Personalmangel an den Airports

Lange Wartezeiten und Ausfälle an Flughäfen in NRW: Wird der Flug gestrichen?

An den großen Flughäfen in NRW herrscht zum Start der Sommerferien Chaos. In Köln und Düsseldorf fallen Flüge aus, vor allem bei Eurowings. Das müssen Urlauber wissen.

Hamm - „Aktuell kann es zu längeren Wartezeiten bei der Passagierabfertigung kommen.“ Diese Worte sind aktuell per Laufschrift auf der Homepage des Flughafens Düsseldorf - der größte in Nordrhein-Westfalen - zu lesen. Auch der Köln Bonn Airport weist online darauf hin, sich über die Check-In-Zeiten der jeweiligen Airline zu informieren und mehr Zeit einzuplanen - „mindestens 2,5 Stunden“.

Keine allzu rosigen Aussichten für Urlauber so kurz vor dem Start der Sommerferien in NRW. An den Flughäfen herrscht Chaos. Die Probleme bei der Abfertigung von Passagieren sind schon jetzt enorm - und der Andrang wird eher größer denn geringer.

Flughafen-Chaos zum Start der Sommerferien in NRW: Airlines rechnen mit noch mehr Ausfällen

Am Flughafen in Düsseldorf, der in den Sommerferien drei Millionen Passagiere und damit etwa 70 Prozent mehr als im Vorjahr erwartet, sind jetzt schon Warteschlangen zu beobachten von mehr als 100 Metern Länge. Es fehlt an allen Ecken und Enden an Personal - das gilt für alle Airports in Deutschland. Für viele ist es der erste große Urlaub nach den Jahren der Corona-Einschränkungen - in den meisten beliebten Urlaubsländern gibt es aktuell kaum Corona-Regeln zu beachten. Auf die Mitarbeiter der Airports - aber auch auf die Fluggesellschaften - kommt einiges zu.

Am stärksten betroffen ist die am Flughafen Düsseldorf Marktführer-Airline Eurowings, die schon in den vergangenen Tagen einige Flüge streichen musste. So wurde am Montag etwa immerhin acht Flüge gestrichen - unter anderem zu den Urlaubszielen Catania, Westerland oder Marseille. Am Dienstag wurden zehn Abflüge allein aus Düsseldorf annulliert - und damit etwa jeder neunte Eurowings-Start an dem Standort. Betroffen waren zum Beispiel Flüge nach Berlin, Budapest, Wien und Nizza. Andere Airlines betraf das nicht. In Köln/Bonn fielen am Dienstag ebenfalls Eurowings-Abflüge aus - darunter Flüge nach Zürich, München und Zagreb.

Es ist davon auszugehen, dass in den kommenden Tagen weitere Flüge ausfallen. Mit dieser Flugplan-Konsolidierung wolle Eurowings „insgesamt für größere Stabilität des Flugplans über den gesamten Sommer hinweg sorgen“, erklärte eine Sprecherin auf Anfrage von wa.de. Einer Überbelastung der Bodenprozesse in Spitzenzeiten soll damit vorgebeugt werden. Hinzu gekommen sei, dass es auch innerhalb der Fluggesellschaft „zu kurzfristigen Krankmeldungen unserer Crews“ gekommen sei, „darunter auch Corona-Erkrankungen“.

Flug-Ausfälle in Düsseldorf und Köln/Bonn drohen - Sommer-Urlaub nicht zwingend in Gefahr

Von Düsseldorf bietet auch Tui Fly im Schnitt neun bis zehn Abflüge pro Tag zu beliebten Urlaubszielen wie Mallorca an. Ein Sprecher betonte auf Nachfrage, dass die Airline bereits seit Ostern das Sommer-Programm fliege und daher in den nächsten Tagen - zum Start der Sommerferien in NRW - kein höheres Aufkommen erwarte. Die eigene personelle Ausstattung bezüglich Kabinen- und Cockpit-Crews sei aktuell nicht eingeschränkt und damit ausreichend, erklärte der Sprecher.

Aber: Der Sommer-Urlaub muss generell nicht in Gefahr sein. „Dass gut gebuchte Strecken zu den Pauschalreise-Zielen rund ums Mittelmeer oder zu ferneren Zielen in größerem Umfang gestrichen werden, ist eher unwahrscheinlich“, erklärte der Deutsche Reiseverband (DRV), der Veranstalter und Reisebüros vertritt.

Spanien: Wo Formentera sogar Mallorca schlägt - und wo nicht

Strand Llevant auf Formentera
Hochebene La Mola
Strand Es Pujols
Neptungraswiesen bei Formentera
Spanien: Wo Formentera sogar Mallorca schlägt - und wo nicht

Die größten Probleme stellen die Sicherheitskontrollen dar. Allein in Düsseldorf fehlten pro Schicht rund 100 bis 140 staatlich geprüfte Luftsicherheitsassistenten. Nach Angaben von Verdi-Sekretär Özay Tarim liege der Krankenstand bei rund 20 Prozent. Der Airport in Düsseldorf stockt seine Servicekräfte derzeit mit Studierenden auf und bietet einen Früh-Check-In ab 3 Uhr morgens an - um nur einige Maßnahmen zu nennen.

„Leider wird dies bei weitem nicht ausreichen, um die personellen Engpässe der Dienstleister von Airlines und Bundespolizei auszugleichen“, sagte Flughafen-Chef Thomas Schnalke. Unregelmäßigkeiten, Verzögerungen und lange Schlangen seien daher kaum zu vermeiden.

Flughafen-Chaos zum Start der Sommerferien: Darauf sollten Reisende achten

Viel Einfluss nehmen können Passagiere nicht auf das aktuell herrschende Chaos an den Flughäfen in NRW. Dennoch haben Experten für Reisende einige Tipps parat:

  • Online-Check-In nutzen,
  • rechtzeitig anreisen - mindestens zweieinhalb Stunden vor Abflug am Flughafen sein;
  • sofort zum Check-In bzw. zur Sicherheitskontrolle begeben, um das Abfluggate schnellstmöglich zu erreichen;
  • Geduld mitbringen.

Wer aufgrund des Personalmangels bei der Sicherheitskontrolle seinen Flug verpasst, könnte unter Umständen rechtliche Ansprüche erheben. Es kommt jedoch auf den Einzelfall an. Ein Anspruch gegen die Airline, den Reiseveranstalter oder den Flughafenbetreiber bestehe nur, wenn sich der Fluggast rechtzeitig vor dem Abflug am Flughafen eingefunden hat, erläuterte Karolina Wojtal vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland. Wichtig ist, den Zeitablauf zu dokumentieren. Reise-Rechtler Paul Degott empfahl via Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND), Fotos von einigen Situationen machen - etwa von der rechtzeitigen Ankunft am Flughafen, der Schlange im Terminal und der Zahl der geöffneten Schalter.

Apropos Urlaub: Wer im Sommer 2022 in Österreich ein Hotel bucht, kann Geld sparen. Anders sieht das bei beliebten Reisezielen wie Spanien und Frankreich aus - dort ist der Urlaub teurer geworden.

Rubriklistenbild: © Federico Gambarini/dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare