40 Tage bis Ostern

Fastenzeit 2021: Verzicht in christlicher Tradition und westlichem Lifestyle

Am Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit, sie dauert bis Ostern. Eigentlich religiöse Tradition hat sich das Fasten zum Lifestyle gewandelt. Verzicht ist „in“.

Hamm - 40 Tage Verzicht - so lange dauert, nach christlichem Brauch, die Fastenzeit von Ostern. Dabei gibt es zwei verschiedene Zeiträume, die als Fastenzeit gelten: Die einen zählen die Tage von Aschermittwoch bis Ostersamstag und ziehen die Sonntage ab - so bleiben von 46 Tagen genau 40 übrig. Die anderen beenden die Fastenzeit bereits am Palmsonntag - also zu Beginn der Karwoche, die mit dem Osterfest endet.

Fastenzeit 2021
ZeitraumAschermittwoch, 17. Februar, bis Ostersamstag, 3. April
BedeutungVorbereitung auf Ostern; Verzicht, Besinnung, Diät

Fastenzeit 2021 von Aschermittwoch bis Ostern: Fasten als Zeit der Besinnung

So oder so: Für die Christen gehört die Fastenzeit zu ihrem wichtigsten Fest, Ostern. Jesus selbst soll sich nach seiner Taufe für 40 Tage und Nächte in die Wüste zurückgezogen haben, um zu fasten. Der Brauch, für 40 Tage zu verzichten, setzte sich mehr und mehr bei den Christen durch. Zunächst waren die Regeln überaus streng, das Kirchenjahr eng getaktet, die Speisevorschriften strikt. Enthaltsamkeit galt als Mittel, den Himmel milde zu stimmen. Martin Luther stellte diese Regeln infrage - und fastete selbst doch weiter, nur unter einem anderen Aspekt: Er empfahl das Fasten als „feine äußerliche Zucht“.

Worauf verzichtet wird, ist jedem selbst überlassen. Die Fastenzeit, so hat es sich im Westen in den letzten Jahren immer mehr durchgesetzt, soll eine Zeit der Besinnung sein. „Achtsamkeit“ ist hier ein häufig genutzter Begriff, der sicherlich der christlichen Auslegung nahe kommt, aber heute eben auch viel mit Lifestyle zu tun hat.

Wer verzichtet, setzt sich mit seinen Gewohnheiten auseinander. Die Tüte Chips am Abend, der süße Brotaufstrich zum Frühstück, die Flasche Bier nach Feierabend: Es gibt jede Menge Genüsse, an die wir uns längst gewöhnt haben - und auf die wir bewusst verzichten können. Die katholische Kirche legt ganz besonderen Wert auf Verzicht am Aschermittwoch und am Karfreitag. Der strengen Lehre nach ist an beiden Tagen nur eine - fleischlose - Hauptmahlzeit erlaubt; außerdem stammt die Regel, freitags kein Fleisch zu essen, aus der Fastenzeit: Der Fisch am Freitag hat sich danach über die 40 Tage hinaus etabliert.

Fastenzeit 2021: Tradition und Trend

Die evangelische Kirch ruft unter dem Motto „Sieben Wochen ohne“ alljährlich eine Fastenaktion aus. Für die Fastenzeit 2021 heißt das: „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“. „Probehalber etwas anders zu machen – auch wenn es schwer fällt – kann die Entdeckung mit sich bringen, dass es anders besser sein könnte“, schreibt Kathrin Althans auf der Website der Aktion.

Für viele, die sich vielleicht nicht der christlichen Tradition verpflichtet sehen, ist die Fastenzeit dennoch ein guter Zeitpunkt, um zu verzichten. Das Fasten hat sich weit über die 40 Tage vor Ostern hinaus zum Trend entwickelt. Abnehmen, entschlacken, detoxen: Solche Begriffe sind das ganze Jahr in den Magazin-Titeln zu finden. Ein Trend, der in den vergangenen Jahren immer mehr Anhänger gefunden hat, ist das Intervallfasten. Das Prinzip: Der Tag - oder auch die Woche - wird in zwei Phasen eingeteilt - eine Fasten- und eine Essphase. Während der Fastenphase soll nur Wasser getrunken werden. Es gibt unterschiedliche Intervalle, in die sich Fasten- und Essphase einteilen lassen. Gängig ist die Methode 16:8. Wer danach fastet, darf zum Beispiel in der Zeit von acht bis 18 Uhr seine Mahlzeiten einnehmen - danach nicht mehr.

Fastenzeit 2021: Heilfasten für die Gesundheit

Einen Schritt weiter geht, wer das Heilfasten probiert. Hier ist der Mahlzeitenplan sehr streng und besteht in der Regel allenfalls aus Wasser und Brühe oder aus verschiedenen Säften. Die Methode geht auf den Arzt Otto Buchinger (1878 - 1966) zurück. Zumindest bei den ersten Versuchen sollte das Heilfasten möglichst unter fachlicher Anleitung durchgeführt werden. Es gibt Kliniken, die stationäre Fastenkuren anbieten. Das Buchinger-Fasten oder Heilfasten soll Körper, Geist und Seele dienen und gilt als Präventivmaßnahmen für die Gesundheit.

Nicht zu verachten ist für viele Fastende der Aspekt der Gewichtsabnahme. Eine Fastenkur gilt als probates Mittel, eine Ernährungsumstellung zu schaffen. Auch hier hat sich längst die Erkenntnis durchgesetzt, dass der Verzicht auf bestimmte Lebensmittel mental gestützt sein muss: Wer an seiner inneren Einstellung arbeitet, bewusster isst und achtsam ist, hat größeren Erfolg bei einer Diät.

Fastenzeit: Verzicht auf Alkohol ist ein Klassiker

Ein weiterer Klassiker des Fastens ist der Verzicht auf Alkohol. Vom 17. Februar bis 1. April läuft die Aktion „Kannst du ohne?“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Ziel des Alkoholfastens: die risikoreiche Gewohnheit des „sorgenlosen Konsums“ durchbrechen und merken, wie gut der Verzicht auf Alkohol dem Körper tut.

In den letzten Jahren haben sich Fasten-Trends wie „Digital-Detox“ etabliert. Viele verzichten bewusst auf das Handy, auf Social Media, auf Streaming. Es gibt gerade im Corona-Lockdwon noch viele andere Möglichkeiten, zu fasten.

Das Fasten hat auch in anderen Religionen eine lange Tradition, etwa im Judentum und im Islam. Die Juden kennen mehrere Fastentermine im Jahr, der wichtigste ist Jom Kippur, der Versöhnungstag. In der jüdischen Tradition soll nicht länger als 24 Stunden gefastet werden - innerhalb dieses Tages aber sind die Regeln streng.

Muslime fasten im Monat Ramadan. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang verzichten sie auf Essen, trinken, rauchen, Sex. Nach Sonnenuntergang wird das Fastenbrechen mit einem Festmahl gefeiert.

Rubriklistenbild: © dpa

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