Verdächtiger sitzt in U-Haft

Betrugsmasche: Falscher Polizist geht den echten Kollegen ins Netz

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[Update] Dortmund - Sie geben sich als Polizisten aus und ergaunern als vermeintliche Respektspersonen Geld, Wertgegenstände oder wichtige Informationen ihrer Opfer. Mit dieser Masche versuchen es Betrüger immer wieder. Einer von ihnen flog jetzt auf. Zudem gab es zwei Gerichtsurteile.

Ein mutmaßliches Mitglied einer Betrügerbande von falschen Polizisten sitzt nun in Untersuchungshaft. Wie die Polizei am Dienstag mitteilte, wurde der 32-Jährige Ende November in seiner Wohnung in Dortmund festgenommen. Zuvor hatten Ermittler in Baden-Württemberg einen mutmaßlichen Komplizen geschnappt.

Die Bande soll ältere Menschen um ihr Geld gebracht haben, indem man sich als Polizist ausgab und Senioren vorgaukelte, ihr Geld sei nicht sicher. Der 32-Jährige soll für die Koordinierung der Geldabholer zuständig gewesen sein und Kontakt zu Hintermännern in der Türkei gehalten haben. Er schweigt offenbar zu den Vorwürfen.

Ob diese Bande auch in Südwestfalen - in Hamm, im Kreis Soest und im Sauerland - tätig war, ist nicht bekannt. Die Polizei Dortmund spricht beim Thema Betrug generell von einem wuchernden Problem und mehreren Tätergruppen.

Jeden Tag neue Betrugsmeldungen

Immer wieder ergaunern falsche Polizeibeamte hohe Summen von alten Leuten. Erst am Montag verurteilte das Landgericht Heidelberg einen falschen Polizisten zu fünf Jahren Gefängnis. Er hatte eine Frau um Schmuck und Geld im Wert von rund 300.000 Euro betrogen.

Am Dienstag wurden zwei Mitglieder einer Betrügerbande in Düsseldorf vom Landgericht zu Haftstrafen verurteilt. Sie hatten eine 80-Jährige um ihre gesamten Ersparnisse in Höhe von 178.000 Euro gebracht. Ein 48-Jähriger wurde zu drei Jahren und zehn Monaten Gefängnis verurteilt. Sein 29-jähriger Komplizen kam mit eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung davon. Beide hatten zuvor umfassende Geständnisse abgelegt.

10.000 Betrugsfälle im Jahr 2017

In Nordrhein-Westfalen wurden 2017 rund 10.000 Betrugsfälle mit dieser Masche registriert. Aus Call Centern in der Türkei werden Senioren angerufen, auf deren Telefon-Display die Notrufnummer 110 samt Ortsvorwahl erscheint. Die Angerufenen werden vor einem angeblich drohenden Einbruch gewarnt. Sie sollten ihre Wertsachen dem Beamten geben, der gleich vorbeikomme.

Auch aktuell vergeht kaum ein Tag, an dem die Polizei anhand konkreter Vorfälle nicht vor falschen Polizisten warnt, etwa im Kreis Soest. Der Phantasie von Betrügern sind keine Grenzen gesetzt. In Dorsten brachten sie eine Seniorin dazu, ihr Geld buchstäblich aus dem Fenster zu werfen. In Werl taten Ganoven so, sie seien angefahren worden.

Das rät die Polizei:

  • Lassen Sie grundsätzlich keine Unbekannten in Ihre Wohnung.
  • Fordern Sie von angeblichen Amtspersonen, zum Beispiel Polizisten, den Dienstausweis.
  • Rufen Sie beim geringsten Zweifel bei der Behörde an, von der die angebliche Amtsperson kommt.
  • Suchen Sie die Telefonnummer der Behörde selbst heraus oder lassen Sie sich diese durch die Telefonauskunft geben. Wichtig: Lassen Sie den Besucher währenddessen vor der abgesperrten Tür warten.
  • Die Polizei wird Sie niemals um Geldbeträge bitten.
  • Geben Sie am Telefon keine Details zu Ihren finanziellen Verhältnissen preis. Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen. Legen Sie einfach auf.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen. - eB/dpa

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