Nach CDU-Vorschlag

Legaler Tuner-Treffpunkt in Dortmund? Das sagen ein Auto-Fan, Polizei und Stadt dazu

Die CDU-Ratsfraktion in Dortmund hat einen legalen Treffpunkt für Auto-Tuner ins Gespräch gebracht. Ein Tuning-Fan begrüßt das. Stadt und Polizei sehen die Idee kritisch.

Dortmund – Derzeit sorgen die Polizei-Kontrollen von Rasern und Posern am Wall in Dortmund* erneut für viel Aufsehen. Leidtragende der Raser-Szene sind die Anwohner. Mit in den gleichen Topf geworfen werden häufig auch die Auto-Tuner. Zu Unrecht, finden Mitglieder der Szene. Auch die CDU im Dortmunder Stadtrat will nun prüfen lassen, ob es außerhalb der Innenstadt Orte für einen legalen Treffpunkt für Tuning-Fans gibt. Doch Stadt und Polizei sehen das kritisch, berichtet RUHR24.de*.

Dortmund: Legaler Treffpunkt für Auto-Tuner? Stadt und Polizei sehen das kritisch

In der Debatte um die Raser-Szene ist die Meinung der CDU in Dortmund klar: „Null Toleranz gegen Raser und auch null Toleranz gegen Menschen, die das gemeinschaftliche Leben nicht respektieren“, wird Uwe Wallrabe, ordnungspolitischer Sprecher der Fraktion zitiert. Er ist verärgert, dass Raser und Poser jedes Wochenende die Polizei in Dortmund beschäftigen.

Auch an beliebten Szene-Treffpunkten wie dem Phoenix See und im Industriegebiet Phoenix West in Hörde forderte er weitere Maßnahmen wie versenkbare Poller, verschärfte Kontrollen und anschließende Strafverfolgung. Dennoch will die Fraktion von der Stadt prüfen lassen, ob für Auto-Poser ein „Ausweichquartier“ außerhalb der Innenstadt zur Verfügung steht.

Doch auch ein solches Areal müsste „bestimmte Kriterien – wie beispielsweise keine Wohnbebauung im Umkreis“ erfüllen, schreibt er auf Anfrage von RUHR24.de. Außerdem müsse die Verwaltung vor einer Auswahl erst einmal die Eigentumsverhältnisse eines solchen potenziellen Platzes klären.

Tuner aus Dortmund appelliert an die eigene Szene und fordert bessere Kommunikation

In der Tuner-Szene trifft ein solcher Vorschlag logischerweise auf offene Ohren. „Wir sind ja immer auf der Suche nach einem Platz, wo wir niemanden stören“, sagt uns ein Tuner aus Dortmund, der seinen Namen nicht in der Presse lesen möchte. „Ein Ort für so einen Platz müsste auf jeden Fall abgelegen sein, damit wir niemanden stören.“ Denn die Erfahrung zeige, dass die Leute sich auch dann von den Auto-Tunern gestört fühlen, wenn die Motoren aus sind, sagt er.

Vorübergehend durften sich Auto-Schrauber auf dem Metro-Parkplatz am Borsigplatz treffen. Nachdem einige der jüngeren Besucher eine große Musikanlage mitbrachten und der Platz zugemüllt wurde, untersagte der Eigentümer jedoch die Treffen.

Dem Tuner aus Dortmund ist klar: „Wenn wir einen Platz hätten, dann müssten wir auch dafür sorgen, dass sowas nicht mehr vorkommt.“ Dazu müsse sich die Kommunikation zwischen Tunern und der Polizei „massiv verbessern“. Seine Idee: „Wir brauchen einen Verein oder eine Gruppe, die sich um die Organisation und um die Einhaltung der Regeln kümmert.“

Polizei Dortmund steht Treffpunkt für „Raser- und Poserszene kritisch gegenüber“

Ob es dazu überhaupt kommt, ist fraglich. Denn die Ordnungshüter haben zu der Idee der CDU-Fraktion eine recht klare Meinung: „Einer von der Stadt geschaffenen ‚Ausweichfläche‘ für die Raser- und Poserszene steht die Polizei Dortmund kritisch gegenüber“, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Ein solcher Treffpunkt würde nur neue Probleme schaffen. Zudem gelten auf allen öffentlichen Verkehrsflächen die Regelungen der Straßenverkehrsordnung und des Strafgesetzbuchs.

Die Polizei Dortmund (alle Blaulicht-News aus Dortmund auf RUHR24.de*) werde daher keinen „legalen Treffpunkt für illegale Handlungen“ tolerieren. Darunter fallen neben illegalen Autorennen und verbotenen Modifikationen am Auto derzeit wegen der Coronaschutzverordnung auch Treffen von mehreren Personen.

Dortmund ist allein wegen JP Kraemer und Sidney Hoffmann eine Tuning-Hochburg

Dabei ist Dortmund seit Jahrzehnten Tuning-Hochburg. Unter anderem der TV-Tuner Sidney Hoffmann hat dort seine Werkstatt. Zuletzt eröffnete Szene-Ikone JP Kraemer gar das Auto-Museum „Pace“ in Dortmund*. Er hatte bereits vor mehreren Jahren angeboten, zwischen der Tuning-Szene sowie Stadt und Polizei zu vermitteln. Eine Anfrage von RUHR24.de zu der erneuten Debatte ließ der Chef von JP Performance* bislang unbeantwortet.

Nach Angaben der Polizei Dortmund haben jedoch anschließend keine Gespräche in diese Richtung stattgefunden. Zudem sei zunächst die Stadt für die Verkehrsgestaltung im öffentlichen Raum zuständig. Falls überhaupt, käme die Polizei erst im weiteren Verfahren hinzu.

Stadt Dortmund: „Ausweichquartiere für Raser und illegale Tuner werden nicht gesucht“

Auch bei der Stadt Dortmund sieht man den neuen Vorschlag kritisch. Man schaue zwar „differenziert auf die Szene, in der es viele gibt, die mit den Rasern nichts zu tun haben“, teilt Stadtsprecher Maximilian Löchter auf Anfrage mit. Ziel sei derzeit aber, „dass die Raserei in unserer Stadt aufhört“.

Die Polizei Dortmund will die Kontrollen von Rasern und Posern am Wall verstärken. (Symbolfoto)

Die Stadtverwaltung nehme Sorgen, Ängste und Beschwerden der Anwohner sehr ernst. „Die Raser-Szene verhält sich rechtswidrig, lebensgefährdend und lebensgefährlich“, gibt er zu bedenken. Derzeit werden weitere Maßnahmen geprüft, um Raserei zu verhindern. Dennoch stellt er klar: „Ausweichquartiere für Raser und illegale Tuner wurden und werden nicht gesucht, denn die lebensgefährliche Raserei braucht keinen Ort.“

Treffpunkt für Tuner in Dortmund: Ein langer Weg

Die Fronten zwischen Tunern sowie Stadt und Polizei in Dortmund scheinen somit weiter verhärtet. Dabei gibt es durchaus Gemeinsamkeiten: Raser und Krachmacher in der Innenstadt will niemand – das dürften auch viele Tuner so sehen.

Um die Tuning-Szene aus der Gleichung mit Rasern und Posern herauszunehmen, könnte ein abgelegener Treffpunkt mit strikten Regeln helfen. Doch der Zeitpunkt der Debatte ist ungünstig und Weg dorthin scheint - wenn überhaupt - noch sehr lang zu sein. *RUHR24.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch

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