Spieler von Osmanlispor Dortmund rastet aus

Eskalation in der Kreisliga: Fußballer schlägt Schiedsrichter krankenhausreif

Erschreckende Szenen im Dortmunder Kreisliga-Fußball: Ein Spieler von Osmanlispor rastete am Sonntag aus und schlug einen Schiedsrichter aus Hamm krankenhausreif. Selbst seine Mitspieler waren fassungslos. Die Polizei ermittelt.

Dortmund/Hamm - Die Saison im Fußballverband Westfalen ist erst zwei Spieltage alt und hat schon ihren ersten Spielabbruch nach einer Gewalteskalation. Die Partie der Kreisliga A2 Dortmund zwischen VfB Lünen und Osmanlispor Dortmund am Sonntag (13. September) wurde kurz vor der Halbzeitpause abgebrochen, nachdem ein Gäste-Spieler aus Wut über seinen Platzverweis auf Schiedsrichter Ayoub Kaichouh (BV 09 Hamm) eingeschlagen hatte.

Kaichouh wurde zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Dort wurden Prellungen am Kiefer und an den Rippen festgestellt, wie Thorsten Perschke, Schiedsrichterobmann des Fußballkreises Unna-Hamm, mitteilte. „Der vom Platz gestellte Spieler rannte auf den Schiedsrichter zu und trat ihm mit dem Knie in den Bauch. Gleichzeitig schlug er ihm mit der Faust auf die Schläfe“, heißt es in einem Bericht der Polizei Dortmund. Kaichouh ging zu Boden und wurde vom Platz eskortiert.

Gewalt in der Dortmunder Fußball-Kreisliga A2: Spieler prügelt Schiedsrichter

„Man hat von Anfang an gesehen, dass der Spieler aggressiv war – und das wurde von Minute zu Minute schlimmer“, sagte Lünens Trainer Mark Bördeling. „So etwas habe ich selbst überhaupt noch nicht erlebt und möchte es auch nicht noch einmal erleben.“ Sein Spieler Leon Broda hatte den Unparteiischen noch weggezogen. „Sonst wäre es noch schlimmer ausgegangen“, glaubt Bördeling.

Die Polizei war wenig später mit mehreren Streifenwagen vor Ort, musste aber nicht weiter eingreifen, weil beide Mannschaften Ruhe bewahrten und das Team von Osmanlispor Dortmund sich geschlossen bei den Zuschauern entschuldigt hatte. Auslöser für die Tat war wohl ein Foulelfmeter, den Kaichouh beim Spielstand von 2:1 für Lünen gegen die Dortmunder verhängt hatte. Es folgte eine hitzige Diskussion zwischen Spieler und Schiedsrichter mit anschließendem Platzverweis.

Osmanlispor-Trainer über ausrastenden Spieler: „Tickende Zeitbombe“

„Der Junge ist richtig durchgedreht“, sagte Hasan Kayabasi, der Sportliche Leiter von Osmanlispor Dortmund und Beisitzer in der Spruchkammer des Fußballkreises Dortmund. Hasan Akca, Trainer der Dortmunder, soll den Spieler später als „tickende Zeitbombe“ bezeichnet haben. Osmanlispor-Vorsitzender Hüsseyin Asan hatte bereits unter dem ersten Eindruck mitgeteilt, der Spieler werde „natürlich aus unserem Verein ausgeschlossen“.

Spielabbruch nach Gewalt gegen den Schiedsrichter in der Fuball-Kreisliga A2 Dortmund: Die Mannschaft von Osmanlispor Dortmund entschuldigte sich nach dem Abbruch beim VfB Lünen und dessen Fans.

Vor Strafe schützt den Spieler eine solche Entscheidung ebenso wenig wie ein Austritt aus dem Verein und damit aus dem Verband. Auch Unna/Hamms Schiedsrichter-Boss Thorsten Perschke ist an einem – dem Vorfall entsprechenden – Urteil interessiert und möchte Einfluss nehmen: „Wir stehen mit dem Dortmunder Schiedsrichter-Obmann in Verbindung und versuchen, dabei zu sein.“

Für ihn und auch für Kayabasi lassen sich solche Vorkommnisse in letzter Konsequenz nicht vermeiden. „Wir reden immer wieder darüber, wie sich das verhindern lässt, ohne Lösungen zu haben“, sagt Perschke und stimmt dem Sportlichen Leiter zu, der sagt: „In den unteren Ligen gibt es einfach mehr undisziplinierte Spieler als in höheren Klassen wie Landes- oder Westfalenliga. Je tiefer es geht, desto mehr bildet sich unsere Gesellschaft ab.“

Schiedsrichter Kaichou nach der Attacke unter Schock

Schiedsrichter Kaichouh, der nach der Attacke sichtlich unter Schock gestanden habe, wird sich wegen des schwebenden Verfahrens erst einmal nicht zu dem Vorfall äußern und hat – laut Perschke – am Montag bei der Polizei Anzeige wegen Körperverletzung erstattet. Der 25-Jährige sei, sagt sein Gruppenobmann bei den Hammer Schiedsrichtern, Sebastian Hauptmann, zwar noch sehr jung, aber „schon seit ein paar Jahren dabei und sehr erfahren für sein Alter.“

Lünens Trainer Mark Bördeling (47) denkt inzwischen darüber nach, den Trainerjob aufzugeben: „Man muss wirklich überlegen, ob man das so weitermacht. Das muss man für sich selbst entscheiden. Da werden Grenzen überschritten. Die Vorfälle häufen sich – und irgendwann reicht es.“

Gewalt gegen Fußball-Schiedsrichter in unteren Ligen ist keine Seltenheit. Bei einem Amateurspiel in Hessen kam es zu einem bizarren Vorfall. Ein Spieler wurde mit Gelb-Rot vom Platz gestellt - daraufhin schlug er den Schiri bewusstlos. Im Sauerland reichte einem Kreisliga-Kicker schon die gelbe Karte, um den Schiedsrichter zu Boden zu schlagen.

Rubriklistenbild: © Fredrik von Erichsen/dpa

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