Zwei Frauen und drei Polizisten verletzt, zwei Pferde tot

Haus-Explosion in Münster: Bewohnerin (68) geständig

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[Update, Donnerstag, 9 Uhr] Gasexplosion am Mittwochmorgen in einem Gebäude in Münster: Dabei sind zwei Frauen schwer und drei Polizisten leicht verletzt worden. Zwei Pferde mussten eingeschläfert werden. Offenbar haben die Bewohnerinnen des Hauses die Explosion absichtlich verursacht, vermutlich wegen einer drohenden Zwangsräumung. Jetzt äußern sich Polizei und Staatsanwaltschaft.

Münster - Nach der Explosion in einem Wohnhaus Am Max-Klemens-Kanal in Münsteraner Stadtteil Kinderhaus am Mittwochmorgen haben Ermittler die 67-jährige Bewohnerin vernommen. Die Frau habe angegeben, gemeinsam mit der 38-jährigen Tochter die Explosion geplant und herbeigeführt zu haben, teilte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Donnerstagmorgen mit. Die Frauen seien aber davon ausgegangen, "dass Unbeteiligte nicht zu Schaden kommen".  

Beide Frauen waren bei der Explosion schwer erletzt worden. Die Jüngere befindet sich weiterhin in einer Spezialkilnik und ist nicht vernehmungsfähig. Experten der Polizei werden am Donnerstag den Brandort untersuchen. Der Leiter der eingesetzten Mordkommission, Kriminalhauptkommissar Joachim Poll, rechnet mit einer besonders komplizierten Spurensuche: "Das Gebäude ist so stark beschädigt, dass eine Einsturzgefahr besteht." 

Staatsanwalt beantragt Haftbefehl

Die Staatsanwaltschaft Münster wird im Laufe des Donnerstags beim Amtsgericht Haftbefehl wegen "versuchten Mordes in Tateinheit mit Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion mit versuchter Todesfolge" beantragen. 

Die Explosion hatte sich am Mittwoch um 9.25 Uhr ereignet und das Fachwerkhaus, in dem eine Mutter (67) und ihre Tochter (38) zur Miete wohnten, in Brand gesetzt. Beide Bewohnerinnen kamen mit schweren Verletzungen in Krankenhäuser. 

Auch drei Polizeibeamte, die einer Gerichtsvollzieherin Vollzugshilfe bei einer Zwangsräumung leisten sollten, erlitten demnach leichte Verletzungen durch die Druckwelle der Explosion. Die Gerichtsvollzieherin blieb unverletzt, wie das Amtsgericht bestätigte.

Wollten sich Bewohnerinnen das Leben nehmen?

Bereits am Mittwoch wurde eine Mordkommission eingesetzt, weil sich Hinweise darauf ergeben hatten, dass die Explosion absichtlich herbeigeführt worden war. "Möglicherweise wollten sie sich dadurch selbst das Leben nehmen", erklärte der Leiter der Mordkommission, Joachim Poll.

Durch die Explosion und den dadurch entstandenen Brand wurden auch die beiden Pferde der Bewohnerinnen getötet, heißt es weiter. Laut Münsterscher Zeitung hatten die Frauen die Pferde vor der Explosion ins Haus geholt. Die Tiere wurden so schwer verletzt, dass ein Amtstierarzt sie einschläfern musste. 

Das sagt der Oberstaatsanwalt:

Weil die zwei 67 und 38 Jahre alten Frauen in Kauf nahmen, auch Unbeteiligte mit in den Tod zu nehmen, ermittelt die Staatsanwaltschaft "wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion mit versuchter Todesfolge", erläutert Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt. "Nach den derzeit vorliegenden Erkenntnissen war die Zwangsräumung für heute angekündigt." Ob und wie lange die Frauen die Tat geplant hatten, blieb zunächst unklar. Die Ermittlungen dauern an. 

Explosion wegen drohender Zwangsräumung herbeigeführt?

Offenbar hatten die Frauen seit längerem Streit Ärger mit ihrem Vermieter. Laut Amtsgericht ging es um ausstehende Mietzahlungen. Der Gläubiger setzte die Zwangsräumung durch.

Bild.de zitierte bereits am Vormittag Amtsgericht-Sprecher Dr. Jürgen Wrobel wie folgt: „Die Zwangsräumung sollte heute im Auftrag des Gläubigers vollstreckt werden. Es ging um rückständige Mietzahlungen, es wurde auf Räumung geklagt. Der Rechtsstreit der Parteien geht schon einige Jahre.“

Explosion löst "intensives Feuer" aus

Durch die Explosion entstand ein Feuer in dem allein stehenden Fachwerkhaus. 70 Einsatzkräfte waren nach Angaben der Feuerwehr im Einsatz. Erst am Nachmittag war das Feuer unter Kontrolle. Das Haus wurde weitgehend zerstört beziehungsweise musste von den Rettungskräften für die Löscharbeiten eingerissen werden.

Der Brand war erst am Nachmittag unter Kontrolle. Nach Berichten von msl24 gestaltete sich die Wasserversorgung zunächst etwas schwierig, da sich der Einsatzort an der Straße "Am Max-Klemens-Kanal" nicht im Stadtzentrum befindet. 

Die Feuerwehr hatte am Vormittag mehrere Gasflaschen aus dem Haus getragen.

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