Ursache für Häufung völlig unbekannt

Drei an der Hand fehlgebildete Babys in kurzer Zeit entbunden: Klinik erläutert weitere Schritte

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Das Sankt Marien Hospital in Buer.

[Update 16.51 Uhr] Nach Stunden der Ratlosigkeit über drei an der Hand fehlgebildete Babys, die in kurzer Zeit entbunden wurden, äußert sich das Marienhospital  jetzt zur weiteren Vorgehensweise - sie zieht Hilfe zu Rate.

Gelsenkirchen - Im Sankt Marien-Hospital Buer in Gelsenkirchen hat es zwischen Juni und Anfang September gleich drei Entbindungen gegeben, bei denen die Neugeborenen eine sogenannte isolierte einseitige Handfehlbildung aufwiesen. 

"Das mehrfache Auftreten jetzt mag auch eine zufällige Häufung sein. Wir finden jedoch den kurzen Zeitraum, in dem wir jetzt diese drei Fälle sehen, auffällig", hieß es von der Klinik in einer Stellungnahme auf ihrer Homepage.

Bekannt geworden waren die Handdeformitäten nach Angaben des Gelsenkirchener Krankenhauses aufgrund von Recherchen des Kölner Boulevardblattes Express im Umfeld von Kölner Kliniken. 

So soll es weitergehen

Die Gelsenkirchener Klinik hat sich jetzt zur weiteren Vorgehensweise geäußert: Sie will die Fälle in regionalen Qualitätszirkeln der Kinder- und Jugendärzte thematisieren. Auch habe man Kontakt mit Fachleuten der Berliner Charité aufgenommen.

Von dort hieß es am Freitag: "Der derzeitige Informationsstand erlaubt weder der Charité noch insbesondere der Embryonaltoxikologie eine inhaltliche Stellungnahme zu diesem Thema." Auch der Deutsche Hebammenverband lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab.

Nachdem die genaue Herkunft der betroffenen Familien zunächst nicht genannt wurde, weiß man inzwischen. dass sie alle im lokalen Umfeld wohnten. Nach Informationen der dpa habe man keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien feststellen können. "Eine vertiefte Ursachenforschung können wir erst bei Einwilligung der Eltern betreiben", sagte Wolfgang Heinberg, Sprecher des Krankenhausverbundes St. Augustinus, zu der das Marien-Hospital Buer gehört. Die Eltern der Kinder seien eingeladen worden, mit der Klinik Kontakt aufzunehmen. "Wir haben ihnen Begleitung und Unterstützung zugesagt. Da werden wir auch die Frage nach Untersuchungen besprechen."

Babys waren vor der Entbindung nicht in der Klinik

"Im Gespräch mit Hebammenvertreterinnen aus dem Kölner Raum wurde dann auch ein Hinweis auf unser Sankt Marien-Hospital Buer gegeben. Dieser Hinweis hatte zur Folge, dass unser Haus auch Teil der mittlerweile bundesweiten Berichterstattung ist", so die Klinik.

Die betont eingangs ihrer Mitteilung, dass die drei erwähnten Babys pränatal - also vor der Entbindung selbst - nicht in der Klinik gesehen worden seien. Weitere Fehlbildungen seien jeweils nicht diagnostiziert worden.

Hier gibt es die Stellungnahme des Krankenhauses

"Wir konnten keine ethnischen, kulturellen oder sozialen Gemeinsamkeiten der Herkunftsfamilien sehen. Alle Familien wohnen im lokalen Umfeld", so die Klinik. 

Fehlbildungen entstehen durch Infektionen oder Noxen 

Statistisch würden ca. 1 bis 2 Prozent aller Neugeborenen mit einer Fehlbildung unterschiedlicher Ausprägung geboren, so das Krankenhaus aus Gelsenkirchen-Buer. 

Extremitätenfehlbildungen könnten während der Schwangerschaft durch Infektionen oder Noxen unterschiedlicher Art auftreten, sind insgesamt aber selten. "Der entscheidende Entwicklungszeitraum liegt sehr früh in der Schwangerschaft, zwischen dem 24. und 36. Entwicklungstag nach der Befruchtung der Eizelle", schreibt die Klinik.

Fälle werden unter Ärzten thematisiert

Eine ebenfalls mögliche Ursache sei das Abschnüren von Extremitäten durch Amnionbänder oder Nabelschnurumschlingungen während der Schwangerschaft im Mutterleib, was zu einer verminderten Weiterentwicklung der betroffenen Extremität führe.

Die drei betroffenen Kinder seien in der Kinderklinik durch einen Kollegen des Marienhospitals Gelsenkirchen mit Perinatalzentrum Level 1 untersucht worden. 

Kein bundsweites Melderegister für Fehlbildungen

"Dieser Kollege wird die Fälle weiter in den regionalen Qualitätszirkeln der Kinder- und Jugendärzte thematisieren. Hier tauschen sich vor allem auch die niedergelassenen Kinderärzte aus, die diese Kinder nachbetreuen", heißt es.

Leider gebe es kein bundesweites Melderegister für Fehlbildungen. "Es wäre eine Meldung über Eurocat als zentrale Meldestelle der Europäischen Union möglich. Hier sind wir als geburtshilfliche Klinik als Melder jedoch bisher nicht registriert", so das Krankenhaus aus Buer, das Kontakt zu einer Expertin der Charité in Berlin aufgenommen habe.

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