Erneute Plage

Kampf gegen Eichenprozessionsspinner in NRW: Autofahrer müssen jetzt besonders aufpassen

Der Eichenprozessionsspinner ist in NRW weiterhin auf dem Vormarsch. Die Beseitigung ist bekanntermaßen schwierig. Jetzt sind auch Autofahrer betroffen.

NRW - Die Temperaturen steigen und die Vögel singen wieder: mit dem Frühling kommen aber nicht nur die schönen Seiten der Natur zum Vorschein. Auch echte Ärgernisse kehren zurück. Der Eichenprozessionsspinner ist auch 2021 in NRW gefürchtet, wie RUHR24* berichtet.

InsektEichenprozessionsspinner
Wissenschaftlicher NameThaumetopoea processionea
OrdnungSchmetterlinge

Eichenprozessionsspinner in NRW: Raupen mit weißen Haaren, die gefährlich werden können

Die Raupen sehen wegen ihrer weißen Haare ulkig aus, können aber gefährlich werden. Denn die Brennhaare des Eichenprozessionsspinners können bei Menschen eine sogenannte Raupendermatitis auslösen. Eine heftige allergische Reaktion, die auch zu Fieber, bronchialen Beschwerden führen kann.

Für Kinder und Haustiere, die sich der Gefahr in den meistens Fällen nicht bewusst sind, ist die Verbreitung des Insekts besonders gefährlich. Mehrere Städte in NRW versuchen deshalb mit verschiedenen Konzepten gegen den Eichenprozessionsspinner anzukommen. Die Stadt Dortmund hat im vergangenen Jahr etwa auf Kohlmeisen gesetzt*. Für sie ist die Raupe die reinste Delikatesse.

Aktuell bekämpft auch die Autobahn Westfalen die gefürchteten Insekten. Denn der Eichenprozessionsspinner kann auch für Autofahrer gefährlich werden.

NRW: Eichenprozessionsspinner soll auf Autobahnen beseitigt werden

Um genau zu sein für Fahrer, die sich häufig auf Autobahnen und damit auch auf Raststätten aufhalten. Zum einen geht es bei der Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners um die Gesundheit von Parkplatznutzern. Wer sich neben befallenen Bäumen aufhält oder sein Auto daneben parkt, kann schon beim Einatmen in Kontakt mit den Brennhaaren kommen.

Doch es gibt noch eine andere Baustelle. „Wir müssen auch an den freien Strecken, wo die Verkehrsteilnehmer in der Regel nur mit dem Auto vorbeifahren, die Raupen bekämpfen, um unsere eigenen Mitarbeiter zu schützen“, sagt Jörg Nolte, Abteilungsleiter im Geschäftsbereich Betrieb von Autobahn Westfalen in einer Mitteilung.

„Die Straßenwärter kommen bei der Grünpflege, bei Reinigungs- oder Reparaturarbeiten mit den Brennhaaren in Kontakt. Das wollen wir natürlich vermeiden.“ Es sei außerdem kaum möglich die Nester des Eichenprozessionsspinners später überall dort zu beseitigen, wo sie wieder auftauchen.

Der Eichenprozessionsspinner zeichnet sich durch seine Brennhaare aus.

Schmales Zeitfenster: Bekämpfung von Eichenprozessionsspinner in NRW ist heikel

Mit Spritzen, die aussehen wie eine Schneekanone wird ein Biozid auf die noch frischen Blätter der Bäume gesprüht. Das Mittel ist für die Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners zugelassen und basiert auf dem Bodenbakterium Bacills thuringiensis.

Die Raupen fressen die besprühten Blätter. Erst im Darm entfaltet der Stoff seine Wirkung, der für Menschen und andere Tiere ungefährlich ist. Die Raupen sterben ab, bevor sie ein gefährliches Stadium erreichen. Auch Straßen.NRW arbeitet im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner mit dem Biozid*.

Bei dem Einsatz gegen den Eichenprozessionsspinner gibt es allerdings auch eine Tücke. Zum Sprühen gibt es nur ein schmales Zeitfenster - je nach Temperatur schlüpfen die Larven zwischen April und Mai. „Die Blätter dürfen noch nicht ganz ausgebildet sein. Sonst haben wir bei ausgewachsenen Blattbildung geringe Trefferquote des Biozidmittel auf den Blättern“, erklärt Stephan Rex, Landespfleger bei der Autobahn Westfalen.

In den ersten beiden Larvenstadien seien die Raupen für Menschen noch ungefährlich, ab dem dritten Larvenstadium bilden sie aber ihre Brennhaare aus. „Von Beginn an leben die Raupen in Familienverbänden und wandern in großen Gruppen über Stämme und Äste. Diese Prozessionen haben den Raupen ihren Namen gegeben“, so Rex weiter.

Eichenprozessionsspinner: Nicht ganz NRW ist von Plage betroffen

Es gibt aber noch einen weiteren Grund, warum das Biozid frühzeitig eingesetzt wird. Denn sogar dort, wo ältere Raupen mit den gefährlichen Brennhaaren bereits entfernt wurden, können einzelne Härchen oder Reste der Nester noch gefährlich sein. „In einigen Fällen sind nach Grünschnittarbeiten im Spätsommer noch allergische Reaktionen aufgetreten, also lange nachdem die Raupen schon verschwunden waren“, warnt Nolte.

Anfangs kam der Eichenprozessionsspinner vor allem im Westen von NRW* auf, mittlerweile ist er aber fast über das ganze Niederlassungsgebiet von Autobahn Westfalen verbreitet. Nur am Autobahngebiet um Herford, Wünnenberg und Werl besteht derzeit noch kein Handlungsbedarf.

„Dort ist die Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners noch sehr verhalten. Natürlich werden wir das aber weiter beobachten und ich denke, dass wir in ein bis zwei Jahren auch dort aktiv werden müssen“, sagt Stephan Rex. *RUHR24 ist Teil des Redaktionsnetzwerks von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa

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