Check für alle mit Covid-19-Symptomen

Coronavirus: Neue Test-Strategie in der Stadt Dortmund - das steckt dahinter

Die Stadt Dortmund ändert die Strategie beim Coronavirus-Test. Was es mit der Kehrtwende auf sich hat - wir klären die wichtigen Fragen zu Covid-19.

  • Im Kampf gegen das Coronavirus ändert Dortmund die Strategie.
  • Ab sofort sollen mehr Tests durchgeführt werden.
  • Das soll die Zahl der Neuinfektionen minimieren und Infizierte schneller isolieren.

Dortmund - Spüren wir momentan nicht alle irgendwie das Coronavirus in uns? Hier ein komisches Kratzen im Hals, dort eine auffällige Hustenattacke. Das Coronavirus steckt freilich nicht immer hinter diesen Symptomen. Und daher wird auch nicht jeder, der glaubt, er habe das Coronavirus, darauf getestet. 

Dennoch: Ab Mittwoch (25. März) sollen in Dortmund mehr Menschen auf das Coronavirus getestet werden, die Stadt ändert damit ihre bisherige Strategie. RUHR24.de* klärt wichtige Fragen zur neuen Vorgehensweise.

Dortmund: Stadt ändert Strategie bei Tests auf das Coronavirus

Zunächst ein Blick auf die bisherige Strategie: Auf das Coronavirus* wurden in Dortmund bislang nur Menschen getestet, die auffällige Symptome hatten (Fieber, Husten/Kratzen im Hals, Atemnot, Muskel- und Kopfschmerzen), Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten und/oder in einem Risikogebiet gewesen sind - etwa in Italien.

Das Gesundheitsamt der Stadt Dortmund streicht nun die Kriterien "Kontakt zu infizierter Person gehabt" und "aus Risikogebiet gekommen" und testet ab sofort alle Menschen, die Symptome aufweisen, die zu einer Covid-19-Erkrankung passen (siehe oben).

Dortmund: Zahl der Infizierten mit Coronavirus könnte durch mehr Tests steigen

Damit verlässt die Stadt Dortmund die bisherige Empfehlung des Robert-Koch-Instituts - von der sich die Behörde am Dienstag (24. März) nach Veröffentlichung einer neuen Empfehlung für Ärzte selbst verabschiedet hat. Dortmund testet also mehr Menschen, als zuvor. Dafür wurde am Samstag das neue Diagnostikzentrum am Klinikum Nord eröffnet. Gut möglich, dass die Zahl der Infizierten demnächst also steigt.

"Aktuell sind die Fallzahlen kleiner, da die Risikogruppe der Personen, die aus Risikogebieten wie Italien oder den Skigebieten kommen, kleiner wird", sagt Dr. Frank Renken, Leiter des Gesundheitsamts Dortmund. Diese Rückkehrer wüchsen langsam aus der Inkubationszeit heraus. Zuletzt seien daher nur noch wenige Tests auf das Coronavirus in Dortmund durchgeführt worden.

Jetzt also die Kehrtwende: Die Stadt sucht Menschen, die sich unwissentlich mit dem Coronavirus angesteckt haben könnten. Also Bürger, die weder in einem Risikogebiet waren, noch Kontakt zu einem Infizierten hatten. Für einen Test reicht es jetzt, wenn man die genannten Symptome aufweist.

Dortmund will durch mehr Tests mehr unerfasste Coronavirus-Fälle erfassen

Hinter der neuen Strategie steckt die Überlegung, mehr unerfasste Fälle in Dortmund zu erkennen. Denn: Wer bislang Coronavirus-Symptome hatte, aber nicht als positiv diagnostiziert wurde, konnte weiterhin Menschen damit anstecken. Eine Quarantäne war bis dato nämlich nicht nötig.

Vorbild für die Durchführung von mehr Tests ist Südkorea. Das Land ging noch einen Schritt weiter als Dortmund (alle Entwicklungen rund um das Coronavirus im Live-Ticker*) und testete in "Drive-Ins" - also wie bei bekannten Burger-Brätern aus dem Auto heraus - in Massen. Dadurch konnten viele mit dem Coronavirus infizierte Menschen identifiziert und in Quarantäne gesteckt werden. Drastische Ausgangssperren wurden in Südkorea damit verhindert. Statt alle Menschen zu isolieren, wurden die Corona-Positiven isoliert.

Mehr Coronavirus-Tests in Dortmund: Kritiker sind nicht weit

Ganz unkritisch wird das massenhafte Testen jedoch nicht gesehen. Immer wieder wird mit Sorge auf die begrenzten medizinischen Kapazitäten geblickt, um die Tests auszuwerten. Zumal viele der Tests im Falle der Massen-Strategie "unnötig" gemacht würden, da viele dann negativ ausfielen. Geprüft wird vielerorts deshalb der Einsatz von sogenannten "Vollautomaten", die Corona-Tests weitgehend ohne menschliche Zutun durchführen - allerdings sehr kostspielig sind.

Unterdessen rät sogar die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu mehr Tests. Wo es in Europa gut funktionieren kann, zeigte die italienische Kleinstadt nahe Venedig. Ärzte, das Rote Kreuz und die Uni Padua testeten dort für eine Studie mehrmals alle 3300 Einwohner und isolierten alle positiv getesteten Menschen. Das Ergebnis: Das Coronavirus war innerhalb von 14 Tagen ausgerottet. 

Das italienische Dorf Vo Euganeo hat alle seine 3300 Bürger auf das Coronavirus getestet.

Aber: Anders als in Dortmund testeten die Studienmacher dort auch Menschen ohne Symptome. Dass das bei über 600.000 Einwohnern auch in Dortmund so kommen könnte, scheint derzeit allerdings schwer umsetzbar. So scheint es um so wichtiger, die aktuellen Beschränkungen für das soziale Leben ernst zu nehmen.

*RUHR24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Rubriklistenbild: © Daniele Giustolisi/RUHR24, Sven Hoppe/dpa; Collage: RUHR24

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