förderfähigen Kosten für eine Umstellung auf die Heizart Wärmepumpe oder Biomasse. Zusätzlich kann die Planungsleistung, beispielsweise des Fachbetriebes, nochmals um maximal fünf Prozent bezuschusst werden. Die Energieberatung durch die Verbraucherzentrale ist kostenlos.

Nach welcher Zeit haben sich die Ausgaben amortisiert?

Das ist abhängig von der neu gewählten Heizart und der Immobilie. „Heizungen halten nur eine bestimmte Zeit: Sicher 15 Jahre, aber nach 20 oder spätestens 25 Jahren können die Reparaturen recht teuer werden oder die Ersatzteile gehen aus“, sagt Hubertus Pieper. Schon daher müsse man als Besitzer handeln. Der 55-jährige Architekt ist seit fast 20 Jahren als Energieberater tätig. Ein Heizungstausch verringere den Energieverbrauch je nach Zustand um zehn bis 20 Prozent.

Einen deutlich sinkenden Verbrauch verspricht auch der Fachverband bei einer Umrüstung auf eine moderne Gas-Brennwerttherme mit Wärmerückgewinnung inklusive einer Warmwasserbereitung und einer unterstützenden solarthermischen Anlage beziehungsweise Fotovoltaik auf dem Dach. „Das spart langfristig Geld.“ Sicher ist: Der Klimaschutz, die politisch beschlossene CO2-Bepreisung und der Krieg in der Ukraine sind Faktoren, die die Energiepreise langfristig nach oben treiben werden. *wa.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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