Wo das Christkind seine Postfiliale hat

Kein schlechter Witz, sondern böse Realität: Feuerteufel wütet in Engelskirchen

Mindestens ein Brandstifter hält die Feuerwehr in Engelskirchen in Atem.
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Mindestens ein Brandstifter hält die Feuerwehr in Engelskirchen in Atem.

Nein, das ist kein schlechtes Wortspiel: Ein Feuerteufel hält die Feuerwehr in Engelskirchen (NRW) in Atem. Die Liste der Löscheinsätze ist lang, der Sachschaden entsprechend hoch.

  • Im Oberbergischen Kreis müssen sich Polizei und Feuerwehr mit einer Serie von Brandstiftungen befassen.
  • Die mindestens zehn verschiedenen Tatorte liegen in den Kommunen Engelskirchen und Lindlar.
  • Verletzt wurde niemand, der entstandene Sachschaden dürfte allerdings enorm sein.

Engelskirchen - Mehrere Autos, ein Lieferwagen, Carports, Unterstände und Abfallcontainer gehen offenbar aufs Konto eines oder mehrerer Täter. Dazu kommen ein kleinerer Waldbrand und eine schwer beschädigte Schützenhalle.

Gemeinde

Engelskirchen

Kreis

Oberbergischer Kreis (NRW)

Bevölkerung

19.298

Bürgermeister

Gero Karthaus (SPD)

Besonderheit

Christkind-Filiale der Deutschen Post

Angesichts von zehn Einsätzen kommt kein Zweifel auf: Es geht um vorsätzliche Brandstiftung - und zwar innerhalb von weniger als 24 Stunden größtenteils im Ortsteil Bickenbach.

Für die Feuerwehr in der oberbergischen Gemeinde Engelskirchen wurde Vollalarm ausgerufen, insgesamt waren 132 Kräfte in den Einsätzen. Aus dem Nachbarort Lindlar wurde eine Einheit entsandt, um in der Engelskirchener Wache den Grundschutz sicherzustellen.

Feuerteufel in Engelskirchen: Brand von der A4 gut zu sehen

An einer Halle, in der ein Anbieter für Fitness-Kurse beheimatet ist, brannte es an beiden Giebelseiten. Auf der Rückseite brannte ein Unterstand, an einem Seiteneingang eine Holzpalette. Durch die Flammen wurde die Halle schwer beschädigt, insbesondere auch das Dach.

Brandermittler müssen im Oberbergischen Kreis umfangreich Spuren sichern.

Im Innenraum sammelten sich Rauchgase. Dennoch konnte die allergrößte Katastrophe in der Gemeinde in Nordrhein-Westfalen verhindert werden, denn das Gebäude ist vom Autobahnzubringer zur A4 gut einsehbar, daher wurde das Feuer schnell entdeckt. Das war gegen 3 Uhr in der Nacht - und nach 90 Minuten hatten die Wehrleute den Brand unter Kontrolle.

Feuerteufel in Engelskirchen: Autoscheiben eingeworfen

Doch noch während der Nachlöscharbeiten häuften sich die Alarmmeldungen. Nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt brannte ein Lieferwagen, auf einem Supermarkt-Parkplatz in Lindlar gingen zudem drei Autos in Flammen auf. Zwei davon standen dicht beieinander, einer wiederum einige Meter entfernt. 

Auf einem Supermarkt-Parkplatz in Lindlar brannten drei Autos.

Ein Blick in die ausgebrannten Wracks verrät: Der oder die Täter haben Gullydeckel ausgehoben und damit die Seitenscheiben der Autos eingeschlagen.

Feuerteufel in Engelskirchen: Wald und Stall angezündet

Am Tag vorher brannten - ebenfalls nur wenige hundert Meter Luftlinie von der betroffenen Halle entfernt - ein großer Carport, kurz zuvor rund 100 Quadratmeter Fichtenwald sowie ein Schafstall

Bereits zu diesem Zeitpunkt war der Verdacht aufgekommen, es könne vorsätzliche Brandstiftung vorliegen. In der letzten Zeit wurden auch zwei Gartenhütten von Flammen dem Erdboden gleichgemacht, möglicherweise stehen auch diese Ereignisse in einem konkreten Zusammenhang mit den aktuellen Vorkommnissen.

Feuerteufel in Engelskirchen: Einsatzkräfte am Limit

Gemeindebrandmeister Thomas Krimmel strahlt eine stoische Gelassenheit aus, was wohl eine wichtige Voraussetzung für seine Tätigkeit ist. Doch auch der erfahrene Feuerwehrmann erklärt, dass er das Geschehene kaum fassen kann: "An so eine Serie von Brandstiftungen hier in der Gegend kann ich mich nicht erinnern. Ich habe auch einige Kameraden gefragt, doch auch die haben von soetwas noch nicht gehört". 

Durch die Flammen wurde diese Halle schwer beschädigt, insbesondere das Dach.

Nun hofft Krimmel inständig, dass die Brandserie nicht weiter geht. Denn die Einsatzkräfte seien am persönlichen Limit angelangt. Auch wenn sie im Falle des Falles natürlich sofort wieder ausrücken würden: Die letzten 24 Stunden haben an der Substanz gezehrt.

Feuerteufel in Engelskirchen: Umfangreiche Ermittlungen

Für die Polizei fängt die Arbeit jetzt erst an. Noch in der Nacht waren zwei Zivilbeamte der Wipperfürther Wache nach Engelskirchen gekommen, um sich einen Eindruck zu verschaffen. Nun werden umfangreiche Ermittlungen aufgenommen. 

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr sind am Limit der persönlichen Belastbarkeit angekommen, betont Gemeindebrandmeister Thomas Krimmel.  

Die schiere Masse ist selbst am Schreibtisch schwer zu überblicken, wie Polizeipressesprecherin Monika Treutler bei Dienstantritt feststellte: "Wir haben etwa 15 Anzeigen vorliegen, die muss ich erstmal lesen", erklärte die Hauptkommissarin.

Bislang ist bei allen Bränden noch niemand verletzt worden. Die Polizei bittet um sachdienliche Hinweise und wird verstärkt in der betroffenen Gegend Streife fahren. Die bisherige Höhe des angerichteten Sachschadens konnte noch nicht beziffert werden.

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