An abfahrenden Wagen gehängt

Wegen Zigarette: ICE-Reisende bringt sich in Hamm in Lebensgefahr

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Symbolbild

[Update] Hamm - Durch grobe Nachlässigkeit und bemerkenswerte Unvorsichtigkeit hat sich eine 42-jährige Zugreisende im Hammer Bahnhof in eine lebensgefährliche Situation gebracht. Dabei rettete sie am Ende wohl nur ein besonders erfahrener Schutzengel.

Wie die Bundespolizei am Dienstag mitteilte, versuchte die Frau aus Berlin am Freitagnachmittag, 2. Juni, gegen 15.35 Uhr im Hammer Bahnhof noch in den bereits anfahrenden ICE 951 zu gelangen. Hierbei fiel sie ins Gleis und zog sich erhebliche Verletzungen zu.

Nach Zeugenaussagen hatte das Unfallopfer auf der Fahrt von Düsseldorf nach Berlin beim fahrplanmäßigen Halt des ICE im Hammer Bahnhof an Gleis 5 den Zug zum Rauchen verlassen und ihr Reisegepäck im Zugabteil (im Wagen 37) belassen. Als sich die Zugtüren schlossen und der Zug anfuhr, lief die Frau zunächst neben dem Zug her, hielt sich dann am Türgriff des Reisezugwagens - dem letzten vor dem hinteren Triebkopf - fest und sprang auf die Trittstufen der Einstiegstür. Ein Polizeisprecher: "Sie hat alle Möglichkeiten genutzt, die in dieser Situation noch da waren."

Durch die starke Zugbeschleunigung verlor sie nach rund 200 Metern den Halt und fiel unter den Zug in den Gleisbereich, wo sie letztlich mit starken Verletzungen an der rechten Hand liegen blieb.

"Sie hat riesengroßes Glück gehabt"

In dem stark beschleunigenden Zug selbst konnte niemand diese Situation mitbekommen. Weder der Lokführer, noch die Zugbegleiter noch Passagiere, wie Bundespolizeisprecher Wolfgang Amberge auf Nachfrage mitteilte. Gemeldet wurde der Vorfall zum Glück von Zeugen, die auf dem Bahnsteig standen und der Aktion ungläubig hinterher schauten. Den ICE-Verantwortlichen im Zug war zuvor im Bahnhof das ordnungsgemäße Verschließen aller Türen signalisiert worden, dem stets ein akustisches Signal vorausgeht.

Der Alarmierung durch die Zeugen sei Dank wurde die Rettungskette eingeleitet. Nach Erstversorgung durch die Rettungskräfte wurde die Frau zunächst in ein Hammer Krankenhaus eingeliefert und dann in eine Dortmunder Spezialklinik gebracht. "Sie hat riesengroßes Glück gehabt", sagte Polizeisprecher Amberge, der die Aktion selbst kaum fassen konnte. Es habe trotz schwerer Verletzungen keine Lebensgefahr bestanden; die Frau habe "alles mitbekommen" und sei nach dem Unfall ansprechbar gewesen.

Bundespolizei warnt mit Nachdruck

Die in diesem Fall ermittelnde Bundespolizei warnt eindringlich vor solchen Handlungen. Sie seien lebensgefährlich:

"Züge haben eine schnelle Beschleunigung, eine Sogwirkung sowie einen langen Bremsweg. (Der Bremsweg eines Zuges bei 100 km/h beträgt bis zu 1000 Meter.) Sie können nicht ausweichen!"

Der Vollständigkeit halber: Infolge der Rettungsmaßnahmen an Gleis 5 kam es am Samstag zu nennenswerten Verspätungen im Bahnverkehr...

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