Nach Vorfall in Möhnesee

Mädchen (3) berichtet von "bösem Mann", der sie ins Auto locken wollte - wie sollen Eltern reagieren?

Ein dreijähriges Mädchen hat ihren Eltern von einem "bösen Mann" berichtet, der sie ins Auto locken wollte. Wie sollen Eltern in solchen Fällen reagieren? Wir haben uns mal auf Spurensuche begeben.
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Ein dreijähriges Mädchen hat ihren Eltern von einem "bösen Mann" berichtet, der sie ins Auto locken wollte. Wie sollen Eltern in solchen Fällen reagieren? Wir haben uns mal auf Spurensuche begeben.

Ein Mädchen (3) berichtete ihrer Mutter von einem "bösen Mann". Die Eltern erstatten Strafanzeige. Doch wie soll man mit einer solchen Geschichte umgehen? Wir haben uns auf Spurensuche begeben.

  • Ein Mädchen (3) im Kreis Soest sagt, sie sei von einem "bösen Mann" angesprochen worden.
  • Die Eltern haben sich an die Polizei gewandt.
  • Wir haben nachgefragt, wie Eltern sich in einem solchen Fall verhalten sollen.

Kreis Soest – Im Polizeibericht tauchte die Meldung erst gar nicht auf. Eine Dreijährige berichtet ihrer Mutter, wie sie gerade beim Spielen im Garten von einem Mann angesprochen worden sei, der mit ihr eine Runde Auto fahren wollte. Die Eltern erstatten Strafanzeige gegen Unbekannt. 

Doch wie soll man mit einer solchen Geschichte umgehen? Dem Mädchen glauben? Nach weiteren Hinweisen suchen? Die Bevölkerung warnen? Jugendämter einschalten? Anderen Eltern Tipps geben, was sie im Fall des Falles unternehmen könnten? Wir haben uns mal auf Spurensuche begeben.

Da wäre zunächst der Vorfall. Der liegt schon ein paar Tage zurück und hat sich in Möhnesee zugetragen. „Die Mutter“, so schildert ein Polizeisprecher, „hat das Kind auf der Terrasse reden hören.“ Schließlich schaut die Frau nach und erfährt von ihrer Tochter: „Da war ein Mann, der hat böse ausgesehen.“ Sie, die Mutter, hat ihn aber nicht zu Gesicht bekommen. 

Autofahrer soll Kind belästigt haben: Familie wendet sich an die Polizei

Weil ihr unwohl bei der Geschichte ist und weil sie einfach davon überzeugt ist, solche Vorfälle doch besser zu melden, wendet sich die Familie vier Tage später an die Polizei, schildert die Geschichte und erstattet Anzeige. Vier oder vielleicht fünf solcher Anzeigen landen aus dem ganzen Kreisgebiet jedes Jahr bei der Soester Polizei, sagt ihr Sprecher Wolfgang Lückenkemper. Die Polizei bittet den Bezirksdienst in den jeweiligen Orten, die Augen offen zu halten – und ist damit schon am Ende ihrer Möglichkeiten. 

Es gebe keinen Ansatz für weitere Ermittlungen. Lückenkemper ist seit vielen Jahren bei der Soester Polizei und hat „keine einzige Geschichte erlebt“, bei dem ein von Fremden angesprochenes Kind tatsächlich mitgenommen worden sei.

"Das saugt sich ein kleines Kind nicht aus den Fingern"

„Man mag seine Zweifel haben“, ob die Aussage des kleinen Kindes wirklich den Tatsachen entspricht, sagt Hans Meyer, der Vorsitzende des Kinderschutzbunds im Kreis Soest. „Aber bei so einer konkreten Aussage spricht vieles dafür, dass da was dran ist – das saugt sich ein kleines Kind nicht aus den Fingern.“ 

Meyer dreht den Spieß deshalb um und fragt: „Warum sollte man dem Mädchen eigentlich nicht glauben? Was spricht dagegen?“ Es gehe doch gar nicht um Hysterie oder Panik, sondern nur um erhöhte Wachsamkeit und um den Anlass für Eltern, mit ihren Kindern eine solche Situation mal zu besprechen. 

Jugendamt: „Wir nehmen solche Fälle ernst“

Im übrigen, dies hätten nicht zuletzt die Erfahrungen bei den Ermittlungen und Prozessen bei Kindesmissbrauch immer wieder gezeigt, werde Kindern gerade zu Beginn nicht geglaubt. „Da wird schnell abgewiegelt, ein grundsätzliches Problem“, so der Vorsitzende des Kinderschutzbunds. 

„Wir nehmen solche Fälle ernst.“ So lautet die Haltung im Soester Jugendamt. Schließlich lehre das Leben: Es gibt nichts, was es nicht gibt, sagt Abteilungsleiter Meinhard Esser. Weil man nicht wisse, was das Geschilderte und Erlebte tatsächlich bei den Kindern, aber auch ihren Eltern auslöst, sei es umso wichtiger, ihnen zuzuhören, mit ihnen zu reden und im besten Fall die Angst und die Sorgen zu nehmen. 

Sozialpädagogin: "Wichtig, das Kind zu bestärken"

Natürlich, so Esser, seien solche Geschichten wie die jetzt auch aus Möhnesee schwierig und belastend: „Als Eltern will man nicht nur seinem Kind glauben, man möchte auch alles daran setzen, diese Geschichte und ihre Folgen aufzuarbeiten“, damit sie eben keine Narben hinterlässt. Das Soester Jugendamt sei deshalb froh, mit der Fachberatungsstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen einen Partner an seiner Seite zu wissen, der genau dies leiste und den Eltern und Kindern helfe. 

Katrin Woesthoff arbeitet als Diplom-Sozialpädagogin in dieser Beratungsstelle in der Nöttenstraße in Soest. Ohne den konkreten Fall, den sie nicht kennt, beurteilen zu wollen, weist sie auf die grundsätzlichen Schwierigkeiten hin, wenn so junge Kinder wie eine Dreijährige in eine solche Situation geraten. Auf jeden Fall sei es wichtig, das Kind zu bestärken und ihm zu vermitteln, wie richtig und wichtig es ist, sich gegenüber den Eltern zu erklären. 

Die Mitarbeiter in der Fachberatungsstelle würden in Fällen wie diesem stets ausloten, was kann den Betroffenen (Eltern wie Kindern) helfen, was kann sie schützen, wo liegen ihre Ängste und Sorgen.

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