300 Beteiligte

Feuerhölle Flughafen: Eine spektakuläre Großübung am Flughafen Dortmund wird zur Belastungsprobe

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Mit der ersten Brandbekämpfung sahen sich die Einsatzkräfte mit einer großen Explosion konfrontiert.

Dortmund - Spektakuläre Großübung der Feuerwehr am Flughafen in Dortmund! Zwei Flugzeuge stehen in Flammen, geschminkte Unfalldarsteller liegen mit schwersten oder sogar tödlichen Verletzungen auf dem Vorfeld. Ein Großteil von ihnen muss aus einer Turboprop-Maschine gerettet werden.

Um kurz nach 23 Uhr wird das Vorfeld des Flughafens Dortmund in ein Meer aus Blaulichtern getränkt. Seit wenigen Momenten stehen zwei Flugzeuge - eine ausgediente Cessna und eine ATR 42 Turboprop, die durch die Mobile Trainingsanlage der Freiwilligen Feuerwehr Werl dargestellt wird - in Flammen. 

Zwei Panther-Löschfahrzeuge der Flughafenfeuerwehr rücken an die Front und bekämpfen die Flammen mit der immensen Kraft ihre Wasserwerfen. An der Cessna gibt es eine große Explosion. Eine Übungskünstlichkeit: Wäre es ein echter Einsatz, würde das Feuer mit Schaum bekämpft. Dies ist bei der Übung jedoch nicht möglich. Ähnlich wie bei einer Fettexplosion sorgt das Wasser für eine Verdampfung und Aufwirbelung des brennenden Treibstoffes. Das Ergebnis: Ein riesiger Feuerball. Im Realfall wäre das durch den Gebrauch von Löschschaum nicht passiert.

Zwei Löschfahrzeuge vom Typ Panther starteten den ersten Löschangriff.

Negative Auswirkungen auf den Übungsverlauf hat die Wassertaktik jedoch nicht. Schnell ist das Feuer unter Kontrolle, ein Trupp unter Atemschutz rückt vor, bekämpft die Flammen weiter und sucht gleichzeitig nach Verletzten. Und die machen auf einmal auf sich aufmerksam. 

Großübung am Flughafen Dortmund: Unfalldarsteller mit realistischen "Verletzungen"

Laute, markerschütternde Hilfeschreie schmettern durch die Einsatzstelle. Sie kommen von einem realistischen Unfalldarsteller, der einen schwerverletzten Cessna-Passagier mimt. Er wurde aus der Maschine geschleudert, hat Verbrennungen am ganzen Körper. 

Manchen "Verletzten" war nicht mehr zu helfen.

Neben ihm liegt eine Frau. Im Gegensatz zu ihm ist sie still. Nach einer Erstversorgung vor Ort werden beide auf Rettungstragen aus dem unmittelbaren Gefahrenbereich gebracht. Wenig später ist klar, warum die Frau nicht um Hilfe schrie. Sie war sofort tot. 

Ein Cessna war an der Unfallübung beteiligt.

Gleichzeitig läuft eine riesige Rettungsaktion an der Turboprop-Maschine. In ihr saßen rund 25 Personen, teilweise unverletzt, teilweise schwer. Mehrere Trupps unter Atemschutz bahnen sich einen Weg in die realistisch anmutende Übungsanlage, die als Lkw-Auflieger aus Werl nach Dortmund gebracht worden war. Von innen gleicht sie tatsächlich einem echten Flugzeug. Cockpit, Sitzreihen - alles ist da. 

Unter großer Belastung wurden die Unfallbeteiligten gerettet.

Je weiter die Zeit voranschreitet, desto mehr Blaulichter flimmern am Horizont dieses unendlich wirkenden Blaulichtmeeres. Insgesamt sind etwa 300 Personen, darunter Feuerwehrleute aus Dortmund, Unna und Werl, Kräfte des Rettungsdienstes, der Polizei und realistische Unfalldarsteller an der Übung beteiligt. 

Seelsorger kümmerten sich um Beteiligte.

Die Anzahl der Einsatzkräfte wäre auch im Ernstfall auf diesem Level. Und in einem Ernstfall wären auch diese Männer und Frauen in ihren lilafarbenen Jacken vor Ort. Sie sind Notfallseelsorger, helfen den Betroffenen, das gerade Erlebte zu verstehen, zu verarbeiten. 

Großübung am Flughafen Dortmund: Patienten in Kategorien

Seelsorger, Notärzte und Rettungssanitäter tummeln sich in einem Hangar direkt an der Einsatzstelle. Er wird kurzerhand zu einer Sammelstelle für alle Verletzten umfunktioniert. Neben einer fortlaufenden Versorgung werden die Verletzten kategorisiert. Wer ist wie schwer verletzt? Wer ist körperlich unversehrt? Und wem ist nicht mehr zu helfen? Diese Fragen werden durch die Verteilung von farbigen Kärtchen beantwortet. 

An einer Sammelstelle wurden die Verletzten versorgt und kategorisiert.

Wer eine rote Karte um den Hals hängen hat, wird schnellstens versorgt und ins Krankenhaus gebracht. Auch die Patienten, "gelbe" Patienten sind zwar verletzt, doch schweben nicht in Lebensgefahr. Wer als "grün" eingestuft wurde, ist zwar äußerlich unverletzt geblieben, wird aber dennoch betreut. Denn die seelischen Verletzungen sind noch nicht absehbar. 

Diejenigen, die eine schwarze oder blaue Karte bekamen, werden an einen gesonderten Sammelplatz gebracht. Sie werden zugedeckt. Ihnen ist nicht mehr zu helfen. 

Ein "Schwerverletzter" wird aus dem Gefahrenbereich gebracht.

Es ist diese spürbare Nähe zur erbarmungslosen Realität, die diese Großübung so besonders macht. Neben den offiziellen Beobachtern auf dem Flugfeld-Vorplatz hat sich eine große Menschentraube am Zaun des Airports versammelt und verfolgt das Geschehen gebannt.

Großübung am Flughafen beginnt mit Chaosphase

Einer dieser offiziellen Beobachter ist Thorsten Reckwitz, Leiter der Wachen 7 (Airport) und 3 (Neuasseln). Gemeinsam bilden beide Wachen die "Wachabteilung Flughafen". Nach Ende der Übung zieht er ein zufriedenes Fazit: "Wie bei allen Einsätzen gab es am Anfang eine Chaosphase. Das ist absolut normal. Man kann eine solche Einsatzstelle nicht von Anfang an beherrschen." 

Großübung am Flughafen Dortmund: Die Fotos

Feuerhölle Flughafen: Spektakuläre Großübung der Feuerwehr am Flughafen Dortmund

Aber: "Diese Chaosphase wurde sowohl im Brandschutz als auch im Bereich Rettungsdienst in einer angemessenen Zeit überwunden."

Eine Simulationsanlage der Feuerwehr Werl kam zu Einsatz.

Die Frage, was ihm durch den Kopf gehen würde, wenn diese Übung brutale Realität gewesen wäre, sorgt für stille Sekunden des Nachdenkens: "Man kann solche Dinge nicht verhindern. Wenn sie passieren, kann man nur versuchen, sie möglichst so abzuarbeiten, wie wir das hier und heute getan haben. Den perfekten Weg gibt es nicht. Mann kann so eine Lage nur minimieren. Und das haben wir super hinbekommen."

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