Verträge gekündigt

Nach Insolvenz: Traditionsbäckerei Sondermann Brot stellt Betrieb in Teilen ein

Nach der neuerlichen Insolvenz im August 2018 stellt die mehrfach ausgezeichnete Traditionsbäckerei Sondermann Brot mit Sitz in Drolshagen den Geschäftsbetrieb der insolventen Unternehmensteile ein.
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Nach der neuerlichen Insolvenz im August 2018 stellt die mehrfach ausgezeichnete Traditionsbäckerei Sondermann Brot mit Sitz in Drolshagen den Geschäftsbetrieb der insolventen Unternehmensteile ein.

Drolshagen - Nach der neuerlichen Insolvenz im August 2018 stellt die mehrfach ausgezeichnete Traditionsbäckerei Sondermann Brot mit Sitz in Drolshagen den Geschäftsbetrieb der insolventen Unternehmensteile ein. Das erklärt das Unternehmen via Pressemitteilung.

Demnach hatte der Insolvenzverwalter die Vermieter und Mitarbeiter in den vergangenen Wochen über die Einstellung de Betriebs informiert und die Verträge gekündigt: „Mit den Auswirkungen der Corona-Maßnahmen auf Innenstädte und Umsätze ist die Perspektive auf eine unternehmerische Lösung für den bis dahin stabilen Geschäftsbetrieb der insolventen Bereiche verloren gegangen“, so die Pressemitteilung von Sondermann Brot im Wortlaut. Und weiter: „Den Geschäftsbetrieb der Unternehmensteile, über die im November 2018 das Insolvenzverfahren eröffnet wurde, muss eingestellt werden.“

Dennoch wolle man „wo immer möglich“ den Mitarbeitern der Unternehmens-Gesellschaften die Chance auf einen neuen Arbeitsplatz „mindestens zu den bisherigen Konditionen geben“, erklärt Geschäftsführer Hermann Sondermann.  Ende August 2018 hatte Sondermann Brot für die Hälfte seiner Tochtergesellschaften Anträge auf Eröffnung von Insolvenzverfahren gestellt, um die mittelständisch geprägte Gruppe weiter zu sanieren. Allerdings war damals nicht klar ersichtlich, welche Filialen wirklich betroffen waren und welche nicht - Sondermann-Brot besteht aus mehreren Tochtergesellschaften.

Sondermann-Brot stellt Betrieb ein: Über 200 Beschäftigte weniger

Der Bäckereibetrieb Sondermann Brot erwirtschaftete im Jahr 2018 mit 780 Beschäftigten in der Produktion und in gut 100 Filialen im Raum Siegerland, Sauerland, Bergisches Land, Rheinland sowie im Ruhrgebiet einen Jahresumsatz von knapp 20 Millionen Euro. Daran will das Unternehmen anknüpfen, denn aktuell laufen Gespräche, um die Gruppe komplett neu aufzustellen: „Derzeit arbeiten wir sehr konzentriert daran, einerseits im Einzelhandel unsere Filialstruktur zu straffen und gleichzeitig unsere Dienstleistungen im Großhandel weiter zu festigen und auszubauen“, erklärt Hermann Sondermann. Künftig will Sondermann Brot mit 50 bis 60 Filialen und rund 450 Beschäftigten einen Umsatz im niedrigen zweistelligen Millionenbereich erwirtschaften.

Gegründet wurde das Unternehmen 1949 von Robert und Klara Sondermann. Im Zuge eines ersten Insolvenzverfahrens im Herbst 2011 beteiligte sich der Investor Lafayette Capital Partners bei Sondermann. 

Im Jahr 2018 zählten sämtliche Standorte im Kreis Olpe (mit Ausnahme der Filiale im Obi-Markt Olpe) im Märkischen Kreis, dem Hochsauerlandkreis und dem Kreis Siegen-Wittgenstein zu den Tochtergesellschaften, die von der Insolvenz betroffen waren. Laut Thomas Schulz vom für die Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens zuständigen Kommunikationsbüro „tsc.komm“ aus Köln laufen aktuell noch Verhandlungen darüber, welche Standorte konkret fortgeführt werden können. Er geht aber davon aus, dass „rund 30 Filialen“ geschlossen werden. Klarheit soll es bis Ende September geben.

Sondermann-Brot stellt Betrieb ein: Kritik aus der Belegschaft

Nach dem Kündigungsschreiben, das SauerlandKurier-Redaktion vorliegt und mit dem 25. Juni 2020 datiert ist, gilt die Kündigung der Mitarbeiter zum 30. September. Innerhalb der Belegschaft von Sondermann-Brot macht sich nun Unmut breit: „Zur Begründung hieß es, dass die wirtschaftliche und finanzielle Situation keine Fortführung des Geschäftsbetriebes gestattet. Trotz offizieller Kündigung und der wohl gescheiterten Sanierung teilte Herr Sondermann mit, dass die Kündigungen lediglich der Form wegen ausgehändigt wurden. Demnach soll der Geschäftsbetrieb unter der neuen Firma Sondermann Brot Nord GmbH weitergehen. Wie und in welchem Umfang wurde nicht mitgeteilt“, erklärt ein Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte. Laut Gewerberegister wurde die Sondermann Brot Nord GmbH im Juni eingetragen. Diese beinhaltet allerdings nur die Produktion und die Logistik von Sondermann Brot.

Zudem sei nur einigen ausgewählten Mitarbeitern eine Weiterbeschäftigung ab 1. Oktober angeboten worden: „Die ganze Situation ist vollkommen untransparent und widersprüchlich. Einerseits wird der Geschäftsbetrieb nicht fortgeführt, da wirtschaftlich und finanziell nicht möglich, auf der anderen Seite ist der Betrieb mit ausgewählten Mitarbeiter zum 1. Oktober nahtlos realisierbar?“

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