Aufgrund des Corona-Lockdowns

Geschlossene Fitnessstudios: Gericht in Bayern kippt die Regel - doch das hat Konsequenzen

Fitnessstudios in NRW müssen im Corona-Lockdown geschlossen bleiben. In Bayern kippt die Regel nun nach einer erfolgreichen Klage - und in Nordrhein-Westfalen? 

Update vom 13. November, 7.32 Uhr: Weil die Lockdown-bedingte Schließung von Fitnessstudios in Bayern von dem bayrischen Verwaltungsgerichtshof gekippt wurde, gelten ab heute in Bayern neue Regeln. Wegen der Corona-Krise müssen ab Freitag so gut wie alle Indoor-Sportstätten in Bayern geschlossen bleiben - einzig Schul- und Profisport bleiben im November in Innenräumen erlaubt. „Die Staatsregierung zieht damit eine Entscheidung vor, die Bayern bei der nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am kommenden Montag ohnehin vorgeschlagen hätte“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Klaus Holetschek (CSU) am Donnerstag der dpa in München.

LandNordrhein-Westfalen
Bevölkerung17,93 Millionen (2019)
HauptstadtDüsseldorf

Hintergrund für die Neuregelung ist eine Entscheidung des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs (BayVGH). Dieser hatte unter Verweis auf das Gleichheitsprinzip am Donnerstag die bisherige Schließung von Fitnessstudios aufgehoben, weil auf der anderen Seite sonstige Sportstätten für Individualsport geöffnet seien. Das Gericht gab damit dem Eilantrag eines Fitnessstudio-Inhabers zum Teil statt.

„Die Staatsregierung respektiert selbstverständlich den Beschluss des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs und seine Begründung“, sagte Holetschek. Deshalb werde sie durch eine sofortige Verordnungsänderung die vom BayVGH geforderte Gleichbehandlung von Fitnessstudios und sonstigen Sportstätten durch Schließung sämtlicher Indoor-Sportstätten in Bayern mit Wirkung zum Freitag, 13. November, herstellen. (dpa)

Fitnessstudios in NRW klagen gegen Corona-Regeln - Gericht in Bayern trifft Entscheidung

Update vom 12. November, 14.41 Uhr: Der bayerische Verwaltungsgerichtshof hat die vollständige Schließung von Fitnessstudios in Bayern im Zuge des teilweisen Lockdowns gekippt. Die vollständige Schließung verstoße gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz, entschied das Gericht in einem am Donnerstag in München veröffentlichten Beschluss. Damit sei die entsprechende Regelung in der bayerischen Landesverordnung außer Vollzug gesetzt. Rechtsmittel sind nicht möglich.

In Nordrhein-Westfalen müssen Fitnessstudios dagegen weiterhin geschlossen bleiben. Eine Klage einer Kette aus dem Kölner Raum hatte bereits vor einer Woche eine entsprechende Klage eingereicht, die das Oberverwaltungsgericht (OVGG) NRW allerdings abgewiesen hat.

Update vom 6. November, 16.37 Uhr: Eine Fitnessstudio-Kette aus dem Kölner Raum hatte gegen die Regelung der neuen Corona-Schutzverordnung geklagt, die besagt, dass Fitnessstudios in NRW im November geschlossen bleiben müssen. Das Oberverwaltungsgericht (OVGG) NRW hat jetzt beschlossen: Die Regelung ist rechtens. Demnach müssen die Fitnessstudios weiterhin dicht bleiben. Es ist die erste Entscheidung in NRW, in der es um die Zulässigkeit einer der seit Montag verschärften Regeln geht. Der Beschluss des OVG ist unanfechtbar.

Neue Corona-Regeln: Fitnessstudios in NRW erleben den nächsten Lockdown

Update vom 28. Oktober, 18.02 Uhr: Es ist beschlossene Sache: Der „abgeschwächte“ Lockdown im November kommt. Das trifft auch die Fitnessstudios. Sie sollen ab dem 2. November schließen. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet hat sich noch einmal zu den neuen Corona-Regeln geäußert. Dazu ist alles mit Blick auf Sport in der NRW-Coronaschutzverordnung geregelt.

[Erstmeldung] Hamm - Sie steigen immer weiter und weiter, die Coronavirus-Zahlen in NRW und in Deutschland. Politiker, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), warnen, mahnen und sorgen sich. Es ist davon auszugehen, dass es ähnliche Zustände geben wird wie im Frühjahr während der ersten Corona-Welle. (News zum Coronavirus)

Ein „Lockdown light“ ist im Gespräch, über den Merkel in ihrer Bund-Länder-Konferenz am Mittwoch, 28. Oktober, mit den Ministerpräsidenten beraten wird. Ein Appell soll sein, dass Bürger ihre privaten Kontakte im November auf ein „absolut nötiges Minimum reduzieren“. Das wird auch Auswirkungen auf die Fitnessstudios in Nordrhein-Westfalen haben.

