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Frau getötet: Suchte der Mann zuvor Hilfe in Psychiatrie?

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Von: Simon Stock

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Das Polizeipräsidium in Dortmund.
Das Polizeipräsidium in Dortmund. © Imago/Olaf Döring

Ein Mann ist in Dortmund vor den Augen der Polizei in den Tod gesprungen, nachdem er seine Ehefrau getötet haben soll. Er bat womöglich vergeblich um Aufnahme in die Psychiatrie.

Update vom 20. Juli, 15.05 Uhr: Das NRW-Gesundheitsministerium hat Vorwürfe zurückgewiesen, wonach sich ein 56-Jähriger vergeblich um Aufnahme in die Psychiatrie bemüht hatte, bevor er in Dortmund seine Frau und dann sich selbst tötete. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Anfrage von AfD-Abgeordneten hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Der Mann habe in der Ambulanz nach einem Gesprächstermin zur Abklärung einer planbaren Krankenhausbehandlung gefragt und sei von einer Mitarbeiterin auf einen möglichen Gesprächstermin im Rahmen der wöchentlichen Ambulanzsprechstunde hingewiesen worden, heißt es in dem Schreiben der Landesregierung, die sich an der Stelle auf das Gesundheitsministerium beruft. «Von einer Notfall- oder Krisensituation sei nicht die Rede gewesen.»

Für die Staatsanwaltschaft Dortmund ist die Sache noch nicht so klar: Das Verfahren wegen Mordverdachts gegen den 56-Jährigen wurde demnach aufgrund seines Todes eingestellt. Man prüfe aber in dem Todesermittlungsverfahren weiter ein etwaiges Fremdverschulden.

Einem Medienbericht zufolge, auf den sich das Ministerium bezog, soll der Mann kurz vor der Tat Hilfe in einer Dortmunder Psychiatrie gesucht haben. Er soll den Drang verspürt haben, anderen und sich selbst Gewalt anzutun, sei aber wieder weggeschickt und an den Hausarzt verwiesen worden, hieß es darin.

Der 56-Jährige, der laut Staatsanwaltschaft unter psychischen Problemen litt, hatte am 11. Juni in Dortmund-Hörde in der gemeinsamen Wohnung mit einem stumpfen Gegenstand auf seine 42 Jahre alte Frau eingeschlagen. Sie starb später im Krankenhaus. Der Mann selbst sprang nach der Tat aus einem Fenster im zweiten Obergeschoss des Mehrfamilienhauses und starb.

Update vom 14. Juni, 13.10 Uhr: Der 56-Jährige, der in Dortmund seine Frau getötet haben soll und dann vor den Augen der Polizei in den Tod sprang, hatte psychische Probleme und womöglich vergeblich um Aufnahme in die Psychiatrie gebeten. Welches Ausmaß seine psychischen Probleme hatten, sei noch nicht klar, sagte Staatsanwältin Milena Klement am Dienstag. Laut Bild hatte der Mann am Tag vor der mutmaßlichen Tat in einer Fachklinik um Aufnahme gebeten, war aber abgewiesen worden. Auch um diese offene Frage gehe es bei den laufenden Ermittlungen, ergänzte die Staatsanwältin.

Laut Bild hatte der Mann in der psychiatrischen Klinik in Dortmund am vergangenen Freitag von Wahnvorstellungen berichtet und angegeben, dass er den Drang spüre, sich und anderen Gewalt anzutun. Er sei abgewiesen worden mit dem Hinweis, er solle sich am Montag an seinen Hausarzt wenden. Laut Staatsanwältin gibt es nach bisherigem Ermittlungsstand keinen Hinweis auf Wahnvorstellungen. Zeugen, die zum „Randgeschehen“ vernommen werden sollten, würden auch zu den psychischen Problemen des Mannes befragt. - dpa

Zwei Tote in Dortmund: Mann stirbt vor den Augen der Polizei

[Erstmeldung] Dortmund (NRW) - Dramatische Szenen spielten sich in den frühen Morgenstunden des Samstags (11. Juni) in Dortmund ab. Zwei Menschen kamen im Stadtteil Hörde ums Leben - einer davon vor den Augen der Polizei.

Ein 56 Jahre alter Dortmunder hatte die Polizei gerufen und um Hilfe gebeten. Als die Beamten am Einsatzort eintrafen, ließ sie der Mann ins Haus und stürzte sich, noch während sich die Polizisten im Treppenhaus aufhielten, aus einem Fenster seiner Wohnung. Er überlebte den Aufprall nicht.

Dortmund: Mann springt in den Tod, Frau stirbt im Krankenhaus

In der Wohnung fand die Polizei die 42 Jahre alte Ehefrau des Mannes schwer verletzt im Schlafzimmer. Trotz sofortiger ärztlicher Behandlung starb sie wenige Stunden später in einem Dortmunder Krankenhaus an den Folgen ihrer schweren Verletzungen, wie Staatsanwaltschaft und Polizei Dortmund mitteilten. Wodurch die Ehefrau die schweren Verletzungen erlitten hatte, war zunächst nicht bekannt. Unbestätigten Informationen zufolge hinterlässt das Paar zwei Kinder.

Nach ersten Ermittlungen litt der 56-Jährige in den vergangenen Monaten unter psychischen Problemen. Eine Mordkommission wurde eingerichtet. Bei einem Amoklauf an der Hochschule Hamm-Lippstadt (HSHL) wurden vier Personen zum Teil lebensgefährlich verletzt. Ermittler aus Dortmund und Hamm äußerten sich über Täter und Motiv.

Hinweis der Redaktion: Wir berichten in der Regel nicht über Selbsttötungen, weil leider durch die Berichterstattung die Nachahmerquote erhöht wird. Wir machen eine Ausnahme, wenn Suizide durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit erfahren. Wenn Sie sich selbst in einer Krisensituation befinden, suchen Sie sich bitte Hilfe, beispielsweise bei der Telefonseelsorge (Tel. 0800-1110111).

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