Gemeinde trauert

Familien-Drama im Kreis Soest: Mutter ersticht ihre Kinder und tötet sich anschließend selbst

Familien-Drama im Kreis Soest: Trauerfeier und Beisetzung fanden im engsten Familienkreis statt.
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Familien-Drama im Kreis Soest: Die Trauerfeier und die anschließende Beisetzung fanden im engsten Familienkreis statt.

Ein ganzes Dorf trauert: Eine Mutter tötete erst ihre Kinder und anschließend sich selbst.

Kreis Soest – Eine Familientragödie in einer polnischen Gemeinde forderte vor einigen Tagen drei Todesopfer: Eine Mutter tötete dort ihre beiden Kinder und brachte sich anschließend selber um.

OrtDinker
GemeindeWelver
KreisSoest

Bis zum vergangenen Sommer hatten alle drei in Dinker im Kreis Soest gelebt. Die beiden Kinder wurden am Montag auf dem Friedhof des Ortsteils Dinker in der Gemeinde Welver beigesetzt.

Familien-Drama im Kreis Soest: Mutter fuhr mit den Kindern nach Polen

Nichts hatte vor einigen Monaten darauf hingedeutet, dass sich ein derartiges Drama ereignen würde. Die aus Polen stammende Frau, die aus beruflichen Gründen nach Welver gekommen war, hier geheiratet und eine Familie gegründet hatte und mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern auf einem landwirtschaftlichen Anwesen lebte, fuhr für einen Heimatbesuch zu ihren Eltern und nahm ihre kleine Tochter (6) und den zwei Jahre jüngeren Sohn (4) mit.

Als die 41-Jährige dann aber nicht zurückkehrte, strengte der Familienvater zunächst vor dem Soester Familiengericht und später vor einer polnischen Kammer ein Verfahren an, um die Kinder zurück nach Dinker zu holen. Er bekam Recht. Am 30. März sollten die Kinder bei der Mutter in der Gemeinde Chalupki abgeholt werden – stattdessen kam es zur Tragödie.

Familien-Drama im Kreis Soest: Zahlreiche Stichverletzungen bei Mutter und Kindern

Die Staatsanwaltschaft Arnsberg ist im Zuge eines Todesermittlungsverfahrens routinemäßig in die Ermittlungen der polnischen Behörden mit einbezogen. Staatsanwalt Thomas Schmelzer bestätigte gegenüber dem Anzeiger folgende vorläufigen Erkenntnisse zum Tatablauf, die auch von den Ergebnissen der inzwischen erfolgten Obduktion der beiden Kinder gestützt werden.

Danach wollte der Vater die Kinder in Begleitung mehrerer Vertreter von lokalen Behörden abholen. Während er vor dem Haus wartete, begab sich die Mutter unter einem Vorwand mit den Kindern in ein Badezimmer und verschloss unbemerkt die Tür.

Als aus dem Zimmer verdächtige Geräusche nach draußen drangen und die Badezimmertür schließlich gewaltsam geöffnet wurde, bot sich ein Bild des Grauens: Sowohl die beiden Kinder als auch die Mutter bluteten aus zahlreichen Stichverletzungen im Brustbereich. Sofort alarmierte Rettungskräfte leiteten Wiederbelebungsmaßnahmen ein, die allerdings erfolglos blieben.

Familien-Drama im Kreis Soest: Bluttat löst große Betroffenheit aus

In Dinker im Kreis Soest löste die Nachricht von der Bluttat große Trauer und Betroffenheit aus. „Ich hatte wirklich wacklige Knie und musste mich erst einmal hinsetzen“, beschrieb Ortsvorsteher Sebastian Schütz am Montag seine eigene Reaktion, als er von der Bluttat erfuhr.

Ich hatte wirklich wacklige Knie und musste mich erst einmal hinsetzen.

Sebastian Schütz, Ortsvorsteher

Wie das sprichwörtliche Lauffeuer habe sich die schockierende Nachricht allerdings nicht verbreitet. „Das liegt sicher auch daran, dass derzeit kaum ein öffentliches Leben stattfindet“, erklärte er. Vor allem aber mache die schiere Brutalität der Tat die viele Menschen einfach sprach- und fassungslos.

Die Trauerfeier und die anschließende Beisetzung fanden im engsten Familienkreis statt, Pastor Werner Vedder gestaltete den Gottesdienst und führte anschließend den Trauerzug von der St.-Othmar-Kirche zum Friedhof, wo die beiden Kinder zur Ruhe gebettet wurden.

Hilfe vom Seelsorger

Es war ein echter Notruf, der Pastor Werner Vedder in seinem Urlaub aus dem Kindergarten St. Othmar erreichte. Den hatten die beiden getöteten Kinder bis zum vergangenen Sommer besucht. Die Nachricht von der Tragödie löste daher dort natürlich besonderes Entsetzen aus. Die Kindergartenleitung bat um Verständnis dafür, in dieser ausgesprochen schweren Situation keine Stellungnahme abgeben zu wollen. Vedder versicherte aber, dass sowohl die Kinder in der Eirichtung als auch Erzieherinnen und Leitung seelsorgerische Betreuung und Unterstützung bekommen hätten und nach wie vor bekämen – dabei helfe seine Ausbildung zum Notfallseelsorger.

Hinweis der Redaktion: Wir berichten in der Regel nicht über Suizide, weil leider durch die Berichterstattung die Nachahmerquote erhöht wird. Wir machen eine Ausnahme, wenn viele Menschen betroffen sind wie z.B. durch eine Sperrung der Bahnstrecke. Wenn Sie sich selbst in einer Krisensituation befinden, suchen Sie sich bitte Hilfe, z.B, bei der Telefonseelsorge (Tel. 0800-1110111).

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