Fitnessstudios in NRW: Training bei Einhaltung der Corona-Regeln (noch) möglich

Betreiber von Fitnessstudios hatten im Vorfeld mit einem einem offenen Brief an NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) gegen eine mögliche Schließung ihrer Einrichtungen im Zuge neuer Corona-Schutzmaßnahmen protestiert. „Hierbei handelt es sich genau um das falsche Signal und eine unzumutbare Benachteiligung von Menschen, die ganz bewusst und gerade jetzt ihre Immunabwehr stärken wollen und sollen“, schrieb die Präsidentin des Arbeitgeberverbands deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV), Birgit Schwarze.

Aktuell können Sporttreibende ihr lokales Fitnessstudio noch besuchen - unter Einhaltung der Corona-Regeln. Liegt ein Hygiene- und Infektionsschutzkonzept vor, dürfen die Studios in NRW derzeit öffnen.

Die Corona-Verordnung vom 19. Oktober erlaubt die normale Nutzung von Duschen und Umkleidekabinen. Auch Saunen betrieben werden, Dampfbäder hingegen nicht. Wichtig ist, dass der Mindestabstand zwischen Geräten, Personen und in Kursen von 1,5 Metern eingehalten wird. Mitarbeiter von Fitnessstudios in NRW müssen einen Mund-Nase-Schutz tragen. Trainer sind von dieser Regel ausgenommen. Auch das Lüften ist ein wichtiger Corona-Schutz.

Fitnessstudios in NRW: Corona-Regeln einhalten das A und O

„Die Aerosol-Belastung ist in Umkleiden, in kleinen Räumen oder Fluren, wo schlecht gelüftet werden kann, hoch. Die Trainingsflächen in den Fitnessstudios selbst sind in der Regel aber so angelegt, dass eine Querlüftung möglich ist“, erklärt Sportwissenschaftler Michael Despeghel im Interview mit den Stuttgarter Nachrichten. „Das ist auch zwingend notwendig, um die Aerosole zu vertreiben.“

Heißt: Bei Einhaltung der Corona-Regeln müsse man bei einem Besuch im Fitnessstudio trotz Corona keine allzu großen Bedenken haben. „Trägt man beim Training dann auch noch eine Maske, ist man ähnlich geschützt wie zum Beispiel in einem Baumarkt oder Einkaufszentrum“, ergänzte Despeghel.

Aber was macht der Sportler, wenn der Corona-Lockdown kommt und die Fitnessstudios in NRW schließen müssen? Immerhin hatte auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet bereits Härte gezeigt und strengere Regeln angekündigt.

Fitnessstudios in NRW wegen Corona vor Schließung: Experte gibt Tipps

„Im Prinzip ist ein körperliches Training überall möglich“, sagte Despeghel: „Aber auch ohne Covid-19 machen 60 Prozent der Deutschen grundsätzlich keinen Sport. Schlechtes Wetter wird neben Zeitmangel oft als Grund angeführt, dass die Leute ihre Komfortzone nicht verlassen. Und sich nicht zu bewegen, ist das Schlimmste. Wichtig ist, jetzt durch Sport das Immunsystem zu stimulieren und auch Grunderkrankungen weiter positiv zu beeinflussen.“

Doch nicht nur für die Sportler hätte die Schließung der Fitnessstudios in Folge des Lockdowns (negative) Auswirkungen, sondern natürlich auch für die Studios selbst. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Fitnessstudios von Mitte März bis Mitte Mai oder Anfang Juni schließen, der Zeitraum war je nach Bundesland unterschiedlich. „Ein Monat geschlossen kostet uns ein Jahr, um den Schaden wiedergutzumachen“, sagte Schwarzem jüngst der dpa.

Fitnessstudios in NRW: 40 Prozent kamen nach erster Corona-Welle direkt zurück

Laut Schwarze seien etwa 40 Prozent der Gäste sofort nach Wiederöffnung zurück auf die Geräte oder Matten zurückgekehrt. Mit Blick auf die Unsicherheit und die Angst in der Bevölkerung wegen der Corona-Pandemie wertet der Branchenverband diesen Wert positiv - das seien mehr Sportler als erwartet, heißt es.

Auch kurz vor einem erneuten Lockdown in NRW sind trotz der angespannten Corona-Lage gut besuchte Fitnessstudios zu beobachten. Wohl auch ein Faktor, warum Merkel, Laschet und Co. handeln wollen.

Rubriklistenbild: © picture alliance/Marijan Murat/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare