Ermittlungen gegen Sprengstoff-Bastler seit März

Explosion in Heessen: Der Polizei lag ein BKA-Hinweis vor

In diesem Haus in Hamm-Heessen ereignete sich die Explosion.
+
In diesem Haus in Hamm-Heessen ereignete sich die Explosion.

Es war kein Zufallstreffer, der die Polizei bereits Mitte März auf die Spur des 26-Jährigen geführt hatte, der am Freitag fahrlässig eine Explosion in einem Wohnhaus in Hamm herbeigeführt hatte.

Hamm – Wie Staatsanwalt Henner Kruse auf Nachfrage unserer Redaktion mitteilte, gab es einen Hinweis des Bundeskriminalamtes (BKA) nach auffälligen Bestellungen von Chemikalien in einem großen Internet-Versandhaus. Als es am Freitag an der Hohen Brede in Heessen knallte, lief das Verfahren gegen den 26-Jährigen in dieser Sache noch.

Wo liegt dann das Motiv für ein solches Handeln? Der Kitzel am großen Knall? Die Tat eines Spinners?

Hinweise auf eine psychische Beeinträchtigung oder auf eine entsprechende Behandlung des 26-Jährigen gebe es bisher nicht, so Kruse. Nun muss er sich jedenfalls wegen vorsätzlichen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz und des fahrlässigen Herbeiführens einer Sprengstoffexplosion verantworten. Ersteres allein kann mit bis zu drei Jahren Haft oder einer Geldstrafe geahndet werden. Letzteres wird – je nach Ausmaß – mit einer Freiheitsstrafe in jedem Fall nicht unter einem Jahr bestraft.

Explosion in Heessen: Röhren waren explosionsfähig

Am 8. April hatte der Mann per Durchsuchungsbeschluss „Besuch“ von den Ermittlern erhalten. Laut Kruse fanden die Beamten damals zwei selbst gebaute „Brandknallsätze“, zusammengemischt jeweils in einer Röhre, die einer klassischen Smarties-Verpackung ähnelt. Die eine sei rund 120 Gramm, die andere 42 Gramm schwer gewesen. Nach einem Gutachten des Landeskriminalamtes sind beide Röhren explosionsfähig gewesen.

Die Bestellmenge habe sich allerdings deutlich darüber im Kilogramm-Bereich bewegt, so Kruse. Den Rest wollte der junge Mann nach eigener Aussage auf einem Feld gezündet haben. Dabei soll er sich an einer Hand verletzt haben. Wegen der Brandverletzungen habe er den Ermittlern seinerzeit sinngemäß gesagt: „Ich habe keine Lust mehr, das zu machen.“ Bei den aufgefundenen Knallsätzen habe es sich um Bestellreste gehandelt.

Explosion in Hamm: Mann experimentiert mit Sprengstoff

Explosion in Heessen: Sprengstoff im Schlafzimmer

Die Ermittlungen liefen weiter, zu einem Termin bei der Polizei sei der 26-Jährige nicht erschienen, so Kruse. Am 10. Juli kam die Akte von der Hammer Polizei zur Staatsanwaltschaft Dortmund zurück. Abgeschlossen war das Verfahren nicht. Zu diesem Zeitpunkt hätte sich der arbeitslose Mann wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verantworten müssen.

Dass es mit der Absicht, sich von seinem explosiven Hobby abzuwenden, nicht so weit her war, zeigt der Vorfall am Freitag. Wieder hatte der Mann frei verkäufliche Chemikalien erworben und diese angeblich seit zwei Tagen im Schlafzimmer – dem späteren Ort der Explosion – gelagert. Ob er sich der Gefahr ohne eine aktive Zündung bewusst war, ist offen. Eine Anleitung zum Mischen der Grundstoffe hatte er sich offenbar aus dem Internet beschafft.

Explosion in Heessen: Täter bleibt auf freiem Fuß

Nach wie vor schließt die Staatsanwaltschaft ein politisches Motiv aus. Auch eine Tötungsabsicht oder einen Vorsatz sieht Kruse nach ersten Erkenntnissen nicht. Deshalb bleibt der Mann auf freiem Fuß. Ansatzpunkte, dass noch mehr Chemikalien gehortet worden seien, gebe es derzeit nicht.

Ein Statiker sollte am späten Montagnachmittag im Auftrag der LEG als Inhaberin der Immobilie das Schadensausmaß in Augenschein nehmen. Tätig werden konnte er allerdings nicht mehr, da die Kripo das Gebäude kurz zuvor versiegelt hatte. 

Das Vier-Parteien-Haus war am Freitag als nicht bewohnbar eingestuft worden. Die Mieter kamen teils in Hotels oder bei Freunden unter. Schon vor der Explosion habe große Verunsicherung geherrscht, sagte eine Nachbarin. Der 26-Jährige sei ausgesprochen nachtaktiv gewesen, sei immer wieder zwischen Keller und Wohnung gependelt. 

Eine erste geschätzte Schadenshöhe von 100 000 Euro ließ eine LEG-Sprecherin gestern unbestätigt. Dies müssten die weiteren Untersuchungen zeigen. Die LEG ist erst seit dem 1. Mai 2020 Eigentümerin des Hauses.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare